1855_Goedsche_156_173.txt

die Batterieen des Nordufers werfen Bomben in die Colonnen, die drei Dampfer Wladimir, Chersones und Odessa legen sich in die Kilenbucht und schleudern einen Tod und Verderben sprühenden Kartätschenhagel auf den Feind. Die französischen Brigaden wanken, sie wenden sichvergebens suchen sie sich am schnell verrammelten Eingang des Redan zu halten, – dann in den Gräben, – erst an der ersten Linie der Courtine machen ihre Verfolger Halt. Hier formiren sich die Franzosen auf's Neue, abermals wirbeln die Trommeln zum Sturm und der Kampf um den Redan beginnt zum zweiten Mal. General Saint-Pol fällt, General Bisson ist schwer verwundet, wiederum wanken die Angreifer, als die Reserve-Brigade Marolles herbei eilt und zwei Grenadier-Bataillone der Garde unter Pontèves von General Bosquet zu Hilfe gesandt werden, den gleich darauf ein Bombensplitter auf seinem gefährlichen Posten an der rechten Seite trifft und betäubt zu Boden wirst. Für einen Augenblick sind nochmals die Parapets und Batterieen des Redans in den Händen der Franzosen.

Aber die Russen wissen sehr wohl, dass der Verlust des Redan die Möglichkeit eines Rückzugs über die Schiffbrücke in Frage stellt. General-Major S a b a s c h i n s k i mit 3 Regimentern der 8. Infanterie-Division wirft den Feind zurück, drei Mal wiederholt sich der Angriff, drei Mal müssen die Franzosen unter dem furchtbarsten Feuer weichen. Die Generale M a r o l l e s und P o n t è v e s , der tapfere Führer der Garden, dem Pelissier den blutigsten Posten versprochen, opfern ihr Leben, fast sämtliche Führer der Compagnieen der Linie sind gefallenes bleibt Nichts übrig, als der rascheste Rückzug nach dem Graben der Courtine.

Das Schlüsselburger Jäger-Regiment, das von General Chruleff gesandt, dem Redan zu Hilfe eilt, findet die Arbeit bereits getan und wendet sich gegen die Courtine. Vergebens versuchen die Franzosen auch dort den schnell errungenen Sieg zu behaupten, vergebens rasseln, von Bosquet letztem Befehl herbeigerufen, die an der Victoria-Batterie aufgestellten Feldgeschütze über ein Terrain heran, welches das Feuer der Russen vollkommen beherrscht, protzen im heftigsten Kugelregen ab, der binnen wenig Minuten zwei Dritteil der Offiziere und Mannschaften niederwirft, und beginnen ein Feuer, das endlich die Kriegsdampfer nötigt, sich zurückzuziehen; – die Schlacht ist auf dieser Flanke verloren und die Division de la Motterouge vermag, nachdem auch der Führer der GardeReserven, General Mellinet, verwundet ist, sich nur kurze Zeit noch in der ersten Enceinte der Courtine zu halten.

General D ü l a c hat das Kommando in Stelle Bosquets übernommen, der durch die schwere Wunde endlich genötigt ist, die Kampflinie zu verlassen und sich auf einer Tragbahre nach der Lancaster-Batterie bringen zu lassen. Auch auf der linkender westlichenSeite der Stadt sind die Franzosen nicht glücklicher. Der Hauptsturm auf die Central-Bastion (V.) missglückt, trotz der Aufopferung der Offiziere und Soldaten, ein Angriff der Mast-Bastion wird unmöglich, jeden Augenblick demaskiren die Russen neue Batterieen, Flatterminen zerreissen den Boden unter den Füssen der Stürmenden; die Generale B r e t o n und R i v e t fallen, General Trochü wird schwer verwundet, die Fremdenlegion fast vernichtet und de Salles muss den Befehl zum Rückzug geben in das Innere der vorgeschobenen Waffenplätze. Der russische Ober-Commandant General Graf Osten-Sacken überzeugt sich selbst von dem Sieg der Seinen auf dieser Seite und eilt dann hinüber zu jener Stelle, wo sich das Schicksal des Tages entscheiden muss.

Das ist der Malachof.

Die Zuaven und algierischen Jäger haben bei dem Angriff auf die Batterie Gervais das Jägerregiment Grossfürst Michael zurückgedrängt, der Zuave Lebrigaud ist der Erste auf dem Wall und wird schwer verwundet von seinen Kameraden zurückgetragen. Die Franzosen haben sich auf dem verschütteten Graben festgesetzt und schiessen durch die Embrasüren, aber das Kostrana'sche Jäger-Regiment eilt der Batterie zu Hilfe, die Kanonen der linken Seite des grossen Redan vertreiben die Angreifer von der Batterie Gervais; ein Befehl Mac-Mahons ruft sie zur Unterstützung der Franzosen im Malachof.

Da diese sich hier festgesetzt, geben um 121/2 Uhr drei Raketen aus der Victoria-Batterie den Engländern das Zeichen zum Angriff auf den grossen Redan. Sie haben eine breite Fläche aus ihren Trancheen zu überschreiten und das Kartätschenfeuer der Russen decimirt ihre aufgelösten Reihen. Die Anstalten der Engländer sind so schlecht getroffen, dass sich kaum 1500 Mann zum Sturm entwickeln, während ihre Reserven untätig in den Laufgräben bleiben. Nur Wenige übersteigen die Brustwehr und versuchen die Faschinen auf den Backen der Embrasüren anzuzünden; das Wladimir'sche Regiment, anfangs zurückgedrängt, aber bald unterstützt durch Compagnieen der Regimenter Kamtschatka und Jakutsk wirst die Briten mit dem Bajonet zurück, und das Feld mit ihren Leichen besäend, fliehen diese nach den Trancheen zurück.

Die Schlacht ruht auf dem linken Flügel der Franzosen und auf der Stellung der Engländer, nur um den Schlüssel von Sebastopol, um den Malachof, wird mit gesteigerter Wut gekämpft.

Der Zuaven-Unteroffizier Lihaut hat die ihm vertraute Fahne auf der Stelle verteidigt, auf der er sie aufgepflanzt, – von 42 Büchsen- und Musketenkugeln, von drei Kanonenschüssen wird sie zersplittert und zerfetzt, aus fünf Wunden blutet der Held und dennoch wankt und weicht er nicht von seinem Posten. Um ihn haben sich die Kameraden gesammelt und stürmen gegen den Feind; Oberst Collineau, der Kommandeur des Regiments ist am Kopf verwundet, aber die Russen sind bis