Maurelhan-P o l k e s , drängte im Augenblick sein Pferd aus den hintern Reihen. – "Erlauben Sie, Herr General, das ist – –"
"Still!" sagte der Ober-Befehlshaber mit gebietender stimme und Handbewegung. "Ueberlassen Sie das mir, Oberst. Wo sind die Beweise für Ihre Behauptungen, Herr General?"
"Die Schildwachen haben Zuaven in der Nähe unserer Zelte bald nach Mitternacht umherschleichen gesehen, ein Corporal der Grenadiere behauptet, zwei von ihnen erkannt zu haben. Den Einen bezeichnet der Name dieser Brieftafel, die man an einer Stelle fand, an welcher jene Nichtswürdigkeit angeheftet war, der Andere hat sich durch das Duell verraten, indem er heute den Corporal des ersten Grenadier-Regiments, der ihn beschuldigte, tödtlich verwundete."
General Pelissier hatte das Notizbuch geöffnet, seine Stirn war finster wie eine Gewitterwolke, weniger aus Aerger über den Unfug, als aus Groll über die directen Beweise. – "François Bourdon" las er, – "wie heisst der andere Bursche, den man gesehen haben will?"
"Lebrigaud!"
"Lebrigaud? – der Name ist mir nicht unbekannt – ein toller Taugenichts, wenn ich mich recht erinnere. In welcher Compagnie stehen dir Beiden?" – Sein blick heftete sich auf den Kreis von Offizieren und Soldaten, der sich in einiger Entfernung um die Generale gebildet hatte und in gespanntem Schweigen der entwicklung harrte. Der Kommandant des ersten Bataillons, Vicomte de Méricourt, trat salutirend aus der Reihe.
"Euer Excellenz zu Befehl, die beiden Leute stehen beim ersten Bataillon, das ich zu kommandiren die Ehre habe, aber ich glaube, für Corporal Bourdon bürgen zu können, der einer der bravsten und ordentlichsten Soldaten ist."
"Ich habe Sie um Ihr zeugnis noch nicht gefragt, Herr," sagte grämlich der General. "Lassen Sie die beiden Männer hierher kommen."
Der Befehl lief schnell durch die Menge, die sich näher herandrängte, und einige Augenblicke darauf trat der Corporal Bourdon in den Kreis und blieb in dienstlicher Haltung vor den Generälen stehen. Ihm folgte Lebrigaud, in den Talar und die Mütze eines polnischen Juden gekleidet, die als das Costüm eines russischen Popen gelten sollten, an der Hand nicht ohne einiges Sträuben die noch scandalöser ausgeputzte Figur seines Collegen Bernaudin hinter sich herzerrend.
Ein unterdrücktes lachen lief durch die ganze Cavalkade des Stabes bei der Erscheinung dieses seltsamen Kleeblatts, während die Offiziere der Garden ihre Lippen wund bissen.
"Was soll die Mummerei heissen, – wer sind die Kerls?" fragte der Ober-Kommandant, bemüht, eine strenge Miene anzunehmen.
"Excellenz halten zu Gnaden," nahm der verkleidete Pope mit einer tiefen Verbeugung das Wort, "ich bin für heute Nachmittag der ehrwürdige Vater Basilius Papodorowitsch und das da ist Ihre Durchlaucht die Fürstin Mulaschpulaschkin, die Besitzerin verschiedener Goldbergwerke im Uralischen Gebirge oder am Kasperschen See, die sterblich in einen Offizier von Euer Excellenz getreuen Zuaven verliebt ist und mit des himmels Hilfe und meinem Beistand seine eheliche Gallin werden soll."
Das Gesicht des Generals wurde jetzt im Ernst finster. "Nimm Dich in Acht, Bursche, und bedenke, vor wem Du stehst! Wie heisst Du?"
"Lebrigaud, Excellenz, und das ist mein Kamerad Bernaudin," sagte der Lüderjahn unbesorgt, "wir haben heute, mit erlaubnis des Obersten, eine kleine Teatervorstellung, zu der wir Euer Excellenz und die Herren Generäle gern einladen möchten, wenn es der Respect erlaubte; – Euer Excellenz wollen das Costüm entschuldigen, – wir durften es nicht wagen, Sie warten zu lassen."
"Es ist gut! – Dein Name kommt mir bekannt vor?"
"Möglich, General. Wir haben Beide einen grossen teil unserer Zeit in Afrika zugebracht."
"Du warst unter den Zephyren beim Angriff auf die Verschauzung der Veni-Passan?"
"Ja, General – es sind fünfzehn Jahr her und ich bin seitdem nicht schöner geworden. Ich half Sie damals über die Schanze werfen – Sie waren da noch nicht so dick und schwer wie heute7 – ich erinnere mich genau."
"Richtig, Du warst einer von den Dreien, aber ich habe ein eben so gutes Gedächtnis und erinnere mich auch, dass Du der Erste bei mir warst. Ich kenne jetzt auch Dein Gesicht, trotz des Bartes."
"O," sagte der Zuave höflich, indem er den falschen Bart entfernte, "da kann ich dienen, General!"
Jedermann sah jetzt, wie die Untersuchung enden würde, denn Pelissier nahm bei jeder gelegenheit seine alten Zephyre in Schutz, obschon sie die berüchtigsten Taugenichtse der afrikanischen Armee waren. Trotzdem konnte sich der General Pontèves nicht entalten, noch einen Versuch zu machen, indem er auf die breite Schmarre des Zuaven wies: "Da steht der Beweis auf seinem Gesicht, dass er Derjenige ist, welcher sich heute Morgen geschlagen hat."
"Fichtre! ich denke, ich habe es noch nicht geleugnet! – Es kam wegen einer Beleidigung, die nur die Garden angetan haben."
"Dir, Kerl?"
"Ja, General, sie haben mir eine Brieftafel, die mir mein Freund und Corporal Bourdon hier zu meinem Namenstag als Andenken geschenkt hatte, g e s t o h l e n ! Der Henker weiss zu welchem Zweck!"
Unaufhaltsam, trotz der Gegenwart des Ober-Befehlshabers, war das Gelächter, das nach