Vicomte," sagte er, "dass es zu einer solchen Scene gekommen. Aber der Generalissimus hat gestern Abend mit Bosquet und heute Morgen andere Verdriesslichkeiten bereits gehabt und die dumme geschichte mit dem Telegraphen, an der er wahrscheinlich nicht ohne Anteil ist, hatte ihn in Wut gebracht. Sie sind ihm indess Nichts schuldig geblieben und er lässt Ihnen sagen, Sie möchten an der Spitze des Regiments den Russen nur eben so begegnen wie ihm. Morgen, so wir leben, wird sich Alles ausgleichen und hoffentlich auch für den Doctor da Etwas tun lassen. Jetzt eilen Sie fort, denn der General wird sogleich zu Pferde steigen, um die letzte Besichtigung vorzunehmen."
Der Colonel salutirte höflich, aber kalt. – "Nehmen Sie meinen Dank, Herr General – ich werde meine Pflicht tun, doch, verschont mich auch die Schlacht, der Armee des Kaisers Napoleon werden wir Beide nicht länger angehören. Leben Sie wohl!"
Einige kurze Worte noch zu dem polnischen Veteranen, ein bezeichnender Händedruck, dann eilte er mit dem Freunde davon. ––––––––––––––––––––––––––––
Die Verbündeten harrten in drei Angriffs-Colonnen des Zeichens zum allgemeinen Sturm; alle Dispositionen waren auf's Sorgfältigste getroffen und grösstenteils den Russen gänzlich verborgen geblieben, indem schon seit dem frühen Morgen ein heftiger Nordwind wehte und grosse Staubwolken emportrieb, welche die Bewegungen der Franzosen verhüllte.
Die Division L e v a i k l a n t auf dem linken Flügel sollte die Central-Bastion (V.) und ihre Lünetten angreifen, unterstützt von der Division d ' A u t e m a r r e , welche sich gegen die Mast-Bastion (IV.) zu wenden bestimmt war im Verein mit der sardinischen Brigade des Generals C r a l d i n i . Die Divisionen B o u a t und P a t é mit dem 30. und 35. Linien-Regiment bildeten die Reserven auf dem äussersten Flügel, den Quarantaine-Werken gegenüber; General de S a l l e s führte den Oberbefehl.
Auf der östlichen Seite, der Karabelnaja gegenüber, war der gleichzeitige Angriff gegen mehrere Punkte gerichtet. General D ü l a c sollte mit zwei Brigaden auf dem rechten Flügel den kleinen Redan (die (Turm-) Bastion II.) stürmen, unterstützt von der Brigade Marolles und dem Garde-Jäger-Bataillon. Der zwischen dem kleinen Redan und der Kornilowski-Bastion (Malachof) gelegenen grossen Courtine, welche beide Werke unter sich und mit der rückliegenden zweiten Verteidigungs-Linie, den sogenannten schwarzen Batterieen (Batterie Henrighof), verband, stand General d e l a M o t t e r o u g e gegenüber mit zwei Brigaden, die Voltigeurs und die Grenadiere der Garde unter General M e l l i n e t als Reserve.
Den Malachof selbst und die Batterie Scherwe (Gervais – zwischen dem Malachof und dem grossen Redan) war General M a c - M a h o n mit der ersten Division des Bosquet'schen Corps anzugreifen bestimmt, die Brigade Wimpffen und die zwei GardeZuaven-Bataillone als Reserve.
Sobald die Franzosen im Malachof sich festgesetzt, sollten auf ein gegebenes Zeichen die Engländer den grossen Redan (Bastion III.) stürmen. Der Erfolg am 18. Juni hatte gezeigt, dass, so lange die Batterieen des Malachof den Redan deckten, die Engländer ihn nicht zu nehmen vermocht hätten. General Simpson hatte sich in den kläglichen Anteil gefügt, den Pelissier seinem Verbündeten an dem blutigen Ruhm des Tages zugestanden.
Gegen einen Angriff des Fürsten Gortschakoff von Inkerman und der Tschernaja her waren die Truppen der Generäle d'Herbillon und d'Aurelle, die Cavallerie d'Allonville's und der Rest der Sardinier aufgestellt.
Um 8 Uhr Morgens hatten die sämtlichen Truppen ihre Aufstellung in den Trancheen genommen, in denen zum leichtern Vorgehen breite Durchgänge eingehauen waren. Zwei Batterieen Feidgeschütz standen in der Lancaster-Batterie bereit, im Galopp heranzustürmen, und vier andere Batterieen als Reserve in der Victoria-Redoute. Jede Colonne hatte 60 Sappeurs bei sich, je ein halbes Bataillon führte Werkzeuge und Bohlen für das Passiren des Grabens, und die Colonne begleiteten 50 Kanoniere, um nach den Ergebnissen des Kampfes die eroberten feindlichen Geschütze zu vernageln oder gegen die Russen selbst zu kehren.
Um 10 Uhr hatte sich General Bosquet auf den gewählten Posten in die sechste am weitesten gegen die Courtine vorgeschobene Parallele begeben, wohin freilich die Schusslinien der feindlichen Geschütze convergirten, der aber einen vollständigen Ueberblick des Kampfplatzes ermöglichte. Hier erwartete er die festgesetzte Stunde. Ein Signal zum Beginn des Sturmes sollte von der Brancion-Redoute, wo der Generalissimus um 10 Uhr 45 Minuten sich eingefunden, nicht gegeben werden. Alle Uhren der Divisions-Generale waren nach der Uhr des Ober-Befehlshabers gestellt – sobald der Zeiger auf e i l f Uhr 30 Minuten stand, hatten die drei Angriffs-Colonnen hervorzubrechen.
Die Russen lagen ruhig und achtlos in ihren Traversen.
Es waren Augenblicke der furchtbarsten Spannung. Die französischen Generale standen aufrecht unmittelbar an den Brüstungen, die Uhr in der Hand, die Offiziere hatten ihre Säbel und Degen gezogen, die Truppen, in gebückter Stellung in den Trancheen, hielten das Bajonnet gefällt.
In der äussersten Tranchee, welche links nach dem Kirchhof zu und dem Dokowaja-Grund die Strandstrasse aus Sebastopol nach der Inkerman-brücke schneidet, hat das dritte Zuaven-Regiment mit den algierischen Scharfschützen seinen Stand; es ist bestimmt,