bekümmern und die Zudringlichkeiten der türkischen und griechischen Bootsleute abzuwehren, die mit Gewalt sich der Reisenden zu bemächtigen suchten. Die Geschwätzigkeit und Unverschämteit der Griechen trug gewöhnlich den Sieg über ihre Rivalen davon und bald flogen Boote mit den Reisenden, die teils in Smyrna bleiben, teils den Tag, während dessen das Dampfschiff auf der Rhebe ankerte, dort zubringen wollten, dem Strande zu.
Welland trat zu dem gleichfalls beschäftigten Jugendfreund und reichte ihm mit einiger Verlegenheit die Hand. "Ich habe bereits Leute getroffen, Gregor," sagte er, "an die ich empfohlen bin und mit denen ich Geschäfte habe. Sagen Sie mir Freund, wo wir uns heute Abend in dem mir fremden Smyrna treffen können, wir haben uns noch so Vieles zu sagen und können dann besser unsere weiteren Pläne besprechen."
Caraiskakis drückte ihm eifrig die Hand. "Hüten Sie sich vor den fremden Flüchtlingen," sagte er ihm eilig und leise. "Es sollen in Smyrna deren jetzt mehr als fünfhundert sich befinden und das niedere Gesindel ist zahllos und macht die Stadt und die Gegend unsicher. Mein Weg führt mich nach dem armenischen Quartier, und wenn ich kann, suche ich Sie heute Abend bei Sonnenuntergang auf der Terrasse des englischen Kaffeehauses um Hafen auf, das Ihnen jedes Kind zeigt."
Damit trennten sich herzlich die Freunde und bald fuhr die Barke der Italiener mit Welland über die im Sonnenschein leuchtende und blitzende Wasserfläche zur Stadt. Ihren Weg kreuzte das Boot der Corvette, in dem der Wiener sass und dem Reisegefährten vertraulich zunickte. Am Quai des österreichischen Generalconsulats sahen sie es landen.
S m y r n a , das wie viele andere orientalische Städte, aus der Ferne einen so prächtigen Eindruck macht, bietet im inneren dem Fremden den ganzen Typus des türkischen Schmutzes, der gränzenlosen Fahrlässigkeit und Unordnung. Nur das Frankenquartier mit seinen vielen Consulaten und den grossen europäischen Handelsmagazinen, deren Durchgänge von der Frankenstrasse her sich am Meeresstrande öffnen, und ein teil der armenischen Stadt sind nach europäischen Begriffen einigermassen erträglich. Die Strassen aber auch dieser Stadtteile sind krumm, eng und ungepflastert, doch Promenaden im Vergleich zu den Gässchen und Winkeln der Türkenstadt. Keines der Häuser hat mehr als ein Stockwerk ausser dem Erdgeschoss und die meisten sind nach orientalischer Art, also eng und unbequem mit flachen Dachterrassen und mauerumgebenen Höfen gebaut. Ein Quai am Hafen existirt eben so wenig wie in Constantinopel; die Höfe der meisten anliegenden Häuser laufen bis unmittelbar an das Ufer des Meeres und die einzelnen freien Strecken auf der Marina, welche den Spaziergang der Bevölkerung Smyrna's an der See bilden, sind kaum 200 Schritt lang. Das Café anglais, ein Quadrat in die See hinausgebauter mit leichtem Geländer umgebener Vorsprung, liegt an der Südseite derselben.
Welland hatte aus verschiedenen Gründen die Einladung seiner neuen Bekannten nicht angenommen und seine wohnung bei Madame Giraud aufgeschlagen, der behaglichen freundlichen Französin, die eine weitbekannte Pension – wie man die Kostäuser im Orient nennt, – in der Frankenstadt hält. Er hatte eben seine Sachen geordnet, als seine beiden neuen Bekannten erschienen und einen Dritten ihm vorstellten, den Ungar C o s t a . Es war ein Mann von einigen dreissig Jahren, nicht gross, doch schlank gebaut, dabei von breiten Hüften und festen Muskeln. Sein keck geschnittenes Gesicht, von dunklem Bart umgeben, nahmen für ihn ein und Welland fühlte sich von Anfang mehr zu ihm hingezogen als zu den Italienern. "Sie haben, wie ich von meinen Freunden höre, Briefe für mich von Paris," sagte der Ungar verbindlich; "ich habe so lange der Nachrichten entbehrt, dass ich voll Erwartung bin. Wollen Sie mir dieselben aushändigen?"
"Sie werden selbst wissen, dass einige Bedingungen vorher zu erfüllen sind," bemerkte Welland und nahm ein sorgfältig verwahrtes Briefpacket aus seiner Brieftasche. Costa beugte sich zu ihm und flüsterte: "Die Flamme ist die Mutter des Lichts. Die Mariannen beten die Flamme an!"
Sie waren zur Seite getreten. "Das sind die Worte des dritten Grabes," sagte Welland, "ich brauche die Losung des vierten."
Costa flüsterte noch leiser als zuvor: "Flamme und Eisen machen Asche und Leichen. Asche und Blut düngen den Boden der Freiheit. Die Joseffiten sind die Blätter des Baumes. – Sind Sie befriedigt?"
Welland übergab ihm die Briefe. Der Ungar betrachtete ihn einige Augenblicke scharf, dann zog er ein kleines schwarzes Kreuz von Ebenholz aus der tasche, das von eigentümlicher Form dem des Ordens vom heiligen grab glich, und in das fünf breite silberne Stifte eingeschlagen waren; "Sie sehen," sagte er leise, "dass Sie mir zu gehorchen haben, denn ich setze voraus, dass Ihre Mission mit dem vierten Grade endigt?"
Welland verbeugte sich: "Ich stehe zu Ihrer Disposition, Signor Costa."
Der Ungar winkte die Andern wieder herbei, setzte sich an den Tisch und schickte sich an, das Couvert zu erbrechen. Ehe er dies tat, untersuchte er es sorgfältig von allen Seiten und betrachtete namentlich aufmerksam das Siegel, das ein wie oben beschriebenes Kreuz auf guillochirtem grund zeigte. Seine scharfen Augen schienen einen Umstand zu entdecken, der seine Besorgniss erregte.
"Auf Ihren Eid als Bundesbruder," fragte er, "ist dies Packet nie aus Ihren Händen gekommen, Signor?"
"Ich trug die Briefe stets in meinem Portefeuille und dies in der inneren Brusttasche meines Rockes. Des Nachts verschloss ich sie