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um den Wiedereintritt in den Rat zu bitten."

"Mein Entschluss steht fest," sagte der Andere. "Ich habe das Recht, wie Sie selbst zugestehen, alle Tätigkeit aufzugeben und ein Wissender zu bleiben, da der Grad, den ich eingenommen, nicht mehr gestattet, mich ganz aus der Gemeinschaft des Bundes zu entlassen. Ich bin ein Greismeine Kraft ist durch Manches, was Sie nicht interessirt, gebrochen, ich kann nicht mehr nützen undgerade heraus, ich will es nicht. Die Erinnerungen meiner Jugend sind mächtig in mir erwachtich mag nicht weiter kämpfen weder gegen das Haus Bonaparte, noch gegen das Haus Romanow!"

Der Italiener lächelte verächtlich. – "Ich kann nicht glauben, dass Alter die Nerven wirklich so verwelkt, um Geist und Kraft zu lähmen. Das Beispiel der Diplomatie zeigt, dass dem nicht so ist. Talleirand hatteNesselrode und Metternich haben trotz ihres hohen Alters ihren Geist bewahrt."

"Signor Abbé," sagte der Pole, "Sie sind im verhältnis zu mir jung, vor Ihnen liegt noch die Welt; – ich weiss nicht, welche Stellung Sie haben, denn Sie sind ein geheimnis auch für michaber ich will Ihnen eine Erfahrung sagen, einen Rat geben. Die schärfsten Pläne des menschlichen Hirns brechen oft an der Schwäche der menschlichen Herzen. Nicht das Alter allein ändert die Menschen, jeder trägt seine Stelle im inneren, nennen Sie sie Grundsätze, Laster oder Gefühl, – wo er Egoist bleibt. Darum müssen Sie mit den Menschen, welche die M i t t e l zur Ausführung der festen Pläne sind, w e c h s e l n , wie Gott mit den Geschlechtern der Menschen wechselt. Dass sie diesen Egoismus, diesen Punkt, an welchem die Willfährigkeit aufhört, nicht achteten, sondern ihn unterdrückten, zwangen, das war der Fehler der grössten Verbindung, der grössten Verschwörer aller Jahrhunderte: der Jesuiten."

Der Abbé schaute ihn nachdenkend an. – "Der Rat hat sein Wahres! wir haben in letzter Zeit dahin zielende Erfahrungen gemacht. Die Agenten zum Beispiel, welche im März 53 von der damaligen Versammlung ausgesandt wurden, sind fast sämtlich ihrer besonderen Interessen und Ansichten wegen aus unsern Reihen desertirt. Der Banquier Ripièra wurde ein Verräter aus Furcht und Habsucht, die spanische Tänzerin machten Eitelkeit und Blut ungehorsam und zur Maitresse eines Russen, Ihnen, Signor Conte, galt das Leben eines Knaben mehr als die Zukunft der Propaganda, den deutschen Arzt hat ein allzu zartes Gewissen gerührt und von den beiden Arbeitern hat den Einen seine Ungeschicklichkeit auf das Schaffot gebracht, den Andern sein törichter Begriff von Familienehre zum entusiastischen Soldaten gemacht."

Der Graf schwieg.

"Ich komme so eben von einem Andern unserer Freunde," fuhr der Abbé spöttisch fort, – "ich habe General Pisani's beichte gehört, ein Geschäft, das ich natürlich besser verrichten konnte, als jeder Andere. Ihn hat der Ehrgeiz und der Reichtum, wenn auch nicht abtrünnig, doch seine eigenen Pläne vorziehen gemacht, – jetzt muss er Beides verlassen, den neuen Rang und den Reichtum seiner Frau. Wenigstens ist er Teufel genug, die Letztere mit sich zu nehmen! – Sie haben Recht, Signor Conte, man muss die Werkzeuge nur so lange benutzen, als ihre eigenen Interessen nicht mit den unsern collidiren!"

"Signor," sagte der alte Mann entschlossen, "das sind gespräche, die uns nicht zum Ziel führen. In welcher Absicht haben Sie mich aufgesucht?"

Der Abbe sah ihn scharf an. – "Ich erwähnte bereits, Signor Conte, dass ich den Auftrag hätte, Sie zu uns zurückzuführen."

"Und ich erklärte Ihnen, dass ich mich von jedem tätigen Anteil zurückgezogen habe."

"Ist dieser Entschluss unwiderruflich?"

"Er ist es."

"Auch dann, wenn ich den Auftrag habe, Ihnen dies zu bieten?" – Er übergab ihm eines der mehrerwähnten Kreuzees zeigte neun Silberstifte. Der Pole zuckte zusammen und sah ihn erstaunt an. – "Siemit welchem Rechtdas Zeichen der höchsten Gewalt?"

"Ich muss das Recht wohl haben, da ich Ihnen den Eintritt anbiete. Die Leiter der Unsichtbaren wünschen Sie in ihrer Mitte zu wissenum Ihres Vaterlandes willen und da sich mächtige Dinge vorbereiten."

Der Pole schüttelte das greise Haupt. – "Mir scheint es, Signor, der Bund täte besser, günstigere zeiten abzuwartender Kampf mit den Dynastieen ist nicht zu seinen Gunsten ausgefallen. Der Kaiser Napoleon –"

"Hat morgen zu regieren aufgehört. Was Pianori verfehlt, wird Bellamare treffen. Wenn jener Mann heute, morgen oder übermorgen das Teater besucht, wird ein neuer Versuch auf sein verfluchtes Leben gemacht werden, sein Glück wird ihn nicht immer schützen!"

"Meuchelmordimmer und immer wiederund glauben Sie dadurch die verlorene Schlacht zu gewinnen? Er wird unsere Sache vollends verderben."

"Die Revolution, Signor Conte, wird nie mehr in Europa unterliegen, so lange sie nur den Mut hat, zu kämpfen, und so lange England seine Mission begreift, uns zu schützen! Meinten Sie wirklich, die Drohung dieses Emporkömmlings könne uns einschüchtern? Er ist es, der uns fürchtet; dies Coquettiren schon mit der Demokratie, wie jene Rede seines Vertreters in der Ausstellung zeigt es. Wir sind ihm den Prozess gegen die 150 Mitglieder