Silistria mit Ihnen in Verbindung stand und den ich
derfand, hat mir Alles klar gemacht und mir auch
gefagt, dass er Ihnen Botschaft gesandt, wie nahe
wir uns. Aber das Leben entflieht, und die Sterben
den haben Eile, darum sende ich meine letzten
Grüsse nicht durch ihn. Der Allmächtige gebe, dass
Ihre Pflicht Sie morgen auf der Nordseite zurück
hält und fern von den Gefahren, mit denen um 11
Uhr ein allgemeiner, sorgfältig verheimlichter
Sturm den Malachof und alle Ihre Bastionen bedro
hen wird. wahren Sie Ihr Leben, um dem Gedächt
niss Derjenigen eine lange, lange Erinnerung wei
hen zu können, die selbst als die Gattin eines An
dern – des Vampyrs, der mein Herzblut gesaugt –
nie aufgehört hat, Sie zu lieben, und die ihre Liebe
hinüber nimmt in die ewige Zeit, wo keine Tren
nung ist! Meine Hand ermattet – das letzte Lebe
wohl, Alexander! – bis zum Wiederfinden dort
Oben!
Helene."
Er las den Brief wieder und wieder, und dachte betrübt an die Herzen, die rauh das Schicksal trennt und von einander reisst! Er dachte traurig der eigenen, in den Geschicken der Völker versinkenden Liebe! – ––––––––––––––––––––––––––––
Erst gegen Mitternacht kehrte Doctor Welland von Kamiesch und den anstrengenden Vorbereitungen für den morgenden Kampf zurück; mit ihm der Baronet und der polnische Oberst. – Während der Vicomte dem Arzt den Brief zum Lesen einhändigte und ihn von dem Vorgefallenen in Kenntniss setzte, erschien der Sergeant-Major Fabrice Tonton mit einer dringenden Meldung. Er zeigte an, dass der Zuave Lebrigaud vor einer halben Stunde im trunkenen Zustand zurückgekehrt, prahlerische Reden führe, die auf ein gefährliches und wichtiges Vergehen schliessen liessen. Die Ausdrücke, die der Feldwebel berichtete, machten die Aufmerksamkeit des Vicomte rege und er befahl, mit Uebergehung der bereites der Ruhe vor dem blutigen Kampf pflegenden Bataillons-Offiziere, den Kerl ihm vorzuführen.
Der Lüderjahn erschien alsbald, von Bourdon und Vernaudin geführt, mit der unverschämten und unbesorgten Miene, die all' sein Tun begleitete, und der erste Anblick schon bewies, dass er stark getrunken hatte.
"Ah, mein Commandant – nein, mein Colonel, ich grüsse Sie!" sagte der Bursche, halb taumelnd salutirend. "Was steht zu Befehl, mein General, Ihr Befehl ist vollzogen und das Geld redlich verdient!"
"Wo kommst Du in diesem Zustand her – Du bist total betrunken."
"Ah, mein General –" der Lüderjahn hielt offenbar den Vicomte für einen Andern, – "es ist eine verfluchte Fahrt auf den Grund des Meeres und man hat wohl das Recht, sich da einen Spitz zu trinken. Der Wein von Constantinopel ist verflucht gut! Fichtre – die Bursche passten mir arg auf, ehe ich sie überlisten konnte! drei Mal musste ich tauchen, ehe ich das höllische Tau fand! Dieu me punisse! Wenn ich nicht meine Jugend am Strand von Marseille zugebracht – es wäre unmöglich gewesen. Aber Peste! General, Sie kennen Ihre Leute und erinnern sich der kleinen Fähigkeiten Ihrer Zephyre!"
"Was hast Du getan – was sollen die Reden?"
"Ei, General," lachte vertraulich der Halunke, "stellen Sie sich doch nicht so – das Tau des hundsföttschen Telo-Grafen ist durchschnitten, mindestens hundert Klaftern vom Ufer weit, und die Narren werden zu tun haben, die Enden wieder zu kriegen. Ich fand zum Glück einen Nachen – aber spät, General – sie passten auf den Dienst und ich durfte doch erst im Dunkeln an's Werk!"
"Schurke – Du hast den Drat des Telegraphen zerstört?"
"Den Teufel, ja, General, stellen Sie sich doch nicht so, als ob Sie's mir nicht befohlen hätten. Sie wussten recht gut, dass ich mit jedem Seewolf um die Wette tauche! geben Sie mir die zehn Napoleons, General – die andern sind – hui! Weiss der Henker, wo das Geld bleibt!"
Der Oberst wechselte mit den Freunden erschrokken erstaunte Blicke, dann winkte er dem Sergeanten und Corporal, zurückzutreten, und den Trunkeneu beim Arm fassend, sagte er mit unterdrückter stimme zornig: "Du zerschnittest das Tau auf Befehl des General Pelissier?"
"Versteht sich, General, Sie befahlen es ja selbst heute Mittag, als wir allein waren," er schaute den Offizier mit gläsernen verstörten Blicken an, dann schien ihm die Wahrheit emporzudämmern. – "Peste!" stammelte er – "ich glaube, ich bin ein Dummkopf gewesen – Sie sind nicht der Kommandant der Zephyre, nein, richtig, Sie sind mein Colonel! – Verdammt!" Er begann, sich hinter den Ohren zu kratzen und auf die Lippen zu beissen, der Schreck fing an, ihn nüchtern zu machen.
"Nehmen Sie diesen Kerl und übergeben Sie ihn dem Profoss," befahl der Colonel dem SergeantMajor. "Dass kein Mann mit ihm zu sprechen sich untersteht. Wagt er selbst, noch einen laut von sich zu geben, so stecken Sie ihm einen Knebel in den Mund. Sie drei beobachten strenges Schweigen über Alles, was Sie gehört. Fort mit ihm, ich werde ihn selbst morgen in aller Frühe zum Hauptquartier begleiten."
Er winkte und der Zuave wurde, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben, verdutzt und bestürzt abgeführt.
Als sie allein waren, wandte der Oberst sich zu dem Arzt und dem Grafen. "Was halten Sie