dieser frechen Anschuldigung hervorbrach. Der Spitzbube hatte offenbar die vorhergegangene Anklage und Verhandlung hinter der Bühne versteckt angehört und parirte auf diese Art den Beweis, da er seinem jüngern und ehrlicheren Kameraden nicht recht trauen mochte.
"Und Euer Excellenz gestatten diesem Schuft eine solche Infamie?" schrie wütend General Mellinet.
"Ich begreife nicht," fuhr der Zuave mit derselben stoischen Ruhe fort, "wie man sich darüber ärgern kann. Wir müssen uns doch auch gefallen lassen, dass die Herren von der Garde uns nicht anders, als H ü h n e r d i e b e nennen, während sie die ganze Zeit doch ihre Eier in unsere Nester zu legen bemüht sind." Er wies mit der Hand nach dem Eingang der Cantine, wo man einen Adjutanten des General Pontèves, heimlich vom Pferde gestiegen, die gelegenheit benutzen sah, sich so eifrig mit Mademoiselle Celeste zu unterhalten, dass das Pärchen nicht einmal die Aufmerksamkeit bemerkte, die der Zuave schlau darauf gewandt.
"Sie werden dem Grafen B r e t a n n e drei Tage Arrest dafür geben, Herr General," sagte der OberKommandant – kein besonderer Freund des schönen Geschlechts – barsch, "dass er seiner Liebeleien wegen die achtung vor seinen Vorgesetzten aus den Augen setzt. – Was die Beleidigung anbetrifft, so stehen Anschuldigungen aus beiden Seiten. Hast Du dies geschrieben, Bursche? – Sprich die Wahrheit!" – Er zeigte dem Zuaven das Plakat.
Der Halunke spielte wie die Katze mit der Maus mit seinen Gegnern. Er besah das Blatt hinten und vorn, zeigte es kopfschüttelnd seinem gefährten und sagte dann, die Augen listig zusammenkneisend: "Aber General, die ganze Compagnie weiss, dass ich kein Gelernter bin und nicht einmal meinen Namen schreiben kann, sonst müsste ich ja längst mindestens Oberst sein, abgesehen von den paar kleinen Verurteilungen. Ausserdem kann hier Bernaudin, mein Kamerad, der die Fürstin Mulaschpulaschkin darstellt, bezeugen, dass ich die ganze Nacht nicht von seiner Seite gekommen bin!"
"So wahr alle neunhundertundneunundneunzig Heiligen meiner Seele gnädig sein mögen, ich will mein Leben lang Nichts als saure arabische Milch fressen," schwor die Fürstin geläufig, "wenn das nicht Alles die reine Wahrheit ist, Euer Excellenz, Herr General-Ober-Kommandant! Ich will verdammt – –"
Eine Handbewegung und ein einziger blick des Generals unterbrach und scheuchte ihn einige Schritte zurück. – "Kannst Du einen ähnlichen glaubwürdigen Zelgen für Dein Alibi stellen, Corporal?" fragte er, zu Bourdon gewendet.
Der junge Mann war blutrot und scheute sich offenbar, eine Lüge vorzubringen, obschon er Zuave war. Lebrigaud sprang ihm jedoch eilig zu Hilfe und sagte: "Der Sergeant-Major Fabrice war bei ihm."
"Fabrice Tonton? – Das ist ein Braver – ich kenne ihn. Lasst ihn vortreten."
Papa Fabrice wurde sehr gegen seinen Willen in den Kreis gedrängt und schien sich ziemlich unbehaglich und verlegen zu fühlen.
"Nun, mein Alter," sprach freundlich der General, "die Sache hier muss ein Ende nehmen. Sprich also frisch heraus, ob Dir bekannt, wo dieser Mann hier die Nacht zugebracht!"
Der Sergeant-Major drehte sich noch immer verlegen den langen Schnurrbart oder rückte den Fess von einer Seite auf die andere und kraute sich hinter dem Ohr.
"Nun wirds?"
"Peste! – Es ist freilich nicht ganz recht, General," murmelte der Angeredete endlich, "dass so ein alter Esel, wie ich, sich verführen lässt – aber die Wahrheit muss heraus! – Wir haben zusammen getrunken, mein General – es war so, wie ein Namenstag, ich weiss nur nicht genau welcher! – aber wir sassen die Nacht beisammen, das ist wahr, nur ..."
"Das ist genug," sagte der Ober-Kommandant. "Tretet zurück, Bursche. Sie sehen, General Mellinet, dass sich Nichts hat ermitteln lassen. Was Ihr Verlangen betrifft, so bewillige ich dasselbe und die zweite Garde-Brigade soll bei der heutigen Ablösung bereits den Dienst in den Trancheen beziehen. Treffen Sie die nötige Aenderung in den Bestimmungen, R i v e t . "
"Aber das Duell – der erstochene Sergeant?"
"General Wimpffen möge ein Kriegsgericht anordnen – Sie hörten ja, dass der Bursche behauptet, der beleidigte teil zu sein."
Der Kommandant der Garden wandte sich zu dem Kommandeur des Regiments. "Da mir hier jede Genugtuung verweigert wird," sagte er, bleich vor unterdrücktem Aerger, "so habe ich Sie, Oberst Maurelhan, nur noch darauf aufmerksam zu machen, dass, lässt sich Einer von Ihren Schuften noch ein Mal im Bereich des Lagers der Garden blicken, die Wachen Ordre haben werden, ihn wie einen Hund nieder zu schiessen!"
"Wenn Sie hierher gekommen sind, General," schrie der alte Polkes heftig, "um mich zu beleidigen, so ..."
"Halt da, meine Herren," unterbrach die strenge stimme des Ober-Befehlshabers, "keinen Streit! Meine Entscheidung ist gefällt und Sie mögen bedenken, General Mellinet, dass ich wegen eines Witzwortes doch unmöglich brave Soldaten erschiessen lassen kann. Begleiten Sie uns weiter, Mellinet, wenn es Ihnen genehm."
"Euer Excellenz werden mir erlauben, nach meinem Quartier zurückzukehren," sagte der Garde-Divisionair, kurz und kalt salutirend, und wandte,