. Gabriel, Grivas, Jowan und auch der Arnaut Hassan folgten seinem Beispiele, und drei der Reiter stürzten von den Pferden, während die Andern erschrocken Kehrt machten und davon sprengten, der Eine gleichfalls verwundet im Sattel schwankend. In wenigen Augenblicken waren unter dem tobenden Allahruf die Türken ausserhalb der Schussweite unter den Kastanienbäumen versammelt, die Pferde wurden gekuppelt und angebunden, während zwei der Reiter mit der Kunde davon jagten, dass die Flüchtigen gefunden seien, und der Führer der Schaar verteilte seine Leute über die Fläche, von allen Seiten das Gebäude im weiten Halbkreise umgebend.
Während die kurze Dämmerung, die im Süden Tag und Nacht scheidet, hereinbrach, begann das Gefecht, und die Schüsse der Plänkler knatterten munter gegen die Oeffnungen des Gemäuers, aus dem hin und wieder ein Schuss aus den langen Flinten der Czernagorzen antwortete, wenn Einer oder der Andere der Moslems unvorsichtig sich zu weit vorwagte. Der Schein des Vollmonds, der den ersten teil der Nacht erhellte, zeigte klar alle Gegenstände rings umher. Plötzlich übertönte ein wilder Jubelruf der zurückgebliebenen Türken das einzelne Knallen der Flinten. An der Spitze eines zweiten Trupps heran jagte eine Frau im weiten, weiss durch die Nachtluft flatternden Mantel, den Schleier um das Haupt gewunden, die Büchse in der Hand, im Gürtel Pistolen und Handjar, – vor dem weissen Araber her in mächtigen Sprüngen mit gesträubtem Haar der Wolf, ihr Begleiter.
Um das Pferd der kühnen Reiterin sammelte sich die Schaar, Befehle flogen von ihren Lippen nach rechts und links, in drei Haufen teilte sich der wohl an fünfzig Mann starke Trupp, und langsam, lautlos rückten sie jetzt von drei Seiten gegen den Turm.
"Bei Allah!" sagte Hassan zu den Kampfgefährten, "wir werden einen schweren Stand haben. Kennt Ihr den Teufel in Weibergestalt, der sie zum Angriff führt? Es ist Fatinitza, die Wölfin von Skadar, von der das Volk erzählt, dass sie das Blut ihrer Feinde trinkt. Es ist unser Kismet5, hier zu sterben."
Der alte Beg grinste in teuflischem Hohnlachen.
"Ist es die Wölfin von Skadar, so will ich sie fällen, wie das Tier, dessen Namen sie führt!"
Die Flinte lag an seiner Wange, der Finger berührte den Drücker, doch vergebens schnappte der Hahn auf die Pfanne, das Gewehr versagte, – zum ersten Male seit langen Jahren.
Der Greis setzte es erstaunt und abergläubisch zu Boden.
"Bei Bog, dem grossen Würger, – sie ist gefeht."
"Ich sagte es Euch vorher, Beg Iwo! Sie hat den bösen blick und keine Menschenhand kann sie verletzen. – Aber zur Wehr, Männer; die Krieger des Halbmonds sind über Euch und Allah will es, dass ich gegen die eigenen Brüder fechten soll."
Der Moslem erfüllte wacker die Pflicht des Gastfreundes. Seine Flinte war die erste, die knallte und einen seiner früheren Kameraden zu Boden streckte. Der Einäugige, Nicolas, Gabriel und Jowan empfingen die auf ein Zeichen der schönen Megäre gegen den Bau Heranstürzenden mit einer Salve. Jede Kugel fand ihren Mann, aber über die Leiber der Fallenden sprangen mit wildem Geschrei die Albanesen vorwärts und das Handgemenge begann an jeder Oeffnung der Mauer. Pistolenschüsse, die Hiebe der Yatagans und der Säbel klangen hin und her; an den engen Oeffnungen der Fenster mit leichter Mühe von Jowan und dem Lekitsch – Khan zurückgeschlagen, drängte sich der Hauptangriff zur weitklaffenden Oeffnung der ehemaligen Tür. über die Balken, Steine und Brandtrümmer versuchten die blutigen Arnauten in's Innere zu dringen, in ihrer Mitte, Allen voran, keine Gefahr scheuend, Fatinitza, während das Geheul des Wolfes grimmig durch das Toben des Gemenges scholl.
"Sve Oslobod!" klang der Kampfruf des Alten, dessen gewichtige Hiebe, wo sie niederfielen, Tod und Verderben brachten, da – als seine Faust mit der schweren Waffe wieder erhoben, warf sich das Mädchen ihm entgegen, ihr dämonisches Auge traf das seine und ihr Handjarhieb seine Stirn, dass er blutig zurücktaumelte.
"Maschallah! Der Sieg ist unser!"
Aber eine Hand erfasste ihren Arm, als sie hereinspringen wollte in den verteidigten Raum – eine zweite umschlang ihren Leib, Auge blitzte in Auge, der funkelnde blick des Weibes und das finstre Auge des Mannes, mit dem sie ihr Lager geteilt, – und weit hin mit gewaltigem Stoss schleuderte er über die Trümmer hinweg die Geliebte, dass ihr Körper den Boden mass und heulend der Wolf sich auf die Gefallene stürzte.
Die rasche Tat des Griechen entschied den Sieg; die Arnauten liessen bestürzt ab von dem Sturm und eilten zu der Gebieterin, die sie forttrugen; die Schüsse der Czernagorzen, die Luft und Zeit gewannen, jagten die Letzten davon.
Eine Pause schien auf den blutigen Kampf zu folgen. Alle Verteidiger des Turms mit Ausnahme des Moslem waren verwundet und verbanden jetzt die leichten Verletzungen, so gut es gehen wollte, sich der auf den Charakter und die Sitte ihrer Gegner gegründeten Hoffnung hingebend, dass das Misslingen des ersten Anlaufs ihnen für lange Zeit Ruhe schaffen würde, in der die Hilfe erscheinen konnte. Auch drüben unter dem über Schussweite entfernten Haufen der Verfolger war es still, man sah nur, wie sie Holz an verschiedenen Stellen zusammenschleppten, um Feuer ringsum anzuzünden, damit bei dem frühen Untergang des Mondes im Schatten der Nacht ihre Beute nicht entweichen, oder im blutigen Ueberfall ihnen unbemerkt nahen könne.
Nur das Stöhnen, die Seufzer der Verwundeten, die