ungehindert fort; Tausende von Wagen sind unaufhörlich unterwegs, und wir können lange passen, bis wir sie aushungern, wenn wir Perecop nicht nehmen. Man meldet, dass sie an der Tschernaja sich sammeln und erwartet dort einen Angriff gegen unsere Linien. Taganrog und Berdiansk sind beschossen. Anapa hat man geschleift gegen den Wunsch der Tscherkessen."
"Das ist schlecht gehandelt an Schamyl!"
"Was geht uns der Imam an? gibt es sonst Neues?"
"Im Journal nicht. Privatim hörte ich, dass die Cholera unter den Sardiniern arge Verheerungen angerichtet."
"Desto aufrichtiger wollen wir dem Malachof danken, dass er uns hierher geschickt. Es lebe die Liebe, es lebe der Champagner!" Der Lieutenant fasste die Hand der Nedela, die sich erhoben hatte.
"Halt da, B o i s r o b e r t – Jedem das Seine!"
"Ah bah! lassen Sie mich plaudern!"
"Aber Sie verstehen kein Wort italienisch, Bursche!"
"Diese Damen hier sprechen auch nicht französisch – die Lingua Franca, die ich rede, verstehen sie Alle!"
"Keinen Streit! – Die Tage, die wir zugebracht, waren zu angenehm, als dass wir sie uns noch verderben sollten. Der alte Kiradschia soll leben, der bulgarische Ehrenmann und Hauswirt, der so geschickt den Unterhändler zu spielen versteht. Möge Allah den Sali Pascha noch lange in Saloniki fest und von seinem Palast am Bosporus entfernt halten. Meinst Du nicht auch, Schätzchen?"
Die junge Odaliske mit den Mandelaugen hob sie nach dem Offizier, obschon sie kein Wort seiner Sprache verstand. "Allah bilir," flüsterte sie – "Bana bak, aï gusum!"
"Den Henker auch – auf die Dauer wird's langweilig, dass man so wenig mit ihnen reden kann. Houdinière hat sich den besten teil erwählt in Madame Celeste!"
"Meinen Sie, Monsieur? Kommen Sie her und unterhalten Sie mich. Der Kapitain spricht nur Fadaisen."
"Nichts da – ich lege Protest ein!"
"Freiheit meine Herren, oder Graf Bretanne und ich schliessen unsere orientalischen Salons und werden Einsiedler, wie unsere Nachbarn im Pavillon!"
"Der Schurke von Bulgare, warum vermietet er die Villa auch an zwei Parteien!"
"Der Mann versteht seinen Vorteil – die Häuser werden mit Gold aufgewogen in Terapia, und wir kamen später."
"Was hat der Schuft sich für seine Hilfe zahlen lassen?"
"Vierzig Napoleons! Er schwört, er habe drei Eunuchen und wer weiss wie viel alte Weiber zu bestechen gehabt."
"Es lebe die Liebe! Die Franzosen bleiben die Sieger im Orient überall – ich weiche keinen Schritt mehr von Constantinopel!"
"Bis Mellinet befiehlt – er versteht keinen Spass und die Doktoren im Lazaret sprechen bereits davon, dass wir geheilt wären und Andern Platz machen könnten!"
"Bah! wir haben unsere Ruhetage verdient. Wenn die Lücken durch die Cholera und die russischen Kugeln zu gross werden, wird uns Pelissier schon zurückholen. Bis dahin – zu allen Teufeln mit jedem Gedanken an den Dienst!"
"Zum Tanz, zum Tanz, Messieurs! Sein Sie nicht so träge! Passen Sie auf – ich will Feuer in Ihre Adern giessen!"
Sie raste eine spanische Melodie auf dem Klavier; wie von Federn geschnellt, sprang die Nedela von den Kissen empor, warf den Shawl um ihre Schultern und begann den Tanz.
"Auf – auf, Ihr Schläfrigen! Die Augen auf, zum Tanz!" Der Eine zerrte die ruhenden Paare empor, die Andern klatschten Beifall um die tanzende Mänade. Der tolle Vaudricourt sprang ihr gegenüber und begann die wüsten Touren des Cancan aus den pariser Barrièrenkneipen.
Die übermütig wilde Gesellschaft fasste einander an den Händen und zog einen wirbelnden Kreis um die Tänzer. ––––––––––––––––––––––––––––
Plötzlich klopfte es heftig an die Tür, durch den dicken Vorhang und dem bachantischen Lärmen drangen die flehenden Töne einer stimme: "Signor Francese! Signor Conte! bei der heiligen Panagia, öffnen Sie, oder wir sind Alle verloren!"
Graf Bretanne war an die Tür gesprungen, während die Offiziere erschreckt durch einander liefen. Die türkischen Mädchen schauten verwundert auf die Männer – sie vertrauten ihrem Kismet.
"Wer ruft? – Bist Du es, Paswan?"
"Si Excellenza. Es sind verdächtige Männer unten am Wassertor – auf dem Bosporus halten zwei Boote! Wenn es die Polizeiwache ist, gibt es Lärmen."
"Verdammt – die Lazaretordre ist streng." Der Graf öffnete halb die Tür. "Ist der Gartenweg zur Lazaret-Terrasse frei?"
"Ich sandte Jovas, den Diener, dahin. Die Signori's müssen fort und die Weiber auch sogleich. Mein Kopf ist verloren, wenn man die Odalisken hier findet."
"Das ist Deine Sache, Freund Paswan, dafür bezahlten wir Dich. Aber meine Kameraden müssen in Sicherheit – General Sol hat den Teufel im leib, und die Sache würde zu grossen Lärmen machen. Ich werde sie selbst entfernen, unterdessen lösche die Lichter aus und bringe die Weiber in Sicherheit. Ich hoffe, man wird nicht wagen, in eine französische Privatwohnung einzudringen."
Einige Worte unterrichteten die Offiziere. Während man die Lichter bis auf eins oder zwei auslöschte, beobachtete man durch die Jalousieen die Wasserseite. Zwei grosse Kaïks hielten in der Entfernung von etwa 50 Schritt regungslos auf den Wellen.