1855_Goedsche_156_146.txt

an meinem Reichtum," sagte sie fast ängstlich. "Nimmes ist das Deine!"

Die Marketenderin schaute sie erstaunt an. – "Wasich sollte Dir Dein unverhofftes Glück schmälern? Was fällt Dir ein, Celestedie kleinen Dienste, die ich Dir geleistet, sind reichlich durch Deine gefälligkeit aufgewogen und ich werde doch von einer Freundin nicht Bezahlung annehmen!"

"Ich bitte Dich, sei nicht töricht, Kind," bat die Bojarin, "dieses Geld ist das Deine, Du hast volles Recht darauf, glaube mir, und ich bitte Dich um meinetwillen, um jenes armenKranken willen, es anzunehmen. Ich würde keine ruhige Stunde mehr haben, wenn Du es ausschlägst."

Der Eifer, die Dringlichkeit, mit der sie bat, waren auffallend, und die kleine, leicht bewegte Grisette machte bereits Miene, die Grossmut ihrer Freundin zu preisen und anzunehmen, als ihr Bruder rauh dazwischen trat.

"Verzeihen Sie, Madame," sagte er streng und fest, "aber Nini bedarf Ihres Goldes nicht. Wenn sie einen Bruder behalten will, wird sie keinen Sous jenes Geldes berühren, für das einst das Herz und die Liebe eines ehrlichen Mannes verraten wurde."

Die Lorette wandte sich beleidigt von dem Jugendgeliebten und raffte das Gold wieder zusammen. – "Wie es Ihnen beliebt, Herr Bourdon. Ich hielt es für meine Pflicht, Ihrer Schwester die Summe anzubieten," – sie warf einen hastigen blick auf den Schwachsinnigen, schien jedoch durch das Resultat beruhigt; – "wenn sie die Annahme weigert, ist es nicht meine Schuld. Was meine Liebe und meine person betrifft, so halte ich sie noch heute für zu gut, um sie an den ersten besten Arbeiter oder Soldaten wegzuwerfen."

François wollte heftig antworten, ward aber von der Schwester zurückgehalten, während Celeste, im Besitz ihres Schatzes, eine hochmütige und trotzige Verbeugung der Gesellschaft machte und in der hintern Abteilung der Cantine verschwand.

Man hatte es kaum bemerkt, dass während der kleinen Scene ein Fremder eingetreten und in der Nähe Platz genommen hatte, derselbe benarbte Alte, dessen Anwesenheit in Pelissier's Generalstabe am Tage vorher den russischen Fähnrich erschreckt hatte.

"Jetzt zu Ihnen, denn Sie haben mich in eine sehr unangenehme Lage versetzt, Mademoiselle," fuhr der Lieutenant-Colonel zu der Marketenderin fort. "Nach Allem, was bis jetzt ermittelt, sind Sie und dieser Schuft hier" – er wies auf Lebrigand – "es gewesen, die dem jungen Russen zur Flucht geholfen. Was veranlasste Sie, meine Nachsicht auf diese Weise zu missbrauchen?"

"Bedenken Sie, mein Kommandant," schluchzte Nini, "er war so jung und Sie wollten ihn jetzt in ein gefängnis schicken."

"Es war meine Pflicht, die ich zu lange versäumt. Corporal Bourdon, ich frage Sie auf Ihr Ehrenwort als französischer Soldat, wussten Sie um den Anschlag Ihrer Schwester?"

"Nein, mein Kommandant!"

"Das freut mich, ich hätte Ihnen ungern die gelegenheit entzogen, sich heute am Mamelon Beförderung zu holen. Nehmen Sie dem Burschen da den Säbel ab und führen Sie ihn zum Profoss. kapitän Mongin wird ihm Arrest geben."

Der kapitän nickte. "Wir kennen uns, mein Vögelchen, und ich will Dir die grossmütigen Galanterieen vertreiben!"

Der lüderliche Zuave hatte bis jetzt mit grosser Gleichgültigkeit die gegen ihn erhobene Anklage angehört, als er aber nun vernahm, dass er in Arrest geschickt werden sollte, während ein Kampf bevorstand, geriet er ausser sich, warf seinen Fess auf den Boden und trampelte wie ein Narr darauf umher. – "Que le diable les importe! Zum Henker mit allen Weibsleuten, sie sind zu meinem Unglück auf der Welt und machen mit einem Augenzwinkern einen Narren aus mir! kapitän Monginmein KommandantSie werden doch um einer solchen Lumperei willen mich nicht um den Sturm bringen? Fichtre! Ich will meine eigene Zunge verschlucken, wenn ich den Schimpf überlebe."

"Das hättest Du eher bedenken sollen, bevor Du Dich von einem Mädchen verleiten liessest, gegen Deine Pflicht zu handeln!"

"Maudit, mein Kommandant! – Aber wozu wären die Frauenzimmer sonst auf der Welt. Es passirt vernünftigeren Leuten als ich bin! Hier Mademoiselle betörte mich, indem sie mir freiwillig einen Kuss versprach. Mordio! – so dachte' ichwas kommt es auf einen Russen mehr oder weniger an, Du holst dafür heute zehn Andere von ihren Schanzen, und so führt' ich ihn im Dunkel bis an die letzte Tranchee, nachdem ihm Jean hier seinen eigenen Rock gegeben. Unmöglich, mein Kommandant, konnte ich mich doch von einem verrückten Burschen in der Galanterie übertreffen lassen?"

Der arme Schützling Nini's nickte ihm vergnügt lächelnd zu. Er schien offenbar seinen Anteil an der Sache zu verstehen und sich darüber zu freuen. – "Er ist fort," sagte er, "der Andere auch, ich weiss, sie gaben ihm das Pferd! Jean's Seele ging mit ihnenaber er wird sie wiederholendai Bosche!"

Niemand achtete viel auf die Worte des Irren, doch fiel die Erinnerung an die in seiner Gegenwart verabredete Flucht des jungen russischen Fürsten schwer auf des Vicomte Seele und er befand sich in grosser Verlegenheit, da er sich sagen musste, er habe ja Aehnliches getan.

Der rasche Eintritt des Medecin-Major unterbrach