1855_Goedsche_156_153.txt

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E d w a r d M a u b r i d g e horchte auf, auch der Emir hatte sich halb erhoben.

Abermals gellte der Schrei wildverzweifelnd durch die Nacht: "Zu Hilfe, Bretanne! zu Hilfe!"

Im Nu war der Baronet empor. "Was geht dort vor? Lass uns zum Beistand eilen, tapferer Emir!" Er hatte ein Pistol ergriffen und eilte die Treppe hinab, A b d a l l a h , seinen Ruf begreifend, folgte ihm mit einem Sprung.

Die Tür aus dem Pavillon war von Aussen versperrt.

Gregor Caraiskakis blieb allein! ––––––––––––––––––––––––––––

Abdallah und der Baronet hatten, nachdem ihr Bemühen sich vergeblich gezeigt, die Tür zu öffnen, eines der Fenster des Erdgeschosses aufgerissen und sprangen auf die Terrasse. Eine Gestalt huschte im Schatten der Nacht an ihnen vorüber, während sie weiter liefen, eine zweite folgte lautlos, aber jammernde Laute und das Geräusch eines Ringens riefen sie zu Hilfe und sie eilten über den Hof, der den Pavillon von dem Vordergebäude trennt, und drangen in die untere Halle, die sich auf der andern Seite nach dem Wassertor öffnet.

Der Anblick, der sich ihnen bot, war seltsam genug.

Ein vierrudriger Kaïk hielt dicht an den Stufen der Halle und in dem Sternenlicht sah man wenige Schritte davon in der Meeresflut auf den gestemmten Rudern einen zweiten grösseren halten.

Fünf sackartige Ballen lagen auf den Marmorfliesen des Bodens, krampfhaft sich windend und schlagend, und ein dumpfes verzweifeltes Stöhnen drang von ihnen her. Sie schienen eben die Treppe herab aus dem ersten Stockwerk geschleift und mehrere schwarze Gestalten waren bemüht, sie in den Kaïk zu werfen, während andere einen Mann zu dem Boot zerrten, der heftig widerstrebte. Am Boden nahe dem Eingang lagen gebunden und geknebelt zwei Menschen.

Vier Männer traten den Eindringenden sogleich entgegen, ihre blanken Wehren funkelten im matten Licht vom Eingang.

"Was geht hier vor? Fort mit Euch, Raubgesindel, oder ich feuere!"

"Zurück, Dschaur! Gebt Freiheit der Gerechtigkeit des Padischah!"

"Zu Hilfe, Excellenza! Rettet Euern Wirt!" Es war die stimme des Kiradschia, welche flehte.

"Hund ohne Leber! Allah verbrenne Deine Zunge!" schrie der Tschokadar, der den Alten vorwärts zerrte, und holte zum Streich mit dem Yatagan aus.

Der Schuss des Baronets traf den Einen der Eunuchen, während der junge Araber vorwärts stürzend in den weiten Falten seines Burnus den Hieb auffing und den Alten den Händen seiner Bewältiger entriss.

Ein starkes dreimaliges Händeklatschen gab, so bald der Pistolenschuss gefallen, vom grösseren Kaïk her das Zeichen zum eiligen Rückzug. Die schwarzen Eunuchen warfen eben den letzten der seltsamen Ballen in den heftig schwankenden Kahn und sprangen nach. Ein schriller Schrei als Signal, dann stürzten sich die Zurückgebliebenen in das wasser, und das Boot, von den aufgestemmten vier Rudern getrieben, schoss weit ab vom land zu seinem Genossen. Als der Baronet und sein Gefährte auf die Marmorbalustrade des Wasserrandes sprangen, sahen sie die Köpfe der Schwimmenden bereits an den Seiten des grösseren Kaïks emportauchen, die arme sich festklammern und beide Boote dann wie streichende Möven nach der Mitte der Meerenge zu verschwinden.

Wenige Augenblicke darauf, während sie ihnen noch nachstarrten, hörten sie über das wasser her ein schweres Aufplätschern, wie von dem Fall eines grossen Körpers in die Wellen

Dann ein zweitesein drittes

F ü n f M a l wiederholte sich der Ton, den die Wasserfläche als Leiter des Schalles zu ihnen herüber trug. Der alte Bulgare an ihrer Seite zitterte heftig, als er sie zurückzog in das Innere des Hauses, und ohne ihren fragen Rede zu stehen, hastig die gesprengte Pforte zu schliessen versuchte und eine Lampe anzündete.

In ihrem Schein erkannte man in den beiden geknebelten Gestalten an der Wand das alte griechische Weib, das mit dem Kiradschia und einem in Terapia wohnenden Burschen die Mieter des Hauses bediente, und den französischen Offizier, den Beschützer und Geliebten der Bojarenfrau. Der Baronet, noch immer an einen blossen Raubanfall glaubend, löste mit dem Kiradschia möglichst rasch seine Bande, wobei er bemerkte, dass die Brust des Offiziers wie von einem eben bestandenen heftigen Ringen keuchte. Kaum war der Knebel aus seinem mund gelöst, so stiess der kapitän den Namen seiner Maitresse aus, schaute mit wildem Blicke umher und stürzte die Treppe hinauf zu dem grossen Gemach, in welchem noch kurz vorher die Orgie stattgehabt, der Uebermut und die Wollust das Scepter geführt.

Die Andern waren ihm gefolgt, Abdallah den blutenden Arm, den der Yataganhieb des Tschokodars durch die Gewänder verletzt, mit diesen umwindend.

Aber der Ruf "Celeste!" fand keine Antwort.

Das Gemach bot einen Schauplatz der ärgsten Unordnung und Zerstörung dar, nur noch durch die von der Decke hängende Ampel erleuchtet. Der Tisch in der Mitte war umgestürzt, Fetzen der bunten Feredschi's und der weissen Schleier der Frauen lagen überall hin zerstreut, ein wildes Jagen und Ringen hatte offenbar stattgefunden. Der zitternde Kiradschia reichte dem Offizier ein zerrissenes Frauenhäubchen, das er aus einem Winkel aufhob und das an den Bändern leicht als das der unglücklichen Lorette zu erkennen war. Vergeblich blieb das Suchen in allen Zimmern, man fand in einem derselben nach den Terrassen zu eine Jalousie geöffnet, doch nirgends weiter eine Spur von ihr.

"Wir müssen den Kommandanten der Lazaretwache wecken und ihnen nachsetzen," rief der Offizier endlich. "Welches Recht sie