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, so strafen Sie nicht die Flucht des Knaben an Denen, die mit ihrer Hilfe ihm eine Liebe zu erweisen dachten. Ich nehme das Leben meines Enkels mit diesem Papier als empfangen aus Ihrer Hand und lege es in die Gottes!" –

Die Trommeln wirbelten, – die Hörner der Zuaven riefen draussen das Regiment zum Sammeln, – die Brigade- und Divisions-Adjutanten flogen mit dem Befehl zum Abmarsch an den Lagerreihen entlang! – einen kurzen teilnehmenden Händedruck nur tauschte der Vicomte mit dem einsamen Greis und dem zu seiner Ambülance eilenden Freunde, während sein Befehl dem jammernden Lebrigand den Säbel wiedergab; dann eilte er an die Spitze der Seinen, wo Oberst Polkes bereits ungeduldig harrte.

Unter dem jubel der Zuaven bildeten sich die Reihen zum Abmarsch. ––––––––––––––––––––––––––––

Sieben Uhr Abends! – Auf der Höhe, auf der am Tage vorher der unglückliche Zufall das Jagdrennen so traurig beendet, standen zahlreiche Gesellschaften von Offizieren, die Fernröhre und Gläser an den Augen, alle Blicke nach dem Mamelonder Lünette Kamschatkagerichtet, deren Wälle ein ununterbrochenes Feuer spieen, während vom Malakoff her und aus den zwei Reihen russischer Linienschiffe, die quer über die Südbucht sich gelegt, der eiserne Hagel durch Flammen und Pulverdampf daher fegte.

Aus dem Dokowaja- und Kilengrund herauf, aus den Trancheen in der Front entwickelten sich jetzt die französischen Kolonnen, lösten ihre Reihen und kletterten den steilen Aufgang zum Mamelon empor.

Man sieht die einzelnen Krieger wie Punkte und Schatten höher und höher klimmen, – jetzt die ersten an der Böschung, – Pulverdampf umhüllt sie, Feuerströme fahren dazwischen, doch nur Einzelne reisst das tödtende Eisen aus den zerstreuten Reihen, – plötzlich zeichnen sich zwei dunkle Schattengestalten auf den Kamm der Brustwehr gegen den Abendhimmel ab, – eine Fahne weht als Sammelpunkt, ein dunkler Menschenknoten ballt sich darum herund hinein in den Mamelon dringen in hellen Haufen die kühnen dritten Zuaven.

Da wirbeln die Trommeln durch den Pulverdampf, die russischen Reserven rücken in das Werk, das die französischen und englischen Batterieen zu bestreichen aufgehört, die Bajonette klirren an einander, das kleine Gewehrfeuer knattert und die Franzosen werden über die Brustwehr zurückgeworfen.

Aber am Abhang sammeln sich die Haufen, kaum haben ein oder zwei Kanonen aus den Schiessscharten auf's Neue ihre Blitze gegen sie gespieen, so stürmen sie die Böschung wieder hinan, – ihnen voran die hochgewachsene Gestalt eines Offiziers, winkend mit Säbel und Hand. Wieder tauchen die dunklen Schatten auf gegen die Abenddämmerung auf der Höhe der Brustwehr, – in dichten massen wogt und drängt der Kampf in's Innere, – dann speit die Kehle des Werks dunkle massen Flüchtender aus, die unter dem Feuer des Malakoff Schutz suchen, – von der Höhe der Lünette flattert die Tricoloreund ein tausendstimmiges "Vive l'Empereur!" überdonnert das Gekrache der Geschütze.

Der Mamelondie Vormauer des Malakoff ist genommen.

Fussnoten

1 Das gebe Gott! 2 Gottes Blut! 3 Fossoyeur, Todtengräber, ein Beiname, den die Soldaten dem General Canrobert gaben wegen eines Bülletins, in dem er die Approchen "Gräber für die Besatzung von Sebastopol" genannt. 4 Anémoscope. Lord Raglan war wegen seiner eifrigen Witterungsbeobachtungen unter diesem Spottnamen bekannt. 5 Eigener Bericht der Times!! 6 Sie lauteten: "En entrant dans cette temple, reposent les souvenirs d'un millénaire passé, j'ai reconnu les trâces d'une invasion des Vandales! Helas! Anglais ou Français, faites la guerre à la postérité, mais ne le faites pas à l'histoire. Si vous avez la prétention d'être nations civilisées, ne faites pas la guerre des barbares!" 7 P. hatte als Bataillons-Kommandant der Zephyre Befehl, eine Schanze wegzunehmen, aber die Araber verteidigten sie tapfer. Da befahl er: "Jetez moi à travers; mes hommes me suivront alors!" Gesagt, getan; drei Mann warfen ihn hinüber, er erhielt vier Wunden, aber seine Soldaten folgten ihm.

Die Orgie.

Die glühende Hitze des Augusttages ist vorüber. Von den Symplegaden her, den rastlosen Felsentoren des Bosporus, die Jason's kühne Fahrt an den Grund fesselte, – an der Geierstadt des König Phineas vorüber, wo Herkules mit seinen Pfeilen die gierigen Harpyen erschoss, streicht der kühlende Seewind die breite Felsenstrasse entlang mit ihren durchsichtigen Wogen und den aufgetürmten Ufern, dem reichen Boden klassischer Sagen und romantischer Erinnerungen. Mit den Wellen kommt er daher vom hochaufwogenden Pontus an den Felsenschlössern vorüber, den genuesischen Castellen, von Murad IV. wieder erneut, – jetzt Anatoli- und Rumili-Kawak geheissen, – wo einst die eherne Kette den Eingang zu Byzanz den tracischen Räubern wehrte, wo über der Kapelle der heilgen Maria von den Zinnen des Furris Timäa das Feuerbecken hoch durch die Nacht den Schiffern im Pontus leuchtete; – über den geheiligten Hain von Petra rauscht er, dessen Bäume die Axt nicht berühren darf, damit das mächtige Wasserbecken nicht vertrokkene, das Werk des Comnenen Andronikus, das noch heute das grosse Byzanz tränkt; – über das grosse Tal von Buyukdere, wo neben den sieben Platanen der sieben Brüder die stolzen Flaggen der europäischen Ambassaden sich brüsten. Oder er streift drüben am asiatischen Ufer das Ancyräum, von dem Jason seine Anker mitnahm, die bytinianischen Berge des Olymp, wo der Argyrer Phrygos den Tempel der zwölf Götter baute, Poseidon seinen Altar hatte und die Heruler mit ihrer Flotte ankerten! An Hieron treibt