er, "aber das ist kein Beweis, dass es wahr sein muss! Ich weiss keine Sylbe davon und war betrunken."
General Pelissier lässt einen pfeifenden Ton zwischen den Zähnen hören, man kann nicht unterscheiden, ob er Behagen oder Zorn anzeigt; ehe er aber noch der Sprache Herr wird, mengt sich der Generalstabs-Chef in die Verhandlung, indem er sich zu dem Gefangenen wendet: "Aber Du gestehst zu, den Drat zerstört zu haben?"
"Fichtre! was hilft alles Leugnen, das Unglück ist mir passirt – beim Baden, ich tauche ziemlich gut und blieb hängen an dem verfluchten Strick; er oder ich! Da dachte' ich, es wäre besser, dass der Kaiser einen Zuaven behielte, der heute die Fahne auf den Malachof pflanzen kann, als dass ich da unten im grund wie an einem Angelhaken hängen bliebe. Zur Niederschlagung auf den Schreck hab' ich ein Paar Flaschen getrunken, und da vielleicht dummes Zeug geschwatzt, um mich vor Strafe zu schützen. An einer Lüge stirbt ein Bursche wie ich bin nicht gleich!"
"Nein, der Schlag müsste Dich denn jetzt gerührt haben!"
"Lassen Sie den Burschen, Martimprei," sagte der Generalissimus, "die Entschuldigung lässt sich hören. Mach', dass Du zu Deinem Regimente kommst, Canaille, und wenn Du heute Mittag nicht der Erste im Sturm bist, so lass' ich Dich morgen schinden. Fort mit Dir!"
Der Halunke lässt es sich nicht zwei Mal sagen und mit einer halb spöttischen Verneigung verschwindet er, während die andern Anwesenden sich betroffen ansehen.
"Und nun zu Ihnen, mein Herr, der Sie mit solchen Lappalien die kostbare Zeit rauben," fährt der General den Offizier an. "Ich habe gestern Abend noch mit General Bosquet über den Bericht des Generals Wimpffen gesprochen. Dieser Herr da" – er deutete auf den Arzt – "hat schon früher sich verdächtig gemacht und ist in Varna unter dem Verdacht des Verkehrs mit dem Feinde verurteilt worden. Wo ist der Brief, der die Bestätigung der Spionage entält und den man verkehrter Weise in Ihren Händen gelassen, der Sie der Freund und gönner dieses saubern Herrn sind?"
Das Gesicht des Colonels entfärbt sich. – "Excellenz, ein unglücklicher Zufall hat das Papier verloren gehen lassen, aber ich beteure auf meine Ehre ..."
"Wenn mir Euer Excellenz Gehör gestatten wollen," fügt der deutsche Arzt hinzu, "so ..."
"Schweigen Sie! Wer mit den Russen verkehrt, ist ein Feind! Diese deutschen Eindringlinge waren stets Verräter gegen Frankreich. Sie sind Ihres Dienstes entlassen und werden mit dem ersten Schiff nach Constantinopel die Krimm verlassen!"
"Das ist eine Ungerechtigkeit, Excellenz! ohne Untersuchung, ohne Verteidigung meiner Ehre ..."
"Danken Sie es diesem Herrn hier," schrie der General, "der so geschickt zur rechten Zeit die Briefe seiner guten Freunde verliert, während er Verleumdungen seiner Vorgesetzten protegirt, dass ich Sie nicht dem Kriegsgericht übergebe, wie ich es gewollt. Und Sie, Colonel, schämen Sie sich der Freundschaft für so zweideutige Gesellen. Wenn das die vielgerühmte Treue für den Kaiser ist, die die adeligen Herren von der Garde in die Linie mitbringen, so danke ich für solchen Einschub!"
Der Vicomte ist todtenbleich – seine Augen funkeln, aber er sucht sich gewaltsam zu fassen, während General Martimprei besorgt näher tritt. – "Mässigen Euer Excellenz Ihre Worte," sagte er endlich, ein Papier aus der Uniform ziehend. "Wer sich seines Verkehrs zu schämen hat, glaube ich nicht zu sein. Wenn Euer Excellenz meine Ernennung zum Oberst des dritten Zuaven-Regiments unangenehm, so kann ich Ihnen damit entgegenkommen, dass ich Ihnen mein Abschiedsgesuch hiermit überreiche und um seine Beförderung bitte. Ich diene Frankreich's Ehre, nicht einem frevelhaften Spiel mit dem Leben der Armee – und bitte Euer Excellenz, wenn ich den Sturm überlebe, mein Kommando bis zur Entscheidung des Kriegsministers niederlegen zu dürfen!"
"Gleich, Herr! gleich! zur Stelle, wenn's beliebt! Wenn dem Herrn Vicomte der Malachof zu gefährlich scheint, wird jeder bürgerliche Unter-Lieutenant gern seine Stelle beim Angriff versehen!"
Der Colonel zuckte zusammen. – "Meine Ahnen, Herr General, fochten als Barone bereits mit Auszeichnung in den Kreuzzügen, während die Ihren vielleicht noch vor sechszig oder siebzig Jahren als Schuster hinter'm Ofen sassen. Alter Adel hat wenigstens das Gute vor den Emporkömmlingen aus dem Plebejertum, dass er sich in allen Lagen als Gentleman zu betragen versteht!"
"Mir das, Herr!?" – in blinder Wut hob der General die Hand, in der er bereits die Reitpeitsche trug.
Der Vicomte trat einen Schritt zurück und legte ohne ein Wort zu sagen die Hand an den Säbelgriff. Martimprei fiel dem General in den Arm und der Arzt umfasste den Freund und zog ihn halb gewaltsam aus der Tür. Die Offizier-Gruppen im Vorgemach hatten bei dem Geräusch des bevorstehenden Aufbruchs und der entfernten Kanonade wenig von dem Streit gehört und waren zu gewöhnt an Zornausbrüche des Generalissimus, um viel darauf zu achten. Der Colonel stand noch vor dem Zelt mit den Freunden, einen Augenblick unentschlossen, was er zu tun habe, als General Martimprei ihm nach kam, ihn am Arm fasste und bei Seite führte. – "Es tut mir leid, Herr