an die Kehle des Werks geworfen, wo sich rasch die algierischen Schützen in einem Verhau festsetzten.
Jetzt stürmen die Russen wieder heran, Graf W a s s i l k o w i t s c h , der heimtückische boshafte Mann, schlägt sich wie ein Held im inneren der Bastion in der Nähe des alten Turms, auf welchem die Schützen postirt sind und ein gefährliches Feuer unterhalten. General-Lieutenant C h r u l e f f selbst stellt sich an die Spitze des Regiments Ladoga und stürmt gegen die Kehle der Korniloff-Bastion; er wird in diesem Augenblick verwundet. General-Major L i s e n k o übernimmt das Kommando und fällt, schwer getroffen, im Eingang der Redoute – General-Major I n s e r o f f lässt sich an der Spitze der andringenden Regimenter tödten – General-Lieutenant M a r t i n e a u wird schwer verwundet – v i e r Mal stürmen die Colonnen der Russen, das Bollwerk Sebastopol's wieder zu erobern – vergebens! – immer neue dichte massen der Franzosen stürzen sich in die eroberte Bastion, die Brigade Vinoy, – das dritte Zuaven-Regiment, der Rest der Reserven – M a c - M a h o n selbst übersteigen den Wall, zu seinen Füssen wirrd der tapfere O b e r s t d e l a T o u r d u P i n von einem Wurfgeschoss zerrissen; man kämpft mit dem Bajonnet, mit den Zähnen, mit der Faust, der Fuss gleitet auf Strömen von Blut und Bergen von Leichen!
In den bereits erwähnten Trümmern des ehemaligen Kurgan des Malachof, nahe dem Ausgang, die durch das crenellirte Erdwerk und die soliden Blendungen eine kleine Festung im inneren der Bastion bilden, kämpft mit Glück ein junger russischer Offizier mit etwa 60 Mann, darunter zwei Greise, der Eine in der Tracht der kosacken, der Andere von riesiger Gestalt in dem Rock der Druschinen. Auf diesen Kurgan stützen sich die letzten Kämpfe der Russen, in seiner Nähe verteidigt General-Major Wassilkowitsch noch immer die Batterie nach der Seite des Redan. Das mörderische Feuer aus den Schiessscharten dieser kleinen Bollwerke erregt die Aufmerksamkeit des Generals Mac-Mahon und er befiehlt dem Obersten des dritten Zuaven-Regiments, sie und die Batterie zu ihrer Seite zu nehmen. Aus die Letzere stürzt sich die Masse – ein Säbelhieb des Colonel verwundet den alten Feind, der ihm gegenübertritt, Graf Wassilkowitsch, von den Seinen geführt, wird mit dem Rest der Russen bis an die Kehle der Bastion gedrängt.
Er erhebt sein Tuch – er winkt hinüber nach dem Kurgan, auf dessen Brustwehr der Greis in der Druschinen-Tracht mit einem Kanonenwischer die stürmenden Zuaven niederschlägt.
Der Alte sieht das Zeichen – er springt zurück – durch die breit von einer Kanonenkugel zerrissene Blendung sieht man ihn mit der Rechten eine Lunte schwingen, mit der Linken eine Steinplatte zur Seite werfen.
Da stürzt sich eine jugendliche Gestalt, blutend bereits aus zwei Wunden, zwischen ihn und die Oeffnung und sucht ihn zurückzudrängen – gleich einem kind schleudert sie der fanatische Alte zurück – er hat das Zeichen gesehen, das ihm der Graf gegeben, und will sein Versprechen erfüllen, er beugt sich vor, er hebt die Lunte – da – im letzten Augenblick reisst der junge Offizier das Pistol aus dem Gürtel und sein Schuss streckt den Alten zu Boden. Sein eigenes Blut hat M i c h a e l , den Tabuntschik, getödtet und den Mord des Kaisers gerächt. Der Hand Iwan Oezakoff's entfällt das Pistol, sein Auge trifft den Vicomte auf der überstiegenen Brustwehr, den seine Tat am eigenen Volk gerettet, und er verliert das Bewusstsein, während die Zuaven die letzten Verteidiger des Kurgan hinaustreiben zu Wassilkowitsch's flüchtender Schaar.
Die Sappeure stürzen sich auf die Oeffnung, deren bedeckenden Quader der Tabuntschik gehoben, und entdecken einen Luntengang in die Tiefe, – ihre Schaufeln und Aexte reissen quer vor dem Kurgan die Erde auf und finden noch zwei electrische Dräte: – das untere Gewölbe des Kurgans ist mit 40000 Kilogrammen Pulver gefüllt, und die Lunte des Rosshirten hätte glorreich die Schreckenstat seiner Jugend gesühnt, wenn die Liebe nicht triumphirt hätte. –
Hinter der Kehle der Bastion entspinnt sich ein neuer Kampf zwischen den verfolgenden Franzosen und den Russen, deren Verstärkungen zu einem letzten Versuch herandringen. Dem von zwei Soldaten zurück geführten General-Major Wassilkowitsch begegnet eine eben herbei eilende Compagnie des Schlüsselburger Jäger-Regiments – Spielwerk der Hölle: – an ihrer Spitze I w a n O c z a k o f f , dessen Tat im Malachof er eben verflucht. Der Verwundete stürzt auf ihn zu: "Verräter, wo kommst Du her, ich sah Dich blutend sinken im Malachof nach Deiner schändlichen Tat?" – "Im Malackof, mich? ich focht am Redan!" – "Lügner, Dich selbst oder Dein Ebenbild – –" Der junge Offizier fasst ihn an – wie ein Blitz zuckt es durch seinen Geist, die Worte, die Annuschka gesprochen, die Erinnerung an die Schwester, die er im Drang der Gefahr ganz vergessen – die Erinnerung an sein Ebenbild im Lager am Sapun, dessen Wort ihn zuerst geweckt aus der geistigen Nacht – eine Schlussreihe von Gedanken in einem Augenblick – "Allmächtiger Gott – I w a n o w n a an m e i n e r Stelle!" – Der Graf starrt ihn einen Augenblick an,