und unedlen tod zu retten, aber ich darf nicht ganz meine Pflicht als Soldat und Franzose vergessen. Was auch der Grund war, der Sie hierher geführt – dieser Brief oder ein unbesonnener Diensteifer – Sie müssen mir Ihr Ehrenwort geben, Nichts von den militairischen Vorbereitungen zu verraten, welche die Festung bedrohen und von denen Sie vielleicht Kenntniss genommen. Sie werden als Soldat und Edelmann meine Forderung würdigen."
Iwan Oczakoff legte beteuernd die Hand auf die Brust – es war seltsam, dass er selbst in diesem Augenblick zu sprechen vermied. Aber sein Auge traf zugleich mit bedeutungsvollem Ausdruck auf das des jungen Unterfähnrich.
"So bin ich zufrieden, Gott schütze Sie und sagen Sie der Fürstin, Ihrer Schwester, dass es eine kleine Zahlung auf unsere grosse Schuld an sie sei."
Fürst Iwan lächelte, indem er zwei Finger in die Höhe hob, als wolle er andeuten, dass der Franzose ihn zwei Mal gerettet. Dann, indem Jener das Gemach verliess und am Eingang der Cantine mit der Marketenderin, ihrem Bruder und Celesten ein Gespräch begann, machte er sich bereit, dem Arzt und dem Baronet zu folgen.
Dies schien ihm, trotz der Gefahr, in der er schwebte, nicht leicht zu werden, denn er war auffallend bewegt, während seine Augen mit ängstlichem, zärtlichem Ausdruck auf dem Irren ruhten.
Der arme hatte sich bei dem Dazwischentreten scheu in einen Winkel zurückgezogen, das Gesicht mit den Händen bedeckt und schien gleichfalls lebhaft erregt und von einem Ringen in seinem inneren gequält.
Der Arzt betrachtete erstaunt und nachdenklich diese kurze Scene.
"Eilen wir!" sagte der Baronet, an dessen Melancholie dies Zwischenspiel bedeutungslos vorübergegangen war.
Iwan Oczakoff fasste sich mit einer raschen Anstrengung, indem sein Auge dabei dem fragenden Blicke des Arztes begegnete. Er trat mit raschem, elastischem Schritt auf den Irren zu, schlug mit dem Daumen der rechten Hand ein Kreuz über ihn und küsste ihn nach russischer Sitte auf die Stirn. Dann wandte er sich schnell ab und verliess mit seinen beiden Begleitern das Gefangenen- und Krankengemach.
In der Cantine geleitete sie der Arzt durch einen hintern Ausgang in's Freie, während das brüllende Gelächter des Publikums über die tollen Spässe der Fürstin Mulaschpulaschkin dicht neben ihnen erscholl. Indess Sir Edward sein Pferd von einer nahen Baracke holte, geleitete der Arzt seinen jungen Schützling rasch weiter.
Er gedachte des ähnlichen Auftritts in Widdin und wie seltsam das Schicksal spielte, dass es ihn hier zum zweiten Mal als Retter des Feindes auftreten liess. Er konnte sich nicht entalten, den Fürsten zu fragen, ob er den Stabs-kapitän Meiendorf kenne und dieser sich in Sebastopol befinde.
Fürst Iwan nickte bejahend.
"Dann," sagte der Arzt, "bitte ich Sie, ihm den Namen eines Freundes, den meinen – Doctor Welland – zu nennen und ihm zu sagen, dass Graf Pisani mit seiner edlen Gemahlin sich in der sardinischen Armee auf den Höhen der Tschernaja befindet."
Sie waren nur wenige Schritte noch von der Cypressengruppe entfernt, in deren Schatten Emir Abdallah bereits die Stute Eidunih – das Ross des Windes – bereit hielt, als der Russe stehen blieb und plötzlich sein Schweigen brach.
"Doctor Welland," sagte er feierlich und aufgeregt, "ich weiss von Einer, deren Leben und Denken Ihnen gehört, dass Sie das Herz eines Ehrenmannes haben. Wollen Sie dem Dienst, den Sie mir in diesem Augenblick erweisen, noch einen wichtigeren, heiligeren hinzufügen, der mich Ihnen ewig verpflichten wird?"
"Sprechen Sie, Fürst!"
"Geloben Sie mir zuerst auf Ihre Ehre, was ich Ihnen vertraue, in Ihrer Brust zu bewahren, bis meine Lippe oder der Tod es löst?"
"Auf meine Ehre!"
"So beschwöre ich Sie, all Ihre Kunst, Ihr menschenfreundliches Herz dem armen Irren zuzuwenden, den ich in jenem Gezelt verlassen musste, ich binde ihn auf Ihre Seele, denn – –" der junge Fürst trat dicht an ihn heran und flüsterte einige Worte, bei deren Anhören der Arzt erschrocken und staunend zurücktrat. Im nächsten Augenblick schon war Iwan Oczakoff bei dem Araber und im Sattel. Zugleich galoppirte Sir Edward herbei. Einen flüchtigen Gruss noch – ein Schweigen mahnendes Drücken des Fingers auf die Lippen, dann flogen beide Reiter dahin nach dem Labordonaja-Grund und der englischen Stellung. ––––––––––––––––––––––––––––
Die britischen Offiziere hatten zu ihrer Unterhaltung eine eigentümliche Art des Wettrennens erfunden – die Jagd auf die wilden Hunde, die sich in der Nähe der Lager und der Schlachtfelder mit ihren fliegenden Genossen, den Geiern, sehr zahlreich aufhielten. Die Tiere bildeten die Mitte zwischen Wolf und Schakal und zeigten sich gewöhnlich ziemlich furchtlos und schlau, indem sie – gleich als wüssten sie, wo sie Schutz vor ihren Verfolgern finden könnten, – wenn es irgend anging, den Weg nach den russischen Festungswerken nahmen. Die Hetze wurde sowohl dadurch, als durch das wechselnde unbekannte Terrain ein sehr gefährliches Spiel, bei dem Unglücksfälle nicht selten waren.
Die schon mehrere Tage vorher in Folge einer Wette für diesen Nachmittag angekündigte Jagd hatte eine bedeutende Anzahl von Offizieren und Gentlemen aus dem Administrations-Personal auf dem Plateau des weissen berges, diesseits der Trancheen und Batterieen, zwischen den Zugängen des Labordonajaund Sarakandina-Grundes versammelt. Man hatte sich genötigt gesehen, trotz der Hitze, die Jagd auf eine frühere Nachmittagsstunde anzusetzen, da das angekündigte Bombardement sie später unmöglich machte und der Wortlaut der Wette das Niederhetzen einer bestimmten Anzahl von Hunden