leichten, vom Zufall geworfenen Falten um ihren schönen Wuchs und hebt den durchsichtigen Teint des reizenden Gesichts, während die Flut dunkelbrauner Locken frei um Hals und Schultern wogt und das schwimmend blaue Auge aus den langen, schwarzgemalten Wimpern emporschaut, die weissen perlenartigen Zähne sich wie in keckem Spiel aus den purpurnen Lippen drängen. Die neunzehnjährige Mänade steht jetzt in der vollen Blüte und entwicklung ihrer Schönheit, und die von dem gewohnten Druck des Orients entfesselte Leidenschaftlichkeit droht Verderben in Liebe und Hass jedem, der ihr naht.
Der Offizier neben ihr stützt die Hand leicht auf den kleinen chinesischen Rohrsessel, während sein aristokratisch-schönes, jetzt vom Lärmen und Rausch gerötetes Gesicht mit dem feinen französischen Bakken- und Kinnbart sich zu ihr niederbeugt. An der andern Seite des Gemachs, vor einem prächtigen Fortepiano von Rosenholz, sitzt mit einem noch jungen Mann von charakteristischer Gesichtsbildung die schlanke Figur der Bojarenfrau. Ein leichtes orientalisch weites Gewand von jenem weissen nebelartigen Mousseline, den allein die kunstfertigen Finger der Hindu's an den Ufern des Ganges weben, umfliesst faltig die graziösen Formen der Pariserin, die kleinen Füsschen wippen und spielen mit den goldgestickten Pantoffeln, ein zierliches Spitzenhäubchen hängt lose nur noch an einem kirschroten Band im Cendré ihrer aufgelösten Frisur und das übermütig lachende Auge ruht halb spöttisch auf der Gruppe ihr gegenüber, während ihre Finger eine kecke Polka über die Tasten des Instruments herrauschen.
Am Tische selbst sitzt ein Offizier in der Interimsuniform des Stabes, aus einem langen, mitten zwischen die Flaschen, Früchte und Gläser gestellten Nargileh mit Eiswasser duftigen Latakia dampfend und übersättigt in ein Blatt des Journal de Constantinople schauend, indess auf dem Divan in der Ecke ein Vierter mit zwei jungen Frauen, deren Züge die georgische Abstammung verraten, neckend, tändelnd, jene Sprache junger Herzen in der ganzen Welt spricht, wo das verständigende Wort gegenseitig fehlt.
Die bunten Feredschi's und Schleier am Boden, die einzelnen Uniformstücke mit dem Abzeichen der Garden und der Marine, und die kaum vernarbten, zum teil noch verbundenen Wunden der Männer zeigen, dass hier eines jener lockeren Rendezvous, eine jener Orgien begangen wird, welche so häufig zwischen den zu ihrer Genesung von den Wunden des Kampfes oder dem Gift der Lagerkrankheiten in die am Bosporus eingerichteten Lazarete gesandten Offizieren und den türkischen Frauen stattfanden. Das Gold und die Gewandteit der Gelangweilten sprengte die Riegel der bestversicherten Harems, machte die Wächter blind und beförderte, trotz der strengen Befehle der Oberkommandanten und der Bemühung der Gesandten, die fast immer damit verbundenen Gefahren verachtend, eine Menge Liebeshändel und Abenteuer, die noch lange ihre Folgen auf das häusliche Leben der Türken üben werden.
Die ehemalige Lorette präludirte mit einer Hand weiter auf dem Piano, während sie mit der andern die kleine Papier-Cigarre zwischen den Lippen hervornahm und fortwarf. "Eine neue, Monsieur," sagte sie herrisch zu dem Offizier, der neben ihr sass. – "Was meinen Sie, Graf, können Sie sich eine nachsichtigere Beliebte wünschen, als ich bin?"
"Ah ciel! Sie sind ein Engel, Celeste" sagte der kapitän der Garde-Voltigeurs, indem er die Hand der Nedela an seiner Seite küsste. "Sie sollen dafür auch volle Freiheit haben, wenn wir erst wieder nach Paris kommen."
"Wein, gieb mir den schäumenden, süssen Trank, caro mio!" flüsterte die Odaliske. "Wirst Du mich mitnehmen, schöner Aga, nach dem goldenen Paris, von dem Ihr so viel erzählt?" Er raunte die Antwort ihr zwischen den wallenden Locken in das Ohr.
"Auf – M o n t a i l l i e r ! Schämen Sie sich nicht, eine Zeitung zu lesen, wo es die letzten Stunden unserer Freuden gilt? Sie sind zum Einschlafen langweilig mit Ihrer Politik. Sehen Sie Vaudricourt, wie er mit doppelten Karten spielt!"
"Es lebe die Coeur-Dame!" schrie der junge Schwelger vom Divan her.
"Zum Henker mit Euch! Lasst mich mit Euren Torheiten in Ruhe. Ich will lieber wieder den Malachof stürmen oder drei Tage in den schändlichen Trancheen liegen und weniger müde sein, als von einem Eurer Zechgelage."
Ein schallendes Gelächter der Kameraden belohnte ihn, auf das die Odalisken verwundert horchten, da sie die Ursache nicht verstanden.
"Es lebe der Malachof! Es lebe der 18. Juni, der uns hierher geschickt!" schrie der junge Marquis d e la Houdinière.
"Euer Vergnügen ist mit Mayran's und Brünet's2 Fall und 6000 Mann teuer genug erkauft!"
"Bah – das gibt Avancement; in der Linie sind bereits drei Regimenter frei! Die Engländer büssten verhältnissmässig noch mehr ein – Campbell, Shadfort und der tolle Yea sind böse Verluste!"
"Der Teufel hole sie!" schrie der Graf von seinen Kissen her. "Hätten sie mit uns zugleich angegriffen, so hatten wir den Turm. Das 19. Regiment hielt seine Fahne zwanzig Minuten lang auf der Brustwehr aufgepflanzt, und erst die Geschütze vom Sägewerk3 jagten uns wieder herunter. Das verdammte Wettermännchen hatte die Zeit verschlafen."
"Still! – Der Lord hat seine Schuld bezahlt, und die Zukunft wird lehren, ob wir mit seinem Nachfolger besser daran sind. Der einzige Nutzen, den die Engländer uns gebracht, ist, dass sie die Zufuhren der Festung jetzt am Faulen Meere abschneiden."
"Falsch – die Russen haben mehr zu beissen, als wir! Der Landtransport dauert