Haar und der etwas matten seinen Miene passend. Eine Dritte, imponirend durch ihren Wuchs, die Zahl der Sommer durch die blendende Toilette unmöglich zu entscheiden, wenn der Gotaer Almanach nicht zu hülfe kommt, mit dunklem Auge die Gruppe überblitzend, stützt leicht die von der feinsten Pariser Hülle bedeckte Hand auf den Kasten des nächsten Orangenbaumes.
Vier Herren stehen im Gespräch um sie gruppirt, nur einer davon ist in Civil, die drei Andern tragen Uniform. Der Erste von ihnen ist ein hoher Offizier von hohem Alter, aber von ungebeugter martialischer cavaliermässiger Haltung. In dem kleinen von Falten umgebenen Auge, das scharf umherblickt, liegt ein gewisser gutmütiger Humor; er spricht langsam und gegen Männer mit dem Ausdruck Eines, der zu befehlen gewohnt ist.
Der Zweite ist ein Garde-Artillerie-Offizier in der vollen stattlichsten Mannesblüte. Sein frisches Aeussere imponirt, seine Bewegungen sind die der höchsten Gesellschaft und stellen seinen Nachbar in Schatten, der zwar von gleichem Alter und in einer glänzenden russischen Garde-Uniform, die junge breite Brust mit Orden bedeckt, doch zuweilen zeigt, dass das Feldlager und Schlachtgewühl ihm ein gewohnterer Boden, als das Parket eines glänzenden Hofes. Sein interessantes männlich schönes Gesicht ist eine Verschmelzung slavischer mit deutschen Zügen.
Der Herr im schwarzen Civilfrack, auf der Brust eine Reihe von Orden, unter denen das Hohenzollernkrenz ein Herz deckt, das mit jedem Gedanken, mit Wort und Tat auf diese Anerkenntniss seines Königs ein Recht hatte, zeigt ein gewisses Embonpoint, jene solide Behaglichkeit geistreicher Genussmenschen. Für die letztere Eigenschaft spricht das runde kräftige Kinn, für die erstere das blaue klare und doch scharfe Auge, die rastlose Beweglichkeit dieses höfischen gemütlichen Proteusgesichts, das bald Spott und Humor, bald sinnenden Ernst, ja tiefes Studium zeigt, ewig wechselnd im Ausdruck nach der Stimmung und dem Stoff, mit dem sich sein Geist augenblicklich beschäftigt, – den Ausdruck, dessen Vielseitigkeit auf die Leinwand zu fesseln der geniale Pinsel Adams's allein vermocht hat.
Der fortschreitende Geist der Zeit hat nicht allein die Völker, sondern auch die Höfe der Fürsten geläutert. An Stelle der Grumbkow's sind Männer wie Humboldt und Jener getreten, das schönste zeugnis für den erhabenen Standpunkt Dessen, der ihnen das Vertrauen seiner Mussestunden zugewendet.
"Sie sind uns noch den hohen Scherz schuldig, Prinz Kraft," sagte die sitzende Dame mit dem strengen Ausdruck, "über den unser Hofrat so viel gelacht. Mon Dieu, wäre er nicht für unsere Ohren?"
"Warum nicht, meine gnädigste Gräfin," erwiderte der junge Offizier. "Ich überbrachte die telegraphische Depesche von Wien, welche für morgen die Ankunft Ihrer Majestät der Königin von Griechenland meldet; Seine Majestät meinten heiter scherzend: Das Hotel zum Schwarzen Adler wäre in diesem Sommer doch das besuchteste von ganz Berlin."
"Wenn Ihre Majestät die Königin von Griechenland kommt," bemerkte mit leichter Satyre die hohe Dame am Orangenbaum, "so werden wir gelegenheit haben, zu erfahren, ob Ihr Herr Caraiskakis oder Grivas noch am Leben, lieber Hofrat?"
"Es ist doch recht abscheulich von Ihnen," sagte die junge Blondine, "dass Sie das arme Marketendermädchen so grausam sterben lassen. Sie sind sonst so ein herzensguter Mann und lesen uns manchmal so liebe komische Dinge, dass ich gar nicht begreife, wie Sie so grausam sein können."
"Also Sie haben das Buch auch gelesen, ma chère?" fragte scharf die ältere Dame, "Sie leugneten es doch neulich auf das Bestimmteste."
Das reizende Gesichtchen der jungen Baronesse überzog sich mit Rot. "Es fielen mir neulich einzelne Hefte bei meiner Schwester in Berlin in die hände, deren Gemahl sich dafür interessirt. Die Beschreibungen der Schlachten sind wirklich – wie soll ich sagen, recht unterhaltend, namentlich wenn man jetzt die Herren vor sich sieht, die darin mitgekämpft. Haben Sie nicht auch die militairischen Schilderungen recht pikant gefunden, Excellenz?"
"Verzeihen Baroness," sagte der alte Feldmarschall trocken, "ich lese dergleichen Zeug's nicht. Ich begreife nicht, wie sich hier der Hofrat, seiner Zeit ein ganz verständiger Soldat, mit so nichtsnutzigem Geschreibsel befassen kann!"
Der Hofrat wehrte mit Hand und Mund. "Ich bitte Euer Excellenz und Sie meine gnädigsten Damen auf das Untertänigste, doch endlich Akt zu nehmen von meinem Protest. Ich werde doch gewiss nicht einen solchen Verstoss begehen, ein Buch zu schreiben, in dem allerlei lebende hohe und verehrungswürdige Persönlichkeiten mit so frevelhafter Dreistigkeit behandelt sind."
"Sie haben Recht, lieber Hofrat," sagte die ältere Dame, "ich traue Ihnen so Etwas nicht zu, obschon Sie manchmal gewisse kleine Tücken noch immer nicht ablegen können. Nicht wahr, ma Comtesse, Sie sind auch meiner Meinung?"
Die schöne Dame am Baum klappte mit einem leichten ironischen Lächeln den Fächer zu. "Man hätte am Ende gar noch zu befürchten, selbst zur Staffage der Scenen des unbekannten Autors zu dienen!"
"Himmel! was denken Sie, meine Liebe, – eine solche Anmassung! Ich schicke Ihnen morgen Ihr hässliches Buch durch meinen Diener zurück, Hofrat, ich mag es gar nicht zu Ende lesen; es war ohnehin unverantwortlich von dem Autor, wer der Herr auch sei, so lange mit dem Schluss uns warten zu lassen."
"Ich traue Ihnen doch nicht, Hofrat," sagte der Artillerie-Offizier, "die allgemeine stimme hält Sie oder