wir nach unserer Heimat entweichen können. Die Panagia wird mir helfen, zu vergessen, was Du gewesen bist!" Die alte Liebe hatte in dem schwachen, lenkbaren Herzen des jungen Mannes wieder die Oberhand gewonnen.
Sie hüllte sich in die Decke und blickte auf ihn und den Capitano. – "Komm!"
"Wohin, Nausika?"
"Ich heisse Nedela und bin nicht für Dein Elend geboren. In das Harem Sali's!"
Caraiskakis wandte sich verächtlich ab; er wies stumm nach dem Aufgang zur Plattform des Daches, von der man zur obern Terrasse gelangen konnte. Die abtrünnige Odaliske folgte mit festem Schritt ihrem Begleiter, um, zwischen den Mauern der Gärten niedersteigend, einen Kaïk zu suchen, der sie zurück an's andere Ufer führen sollte. – – – ––––––––––––––––––––––––––––
Wenige Minuten, nachdem sie verschwunden, kehrte der Baronet, von Abdallah, dem französischen Offizier und dem Kiradschia begleitet, nach dem Pavillon zurück. Zu ihrem höchsten Erstaunen fanden die beiden ersten den Kranken bleich, aber im vollen Wiederbesitz seiner Glieder und seiner Sprache, auf dem Lager sitzen, das ihn so lange als eine lebendige Leiche getragen.
"Mashallah! Ein Wunder ist vor meinen Augen! Gesegnet sei die Stunde Deiner Auferstehung!"
"Was ist geschehen, was hat sich ereignet? – Sie sind genesen, mein – mein Schwager?" Der Baronet streckte zögernd die Hand nach ihm aus. Caraiskakis ergriff sie ernst, doch freundlich, während er seine Linke dem Araber reichte. Doch der junge Mann, der sein erstes Staunen bewältigt, trat einen Schritt zurück. "Warum zögert Abdallah ben Zarujah, die Hand eines besiegten Feindes anzunehmen, nachdem er ihm hundert Wohltaten erwiesen?"
Der junge Scheik kämpfte sichtlich mit sich selbst. "Du bist ein tapferer Christen-Aga," sagte er dann; "aber Dein Antlitz erinnert mich an Einen, der die blutige Rose von Skadar mir gestohlen und verschwunden ist mit ihr und Scheitan, ihrem Hunde, ohne Spur seit dem Tage, da die Christenheere vom Bjelbek nach der grossen Feste der Moskows zogen. Ich muss wissen, was aus Fatinitza, der Rächerin, und dem mann geworden ist, den ich gefangen nahm und den sie von mir forderte für das Kleinod der Zarnjah."
"Wenn Du meinen Bruder Nicolas meinst, tapferer Emir, der, wie ich vernommen, ein Türkenmädchen aus Skadar liebte," sagte der Grieche nach einigem Sinnen, "so kann ich Dir keine Auskunft über ihn geben. Er zog nach Ssewastopol in der Zeit, die Du erwähnst, mit einem wichtigen Auftrag, aber keine Kunde ist seitdem zu mir gedrungen von ihm, trotz allen Forschens."
"Die Albanesen, die ich zurückliess, sahen ihn, das Weib und den Hund hinausfahren auf schwankem Boot in die Wüste der Gewässer."
"Dann frage Den da," sprach finster der Grieche, indem er auf den Baronet wies; "er erzählte ihr Schicksal in Deiner und meiner Gegenwart, ohne dass ich wusste, wen es betraf. Sie Beide, die Du suchst in Hass und Liebe, ruhen längst auf dem Felsenboden des Meeres vor Ssewastopol. Auf dem Schiff, das ihn damals trug, sah man sie versinken, das Weib, den Mann und den Hund, an dem Morgen nach dem Tage, von dem Du sprichst."
Er schwieg, – der Araber reichte ihm jetzt die Hand, dann verhüllte er das Gesicht mit dem blutigen Burnus, den er trug. Nur Paswan, der Kiradschia, hatte von den Anwesenden das Gespräch verstanden, das in türkischer Sprache geführt worden. Nach einer Weile näherte er sich mitleidig dem jungen Scheik, und versuchte seinen Arm zu entblössen, um nach der Wunde zu schauen, die ihm der Handjar des Tschokodars geschlagen.
"Edward Maubridge," fuhr der Grieche, zu diesem gewendet, mit feierlicher stimme fort, "der allmächtige Wille Gottes hat mich zum Leben auferstehen lassen durch die Gefahr Einer, die wir Beide in Sünden kennen. Frage nicht und forsche nicht nach ihr, so wenig, wie ich fragen mag, wie sie hierher gekommen, wir haben mit Wichtigerem unsern Geist zu beschäftigen. Wir Beide haben schwer gefehlt, lass uns vergeben, um Diona's willen. Das Kind, das Du suchst, der Knabe meiner Schwester und der Erbe Deines Namens ist in Ssewastopol, so Gott ihn seit meiner Verwundung beschützt hat, wohl und kräftig, in der Familie des Popen Basili Polatnikow, des Kaplans des 'Wladimir'. Ehe wir scheiden für immer, will ich ein Schreiben in Deine Hand legen, auf welches das Kind und jede Legitimation Dir ausgeliefert werden soll. Mache gut an ihm, was Du an seiner Mutter verbrochen."
"Bei der Ehre meines Namens," sagte der Baronet mit Kraft, "es soll der einzige Zweck vom Rest meines Lebens sein. Auch mich hat die Hand Gottes schwer getroffen, und sein Auge sieht die Reue eines Mannes. Warum aber willst Du – jetzt mein Bruder – mich wieder verlassen und zu jenem unseligen Kampfe zurückkehren, der uns so Vieles geraubt hat?"
"Nicht zum Kampf – nicht in die Schlacht! Ich bin ein Sohn des Unglücks, und habe Verderben gebracht über Alle, die ich liebte: Diona – Janos – dem deutschen Freunde, ihr, der Gefallenen und dem letzten Bruder, den ich hatte. Mein Arm ist nicht mehr gemacht