ich recht gehört, so eben einen Namen, den ich lange nicht vernommen habe, der mir aber lieb und wert ist. Ist ein Gregor Caraiskakis noch unter den Lebenden und kennen Sie das Kind?"
"Das Kind," sagte der Deutsche lächelnd, "freilich nicht. Aber den Mann kenne ich, der aus dem kind geworden, und Sie auch. Dort sitzt er, mein Freund ist Gregor Caraiskakis."
Der Fremde stürzte auf den jungen Griechen zu und fasste seine beiden hände; sein Gesicht war lebhaft erregt. "Sie sind Gregor Caraiskakis?" fragte er hastig, "der Sohn von Michael Caraiskakis und Anastasia Maliolis in Chios geboren?"
"Derselbe!" entgegnete erstaunt der Grieche.
"Wo hatte ich auch mein Gedächtniss!" sagte der Mann, "das ist ja sein Gesicht, das sind ihre Augen! – Herr," fuhr er fort, "halten Sie mich nicht für närrisch oder aufdringlich, dass ich mich freue wie ein Knabe, Einen Ihres Geschlechts wiederzusehen. Wenn Sie wüssten, wie sehr dies Herz noch an ihm hängt, wenn Sie erfahren, wie nahe ich ihm gestanden – sprechen Sie, Signor, ist Ihnen dies Gesicht denn ganz unbekannt geworden, haben Sie keine Erinnerung mehr für – – Doch nein," fuhr er, sich umsehend auf der Terrasse, die sich mit Spaziergängern zu füllen begann, und auf der Costa mit mehreren Begleitern eben sich den Freunden nahte, fort, "jetzt nicht, hier nicht, diese Menge ist nicht für mich. Leben Sie wohl, Signor, Sie werden von mir hören!"
Damit wandte er sich ohne Gruss und ging langsam, wie absichtslos sein Gesicht mit dem Tuche verbergend, durch die Reihen der Gäste, welche hier ihren Sorbet, ihre Limonade oder Granita schlürften. Unter den zahllosen Barken, die am Ufer lagen, wurde sogleich eine von zwei Ruderern frei gemacht, als hätte sie auf ihm gewartet. Der Fremde stiess einen riesigen Mann in niederer griechischer Tracht zur Seite, der am Ufer lungernd ihm den Weg versperrte, und stieg in den Nachen, der sofort sich in Bewegung setzte und davonfuhr, während der Zurückgedrängte ihm aufmerksam noch und bald darauf mit einigen Männern in seiner Nähe sprach, eifrig nach dem bereits entfernten Kahne deutend. Caraiskakis schien übrigens diesen Menschen zu kennen, denn während Costa den Deutschen ansprach und ihm mehrere Begleiter vorstellte, ging er zu dem Griechen.
"Andrea," sagte er, "kanntet Ihr den Mann, der eben in jenem Boot davonfuhr?"
"Excellenza werden das selbst am besten wissen," entgegnete mit übertriebener Höflichkeit und ausweichend der Angeredete, der Wirt eines griechischen Speisehauses, in dem Caraiskakis einstweilen wegen dessen Nähe am armenischen Quartier seinen Aufentalt genommen. "Ich bin ein armer Mann und lebe und lasse leben. Excellenza haben ja selbst mit ihm geredet, und in Smyrna muss jetzt Keiner die Augen da offen haben, wo er sie besser schliessen sollte. Messerstiche sind eine billige Waare in dieser Stadt. Doch Excellenza wollen mir eine Gegenfrage erlauben. Wer ist der Herr mit dem dunklen kurzen Rock und dem breiten Strohhut, der eben mit Ihrem Freunde spricht, mit dem sich Excellenza so lange unterhalten haben?"
"Ihr scheint ja genau hier aufzupassen, Andrea," sagte verwundert Caraiskakis. "Wenn ich recht gehört im Fortgehen, nannte ihn mein Freund Signor Costa. Kennt Ihr, der halb Smyrna kennt, auch diesen Herrn nicht?"
"Bitte um Verzeihung, Excellenza," entgegnete unterwürfig der Wirt, "aber ich war meiner Sache nicht ganz gewiss, obschon ich den Signor oft gesehen habe. Doch kann ich Ihnen gute Nachricht in Ihrer Angelegenheit zu heute Abend bringen, einer meiner Freunde ist der Sache auf der Spur."
"Desto besser, Ihr wisst, es wird Euer Schaden nicht sein. In einer Stunde bin ich bei Euch."
Damit kehrte der Grieche zu seinem Freunde zurück; an Andrea, dem Speisewirt, aber streiften in der rasch auf den Sonnenuntergang folgenden Dämmerung zwei Gestalten vorüber, deren eine Welland's scharfes Auge, wenn er sie beobachtet hätte, leicht für seinen wiener Reisegefährten erkannt haben würde. Der Zweite, eine robuste Figur mit einem österreichischen Orden im Knopfloch, winkte ihn nach einem der Durchgänge und fragte:
"Habt Ihr das wild gefunden?"
"Ja, Excellenza!"
"So sorgt dafür, – tot oder lebendig, Ihr kennt den Preis."
"Ihr werdet zufrieden sein, Signor Cancellario, wenn nicht heute Abend, so hoch sicher bis Morgen um diese Zeit, und sollte ich ihn aus einem Bett holen."
"Auch den Andern vergesst nicht," fügte der Wiener hinzu, "es geht in Einem hin und er wird uns notwendig sein. Doch bleibt der Erste die Hauptsache. Lebendig wo möglich – ich lege hundert Piaster zu."
"Verlasst Euch auf mich, Excellenz."
Die Beiden betraten das Kaffeehaus.
Caraiskakis war unterdessen zu Welland gekommen, der sich lebhaft mit dem Kreis um ihn her unterhielt. "Ich muss Sie verlassen, lieber Freund," sagte er, als sich dieser sogleich losmachte, "ich habe Ihnen zwar noch viel zu erzählen und Ihren Rat, vielleicht auch Ihren Beistand zu erbitten, doch sind mir eben Nachrichten versprochen, die ich nicht versäumen darf. Wenn es Ihnen genehm, hole ich Sie morgen zu einem gang nach dem Bazar ab