1855_Goedsche_156_133.txt

wir machen eine Partie.' Doctor Düport stellte sich pünktlich ein und associirte sich mit seinem Kranken, der sich ziemlich wohl befand. Zuerst liess man ihn einige Louis gewinnen, aber bald drehte sich die Chance und in drei Besuchen verlor der Doctor nicht weniger als 25000 Franken. Zu spät sah er ein, dass er betrogen sei; denn als er das vierte Mal wieder kam, um Revanche zu nehmen, war das Nest ausgeflogen."

"Was kommt dort für Cavalkade?" fragte ein Offizier, der zufällig aufgestanden.

"Wo? – dort? – ich glaube, es ist Feverrierder Bursche muss es eilig haben."

"Neinich meinte da nach der andern Seitedie Staubwolke?"

Der Brigade-Adjutant war herangesprengt. "Meine Herren, der Oberst lässt Sie wissen, dass der General en Chef sogleich mit dem ganzen Stab hier sein wird. Die Leute sollen aber in ihrer Beschäftigung bleibenwie ich sehe also bei der Mahlzeit. Sie wissen, der General liebt es nicht, zu geniren und ist heute ohnehin nicht besonderer Laune."

"Wie sowas gibt eserzählen Sie, Feverrier!" Die Offiziere umdrängten ihn.

"Ei, unter unses hat einen verteufelten Sturm gegeben. Der Ober-General war bei Lord Raglan in Kamara und, wie mir General Wimpfen vertraut, ist es zu einer Scene gekommen, wegen der Befestigungen, welche die Engländer bei Kertsch und Pawlowskaja verstärken wollen."

"Doch wohl, um sich dort festzusetzen? Ein neues Corfu oder Gibraltar am Azow'schen Meer."

"So scheint es! Doch reichen Sie mir einen Becher Weinmeine Kehle ist so trocken wie die Sahara. – General Pelissier," fuhr er fort, nachdem er getrunken, "hat dem Lord erklärt, er werde d'Autemarre den Auftrag senden, sich mit Gewalt jeder Fortifikation an der Küste zu widersetzen, die einen andern Zweck habe, als die Expedition zu sichern. – Wahrhaftigda sind sie schon, der Teufel traue dem Dicken!"

Der greis der Offiziere zog sich zurück, während die Anhöhe herauf der zahlreiche Stab des französischen Ober-Feldherrn, begleitet von mehreren Divisions- und Brigade-Generalen, Ismaël-Pascha und dem General La Marmora, kam.

Zwei Araber, in weissen wehenden Gewändern, ritten dem General P e l i s s i e r voran, der auf einem kräftigen Grauschimmel sass. Er war ein starker, fast fetter Mann, was ihm das anhaltende Reiten sehr erschwerte, mit fast weissem, kurz abgeschnittenem Haar. Die Gestalt nicht gross, das Gesicht von einem gutmütigen Ausdruck, von dem ganz verschieden, den man nach seinen Antecedentien in Afrika erwarten sollte. Nur um die Nasenwurzel verkündeten einige Falten den harten, festen und eigensinnigen Charakter. Der General trug eine mit Orden geschmückte Uniform, und darüber trotz der Hitze, einen weissen Mantel, ähnlich denen der arabischen Häuptlinge.

Die Umgebung des Generals zeigte zahlreich Namen, die sich bereits in der neuesten geschichte des französischen Waffenruhms in Afrika, Spanien, Griechenland und Italien mit Ruhm bedeckt hatten, obschon sie, gleich Pelissier, meist erst im Alter zwischen 40 und 50 Jahren standen, oder die durch ihren Heldentod vor den Wällen des Malakoff bei den spätern Stürmen des 18. Juni und 8. September sich einen Platz in den Büchern der geschichte erkauft haben, wie Mayran, Brünet, Rivet, der Generalstabschef des I. Armee-Corps, Saint Pol, Breton und Marolles. Der Ober-General unterhielt sich lebhaft mit dem General La Marmora, dessen Bruder, General Alessandro La Marmora, bereits an der Cholera erkrankt war, und seinem Liebling Rivet, der in der Nacht zum 14. April und 2. November die Logements vor der Redoute Schwarz genommen hatte.

"Guten Tag, meine Herren," sagte Pelissier. "Wir müssen Sie hier kurze Zeit stören, weil man von Ihrer Höhe eine Aussicht hat, die ich brauche. – Das Glas. Selim!"

Der arabische Leibdiener überreichte dem Feldherrn das Feldperspectiv.

"Kommen Sie her, Bosquet," fuhr der Kommandirende fort, "wir werden uns hier leichter verständigen. Wenn Sie Vergé mit seiner Brigade die linke Parallele bis zu den Steinbrüchen, auf der Flanke der Engländer, besetzen lassen, kann Wimpfen im DokowajaGrund sich aufstellen, von Brünet unterstützt. Ich hoffe jedoch, es wird der Reserven nicht bedürfen. Am besten ist's, Sie lassen den Mamelon gleich von drei Seiten her angreifen, so teilt sich das Feuer. Wenn Oberst Shirlei mit den Briten seine Schuldigkeit tut, wird er den Kirchhof zu dieser Zeit besetzt haben und die Kanonen des Malakoff zur Genüge beschäftigen."

General Bosquet verbeugte sich schweigend, – er und Pelissier waren keine besonderen Freunde und häufige Rivalen.

"Ich glaube, Camou wird hier ein leichteres Spiel haben, als Mayran und Dülac vor den Redouten," fuhr der General fort. "Dennoch wird die Wegnahme des Mamelon für uns von grösster Bedeutung sein. Der Teufel soll das Nest holen, dessen Bau man gar nicht so weit hätte gedeihen lassen sollen!"

"Ich danke Euer Excellenz für die Ehre, die Sie uns mit dem Befehl erzeigt haben," sagte General Camou.

"eigentlich wären freilich die Garden an der Reihe gewesen," meinte der Feldherr, "und Pontèves wird mir's gewaltig übelnehmen.