Nacht zum 6. August ward das erste russische Linienschiff, die "Mariam" durch die Bomben der Alliirten in Brand geschossen.
Es ist eine entsetzliche T h a t s a c h e , dass in den letzten n e u n Tagen dem Bombardement und den Krankheiten t ä g l i c h v i e r t a u s e n d Mann in der Festung zum Opfer fielen!
Während die Franzosen und Engländer so ihre Vorbereitungen zur Entscheidung des Kampfes trafen, sahen die Türken immer mehr ein, welch überflüssige Rolle sie in der Krimm spielten und O m e r - P a s c h a traf, schwer erbittert über die erfahrenen Zurücksetzungen, am 18. Juli in Constantinopel ein, den Sultan für eine Verlegung des Kampfplatzes zu gewinnen. Seine Pläne wurden jedoch hintertrieben und Mitte August Iskender-Bei, jetzt Iskender-Pascha (Graf Ilinski), der bei Eupatoria von dem russischen Oberstlieutenant Wimmer mit schweren Säbelhieben verwundet worden, mit der Cavallerie, gegen Ende des Monats der Serdar selbst mit dem grössten teil der Infanterie nach Klein-Asien geschickt zum Entsatz von Kars, das von General Murawieff und den Fürsten Andronikoff und Bebutoff schwer bedrängt war. Die Stelle der türkischen Truppen in Eupatoria nahmen die englischtürkischen Baschi-Bozuks ein, welche durch die offene Empörung am 7. Juli in Dardanelli und ihre dort verübten Greueltaten eine probe von der Organisation geliefert, die ihnen General Beatson – bei dem Aufruhr verwundet – und Vivian beigebracht hatten. In Constantinopel selbst war Ende August Mehemed-Ali wieder zum Kapudan-Pascha ernannt worden und die alttürkische Partei auf's Neue an's Ruder gekommen. Der Hat-Humayum, diese grossmütige Erwerbung der alliirten Mächte zu Gunsten der christlichen Bevölkerung, an die Stelle des Tansimats und der Forderungen Russlands gesetzt, blieb ein Spiel in den Händen der fanatischen Pascha's und ohne alle wirkung.
Die Folgen der Trennung der Bosquet'schen Divisionen waren bei dem Sturm am 18. Juni zu klar hervorgetreten, als dass der Generalissimus für die Erreichung des Hauptzweckes nicht jede kleinliche Rivalität hätte aufgeben sollen. General Bosquet war mit seinem Corps nach der Tschernaja-Schlacht wieder in die Belagerungs-Linien eingerückt, und das 3. Zuaven-Regiment, jetzt kommandirt von Colonel Méricourt, hatte sein früheres Lager am Sapun wieder bezogen.
Der alte polnische Oberst hatte das Feldlager nicht wieder verlassen, obschon er nach jener traurigen Täuschung jede weitere Hoffnung und Bemühung aufgegeben, das Schicksal seines Enkels lenken zu können. Die Teilnahme, die Méricourt diesem bewiesen, hatte ihn häufig in seine Gesellschaft gezogen, bis der Colonel ihm eine frei gewordene Baracke auf dem Sapun anbot. Er bezog sie zusammen mit dem von Constantinopel zurückgekehrten Baronet. Die beiden trüben und wortkargen gefährten passten gut zu einander. –
Es war am Mittag des 7. September, als der alte Propagandist allein in der Hütte sass, auf einer umgestülpten Tonne schreibend und von Zeit zu Zeit mit traurigen Gedankenbildern auf den Donner hörend, der, Luft und Erde erschütternd, von den Wällen und Batterieen herauf rollte. Den Eingang verdunkelte eine Gestalt und aufblickend gewahrte er einen der Armenier, die als Handelsleute das Lager durchstreiften. unwillig, gestört zu werden, winkte der Oberst ihm, fortzugehen, der Fremde legte jedoch zu seinem Erstaunen den Packen von sich und setzte sich ihm gegenüber auf eine Kiste, nachdem er sich vorsichtig umgesehen.
"Der Lärmen, den die Kanonen dieser Soldateska machen," sagte der Eindringling in italienischer Sprache, "sichert uns wenigstens gegen das Behorchen. Ist meine Verkleidung wirklich so trefflich, dass ich erst dieses Zeichens bedarf?" – Er bog den Mittelfinger der linken Hand ein und streckte sie gegen den Polen.
"Abbé Cavelli?" rief dieser mit Staunen.
"Still, lieber Graf – keine Namen! Sie könnten mich eben so gut den Banquier Tomas, den Lord So und So und wer weiss wie nennen, gegenwärtig bin ich der Handelsmann Basil Aristarchi, wohlbekannt auf dem Bazar von Constantinopel, und es genügt, dass Sie über meine person im Klaren sind. Wir sind doch sicher hier?"
"Ich erwarte keinen Besuch, Signor. Doch muss ich Sie auf Eines aufmerksam machen – ich habe seit dem 28. April aufgehört, Mitglied des Bundes zu sein und ..."
"Der höchsten Gewalt Ihren Rücktritt zugleich mit der Warnung mitgeteilt, die der Kaiser Napoleon so gütig war, uns zukommen zu lassen. Ich weiss das Alles und noch mehr, aber Sie werden sich erinnern, lieber Graf, dass, wenn man nach unsern Statuten auch berechtigt ist, die Function als tätiges Mitglied des Rates der Sieben niederzulegen – man doch nicht aufhört, ein Wissender und Gehorchender zu bleiben; – der Eid des Eintritts gilt für das Leben, und ich hoffe, dass Graf Lubomirski ihn nicht brechen wird, wie ihn Andere in diesem Lager gebrochen haben."
Der Greis blickte ihn erstaunt an. – "Sie kannten meine Stellung, Signor? ich glaubte Sie bloss Mitglied des fünften Grades?"
"Ei, man schreitet vorwärts, Oberst, und wer weiss, was aus dieser unscheinbaren Hülle des Armeniers noch hervorgeht," spottete der Italiener. – "Doch, unsere Augenblicke sind gezählt. Ihre Dienste, Signor Conte, hatten Sie zu einem so hervorragenden Mitglied des Rates der Sieben gemacht, dass man Ihre Tätigkeit und Ihre Erfahrung schwer vermisst. Ich komme mit dem Auftrag, Sie