e n z , auf dem Catarinen-Platz die versammelten Truppen und reichte ihnen das Abendmahl. Sie schworen, auf ihrem Posten zu sterben. Im Laufe des Juli trafen die 7. und 15. Infanterie-Division in Ssewastopol ein, zu Anfang August aus Polen die 2. und 3. Division des berühmten Grenadier-Corps, so dass die russische Armee der Krimm trotz aller Verluste zu Anfang September wieder 160,000 Mann zählte. Fünfunddreissigtausend Arbeiter waren allnächtlich mit der Ausbesserung der Schäden beschäftigt, welche die Kanonade des Tages an den Wällen verübt, oder errichteten neue Verteidigungswerke. Fortwährend suchten die Belagerten durch kleinere und grössere Ausfälle die arbeiten des Feindes aufzuhalten, die bedeutendsten erfolgten in der Nacht zum 25. Juli, 2. und 15. August. Am 28. verursachte eine russische Bombe im Mamelon eine furchtbare Explosion, die an 200 Mann tödtete und verstümmelte.
Auch die Verluste der Alliirten waren entsetzlich. Bis zum Juni hatten die Franzosen bereits 80,000 Mann durch Krankheit und Wunden vor Sebastopol eingebüsst, die englische Armee war zwei Mal fast vollständig erneut worden. Von den Anfang Mai eingetroffenen 15,000 Sardiniern waren nur noch 8000 kampffähig, 2000 schon bis zum 1. August an der Cholera gestorben. Die Miasmen, die sich aus den Leichenfeldern und aus der versumpfenden Tschernaja entwickelten, verbreiteten, im Verein mit dem acuten Wechsel der Witterung – während des Tages oft 31–34° Wärme, des Nachts kaum 3–4° – Seuchen, nachdem die Cholera im August nachgelassen, den Typhus und Scorbut in desto grösserer Heftigkeit. Es wurden während des Monats täglich 6–800 Kranke auf den Schiffen in die Spitäler am Bosporus transportirt. Durch das Feuer der Russen, die durchschnittlich in 24 Stunden 4000 Schüsse taten und 600 Bomben warfen, war der Verlust in den Laufgräben, je mehr sie sich den Werken näherten, desto entsetzlicher.
Die Stimmung, die sich ziemlich offenkundig in der Armee kund gab, liess nicht frei von Besorgnissen. Offiziere und Soldaten sahen sich nutzlos decimirt und als Beute von Krankheiten und Anstrengungen. Die täglichen Verluste in den Laufgräben, während mit jedem Morgen neue russische Werke aus der Erde zu wachsen schienen, ermatteten auch den Stärksten. Die Garden selbst schickten Deputationen an den Generalissimus mit der Bitte, ihr allzu auszeichnendes Lederzeug ablegen zu dürfen, und General Reinault forderte gleich heftig ihre grössere Schonung, wie man früher auf ihre Teilnahme am Dienst bestanden; man verlangte mit dem Mut der Verzweiflung nach einem neuen allgemeinen Sturm, um zu sterben oder zu siegen, denn Allen graute vor einer nochmaligen Ueberwinterung und schwerlich hätte man sich dieser gefügt. Als auch der Napoleonstag, der 15. August, ohne den gehofften Sturm vorübergegangen war, kamen mehrmals Fälle der offenen Renitenz vor, wenn die Regimenter zum Laufgrabendienst beordert wurden. Dazu zeigten sich wieder häufig unter allerlei Verkleidungen Emissaire der revolutionairen Propaganda im Lager und begannen ihre Wühlereien. General Pelissier verkannte die Gefahr nicht und ergriff verschiedene Massregeln, um die Aeusserungen des Missvergnügens zu unterdrücken, da er zu gut einsah, dass er nicht Alles auf einen letzten entscheidenden Wurf setzen durfte, ohne dessen Erfolg möglichst gesichert zu sehen. Die erste Massregel war die Ausweisung der französischen Correspondenten, selbst der officiellen Journale, die der Generalissimus am 14. Juli auf ein Schiff packen und nach Constantinopel bringen liess; – freilich blieben die weit ungenirteren englischen zurück! In Kamiesch wurde eine förmliche Militair-Censur-Commission eingesetzt, welche alle abgehenden Briefe controllirte und jede Klage unterdrückte. Hierauf folgte die Entfernung Canrobert's, der, so oft er sich zeigte, der Gegenstand von Ovationen der Soldaten war. Der General inspicirte – es war am 26. Juli – gerade die Laufgräben, als Pelissier ihm in Abschrift eine Stelle aus der Depesche des Kriegsministers zugehen liess, wodurch der Kaiser ihn, im Interesse seiner Gesundheit, zur Rückkehr aufforderte. Canrobert antwortete auf der Stelle, dass er sich nur einem ausdrücklichen Befehl fügen werde, und schon am 29. war dieser durch den Telegraphen da. Der General verliess am 4. August die Krimm, von seinem glücklichern Rivalen wenigstens beim Scheiden noch mit allen Ehren umgeben.
Schon lange vorher, ehe dies geschah, hatten die Belagerer einen neuen Angriff der russischen Armee von der Tschernaja her erwartet und vollkommen Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten und ihre Stellung zu befestigen. Er erfolgte am Morgen des 16. August – bekannt unter dem Namen der Tschernaja-Schlacht, oder der Schlacht an der Traktir-brücke. Die Russen stiegen unter den ungünstigsten Verhältnissen aus ihrer gedeckten Stellung in das Tschernaja-Tal nieder, überschritten den Fluss und gingen die gegenüber liegenden wohlbefestigten Höhen hinan, zuerst die Türken und die verschanzten Sardinier angreifend. Bald aber liess sich, gegen die ausdrückliche Disposition des Oberbefehlshabers, General R e a d von seinem Ungestüm fortreissen, mit dem rechten Flügel die gesicherte überlegene Stellung der Franzosen an den Fedhujini-Bergen zu stürmen und hier die Schlacht zu engagiren. drei Mal gewannen die Russen die Höhen, drei Mal wurden sie von Bajonnet und Kartätschen zurück geworfen, und der Tod mähte in ihren Reihen. General Read büsste seine Verwegenheit mit dem Leben – vier Stürme der Freiwilligen, um seine Leiche zu holen, warfen die französischen Kartätschen nieder; General-Major W e y m a r n , sein GeneralStabs-Chef fiel – auf dem rücken trug sein Adjutant, der gigantische Lieutenant Stolypine, den Körper des geliebten Führers aus dem Getümmel; an der Seite des russischen Generalissimus wurde General