junge Irländer waren allen Andern voran; aber in wenig Augenblikken schon sahen sie den unbekannten Offizier ihnen zur Seite, und gleich darauf ihnen voran schiessen.
"Goddam! der Bursche ist vorzüglich beritten – echt arabisches Blut. Nun, Mylady, lassen Sie Bob seine Künste zeigen!"
Die Dame trieb ihren Vollblutrenner mit Peitsche und Sporen an, der kapitän war dicht hinter ihr – O'Maillei mehrere Längen zurück mit seinem Halbblütigen. Aber alle Anstrengungen waren vergeblich; denn der unbekannte Rival war bereits weit voraus und dem Tiere dicht auf den Fersen, das, von den Soldaten einer nahe gelegenen Feldschanze gescheucht, jetzt geradezu seine Richtung zwischen den englischen Trancheelinien hindurch den Grund entlang nach dem Ende der Südbucht und der Batterie Stal nahm.
Plötzlich erschütterte eine dröhnende Salve die Luft, weisse Rauchwirbel kräuselten empor, Schuss auf Schuss aus schwerem Geschütz donnerte die Reihen der Batterieen entlang bis zur Canrobert-Schanze auf dem äussersten rechten Flügel, und aus den Festungswerken der Bastionen der linken Stadtseite flammte und krachte die Erwiderung; – das Bombardement hatte mit voller Wut begonnen.
kapitän Cavendish parirte sein Pferd. "Zurück, Mylady, um des himmels willen, oder wir kommen in die Schusslinien. Zurück!"
Die Dame hielt unerschrocken den schnaubenden Renner an. "Sehen Sie dortin – den Mann vor uns – der Unbesonnene! – Sie winken ihm aus den Batterieen – er achtet nicht darauf."
"Das Pferd muss mit ihm durchgegangen sein – er scheint nicht Herr mehr desselben – Schade um den kecken Burschen – er ist rettungslos verloren, wenn er nicht etwa ein Ueberläufer ist. Aber fort von hier, Mylady, die Stelle ist für Sie zu gefährlich!" Eine Vollkugel aus dem Redan ricochettirte unsern von ihnen, Beide wandten die Pferde und sprengten davon.
Fürst Iwan war im Pulverdampf der Batterieen an der Biegung der Woronzoff-Strasse verschwunden.
Allmälig sammelte sich die Reiterschaar auf der Höhe des weissen Hügels von der so gefährlich unterbrochenen Jagd und besprach den Ausgang, von dem günstigen Standpunkt ausserhalb der Schusslinien der Kanonade zuschauend. Der Allen unbekannte Reiter und sein Schicksal bildete natürlich einen Hauptgegenstand des Gesprächs und der Vermutungen.
"Er muss von Balaclawa herauf gekommen sein," behauptete Lieutenant O'Maillei; "vielleicht Einer der neuen Burschen, die von Constantinopel gekommen. Aber schade ist es um das Pferd – der Blitz ist langsam gegen solch Blut. Ich möchte mein Patent dagegen wetten, so neu es auch ist, dass es ein reiner Araber war von der Mohanna-Race."
"Wenn ich recht gesehen," sagte Mistress Duberly, "kamen Sie ja mit dem Herrn zugleich, Sir Edward?"
"Ich traf ihn auf dem Wege zum Abritt, kannte ihn jedoch nicht."
"Jedenfalls war unser Rennen ein todtes," meinte lächelnd der Infanterie-kapitän, "vielleicht in doppelter Beziehung. Aber der tolle Ritt hat mich doch etwas angegriffen – ich fühle noch zuweilen die Nachwehen des Lazarets. – He, Mickei – nimm mein Pferd und halte reinen Mund gegen kapitän Stuart, sonst brummt er drei Tage lang mit mir."
"O Jemine, kapitän," sagte der Irländer, der diesmal den Reitknecht spielte, "warum hören Sie auch nicht auf guten Rat und bleiben hübsch im Lager, wenn das Regiment ein Mal Ruhe hat. Das kommt Alles davon, dass Sie Pferde halten, kapitän, was beim 95. doch nur der Oberst tut. Wollen Sie eine Stärkung, Akushla – 's ist echter Whiskei in der Flasche?"
kapitän Cavendish hatte sich neben der Reitergruppe, die sich durch zahlreiche unberittene Zuschauer vermehrt hatte, auf ein Felsstück gesetzt. – "Ich danke, Mickei, ich bin noch zu erhitzt. Ich will zuerst von diesem Ingwer geniessen, den ich noch nicht probirt."
Er holte die Dose aus der tasche, öffnete sie und nahm einige Stücke heraus, die er in den Mund steckte, während der Soldat mit den Pferden lüstern neben ihm stehen blieb.
Plötzlich sprang der unglückliche Offizier empor, schlug die arme wild um sich und stürzte mit einem entsetzlichen Schrei zu Boden. Alles sammelte sich sogleich um ihn her, zuerst in der Meinung, er sei von einer Kugel getroffen; die Zuckungen des Unglücklichen, der Schaum, der ihm vor die Lippen trat und das rollende blutunterlaufende Auge zeigten jedoch bald, dass es sich hier um einen inneren Krankheitsfall handle, und ein Arzt, der sich unter den Zuschauern befand und sogleich zu Hilfe eilte, erklärte die Symptome für die einer schrecklichen und tödtlichen Vergiftung.
Der ehrliche Mickei, zum tod erschrocken, vermochte Anfangs kaum Rede zu stehen, und erst nach vielem Hin- und Herfragen kam er zu der Auskunft, dass der furchtbare Anfall sogleich nach dem Genuss des Inhalts der Dose erfolgt war, die der kapitän noch in der krampfhaft geballten Hand hielt. Der Doctor entfernte sie mit Gewalt, öffnete sie und schüttete den Inhalt heraus, den er sorgfältig prüfte, ohne jedoch ein Anzeichen des Giftes zu entdecken. Misstress Duberly wiederholte eben, was ihr der kapitän von dem Kaufe der Dose erzählt, als sie bemerkte, dass auf dem Boden derselben ein Pergament- oder Papyrusstreifen zurückgeblieben war. Man zog ihn heraus, er entielt in englischer und indischer Sprache nur den hindostanischen Gruss:
"Gehe, wohin Deine Wünsche Dich rufen und mögen Deine Wege leicht und angenehm sein!"
Ein Offizier hatte die Worte halblaut verlesen, aber der Kranke