auch ihm wird mit Blitzesschnelle die überzeugung: "Verflucht sei die Metze, die, um ihren Buhler zu retten, Russland's Sieg geopfert hat!" – Blutiger Schaum stürzt aus seinem Mund, während Iwan Oczakoff ihn von sich stösst und davon stürmt. ––––––––––––––––––––––––––––
Auf seinem arme hat der alte kosacken-Häuptling den jungen Offizier des Kurgan aus den Leichenhaufen getragen und lehnt ihn in einem Winkel der Bastion an die Wand, beschützt von Méricourt und dem Sergeant-Major Fabrice. An der Seite des Bewusstlosen knieet Nini, die Marketenderin, seinen Kopf auf ihrem Schooss – sie reisst, schreiend vor Angst und Schmerz um den geliebten Flüchtling, die Uniform ihm auf – eine volle üppige, blutüberströmte Frauenbrust quillt ihr entgegen, entüllt sich allen Blicken! – "Barmherziger Gott – Iwan – Iwanowna!" tönt auch hier der Schrei des Colonels – – da rast es herbei, die Menschenwoge der Franzosen, geworfen auf dem äussern Abhang der Bastion und die tapfern Feinde dringen ihr nach durch die Kehle des Werks noch ein Mal in das Innere des Malachof! Ein Schlachten, ein Würgen ringsum! An der Spitze seiner Jäger stürmt Iwan Oczakoff auf die weichenden Zuaven, – das Auge der Marketenderin trifft auf die bekannte Gestalt, das bleiche Gesicht; sie fährt empor –: "Das ist der Rechte! Jean! Jean, zu mir!" Da knallen die Büchsen der russischen Jäger – da schlagen die Kugeln ein in nächster Nähe in die Hausen der Franzosen – ein einziger herzzerreissender Schrei und auf die Stelle, wo Iwanowna's Haupt in ihrem Schooss gelegen, stürzt mit zerrissener Brust tot die treue Marketenderin. über den jugendlich schönen Leib hinweg wogt und stürmt der Kampf; – der alte Jessaul hat den Augenblick benutzt, den Körper Iwanowna's über seine Schultern geschwungen und ist mit ihm in den Reihen der Seinen.
Da kracht es und hebt es sich, als wollte die Erde sich gegen den Himmel bäumen, als wären ihre Grundfesten gelöst, der Himmel selbst erzittert, dichte Rauch- und Staubwolken wälzen eine Nacht in den hellen Tag, Trümmer, zuckende Glieder fliegen umher – beide Heere stehen entsetzt und glauben dennoch den Malachof in die Luft geflogen und Tausende in seinen Werken und den Reduits begraben.
Allmälig sinken die Staubwolken, der Malachof steht, hoch von seinem Wall flattert noch keck die Tricolore, – nur die Batterie de la Poterne an der Flanke der Courtine und der Bastion ist gesprengt, das Pulvermagazin durch die brennenden Faschinen entzündet worden.
Einen Augenblick noch stehen erschüttert die Gegner – aber schon haben sich die Franzosen gesammelt.
Neue massen der Sieger des Malachof stürmen heran – die Russen werden geworfen und retiriren in dunklen Haufen aus der Kehle der Bastion, die rasch mit Faschinen geschlossen wird – auch der letzte Versuch ist gescheitert – d e r M a l a c h o f v e r l o ren.
General Osten-Sacken erkennt, dass die Wiedernahme der Bastion eine Armee kosten würde – er beschliesst, seinen geheimen Instructionen gemäss, den Sieg auf allen anderen Punkten und die Erschöpfung des Feindes zu benutzen, um die Südseite der Stadt zu räumen, die nach dem Verlust des Malachof nicht mehr zu halten ist. Er befiehlt daher dem GeneralLieutenant Schepelieff, ohne einen Angriff auf die Kornilowski-Bastion weiter zu versuchen, den Feind daran zu verhindern, von dort in die Stadt zu debouchiren, und bis zur Nacht die zerstörten Gebäude auf dem nördlichen Abhang des Hügels zu halten. –
Aber nur ein Trümmerhaufe soll in die hände der Feinde fallen, wie vor 43 Jahren nur die Brandstätte von Moskau den Cohorten des ersten Napoleons überlassen ward.
Von 5 Uhr ab ist der Kampf nur noch durch die Ar
tillerie unterhalten worden. Bei Eintritt der Dämmerung bemerkt man die dunklen Colonnen der Russen über die Schiffbrücke von der Nicolaus-Bastion nach der Sievernaja in ununterbrochener Reihe ziehen. Im inneren des Malachof sind, bereits durch Menschenhände herbeigeschafft, acht Coehorn-Mörser zur Beschiessung bereit, mehrere russische Geschütze wieder in Stand gesetzt und General Tiry, der Chef der Artillerie, gibt Befehl, die brücke zusammen zu schiessen.
Aber nur wenige Schüsse fallen, als ein Adjutant
des Generalissimus herbeistürmt und den Befehl überbringt, das Feuer einzustellen und den Rückzug der Russen nicht weiter zu hindern. Graf Lubomirski hat sein Versprechen gehalten und Pelissier, ihn verwünschend, alle Verfolgung aufgegeben. Ohnehin wäre sie kaum möglich gewesen, denn Explosion auf Explosion zeigt, wie der abziehende Gegner seine Verteidigungswerke, seine Pulvermagazine und Gebäude, so wie er sie verlässt, in die Luft sprengt. Rote Flammenmassen wirbeln an hundert Punkten zum Nachtimmel empor. – – –
Doch die ersten Schüsse auf die brücke haben noch
einige Opfer gekostet. Vergebens hat Annuschka, die junge witwe, nach der Sievernaja zu gelangen versucht, den ihr anvertrauten Brief zu bestellen. Truppen, zu den Wällen eilend, füllen die brücke – sie eilt zurück zum Fort Paul – aber kaum hat sie es erreicht, so verbreitet sich die Nachricht, dass die Franzosen den Malachof genommen haben und in die Stadt dringen. In Todesangst, während Nursädih sich zu folgen weigert, ergreift sie das ihr anvertraute Kind und stürzt auf die Strassen, die zur brücke der Südbucht und der westlichen Stadt führen, als ein Name mitten in den drängenden Hausen der Soldaten und Bewohner ihr Ohr erreicht: "Meiendorf – kapitän Meiendorf!" Sie fasst die Hand des Offiziers – sie fragt ihn – er ist der Gesuchte