Klage, irgend einen Schritt zur Legitimation zu tun, hielt sich von ihr entfernt und verschwand endlich ganz. Erst vor einem monat erfuhr die zärtliche Gattin, bass er sich zur Orient-Armee hatte versetzen lassen und machte sich auf, ihm zu folgen. Vorgestern traf sie, in Begleitung des Feld-Almosenier Tenelli und der Obersten Brancion, von Constantinopel hier ein und überraschte gestern den ungetreuen Flüchtling, der sich Nichts weniger träumen liess, als diesen Besuch."
"Ich kann mir die Scene denken!"
"Vielleicht doch nicht, wie sie in Wirklichkeit war. Delorny wurde grob, so dass Brancion ihn fordern wollte, die zärtliche Frau aber brachte sich mit einem Dolch, den sie im Kleide verborgen trug, zwei Stiche in der Nähe des Herzens bei."
"Hol' der Teufel die Tollheit der Weiber!"
"Namentlich der alten, kapitän! Man hat ihr zwar glücklich die Waffe entrissen, ehe sie sich wirklich tödten konnte, was für Delorny wohl das Beste gewesen wäre, aber die geschichte hat das ganze Hauptquartier in Alarm gebracht und General Pelissier wütet noch ärger gegen allen Frauenbesuch, als bisher, und hat geschworen, dass, mit Ausnahme der Marketenderinnen, der Profoss Alles aus dem Lager spediren soll, was einen Unterrock trägt."
"Der General scheint demnach kein so galanter Verehrer des schönen Geschlechts, wie sein Vater," sagte lachend der deutsche Medecin-Major, der eben mit Méricourt und dem Engländer zum Tisch getreten war und Platz nahm.
"Ah, sieh' da, Doctor! Setzen Sie sich hierher. Was wissen Sie denn von dem Vater des Generals? – ich denke, die Familie ist ziemlich unbekannt."
"Der Zufall machte mich mit Umständen vertraut," erzählte der Arzt, "die vielleicht dem General selbst ganz fremd sind und er ahnt wahrscheinlich gar nicht einmal die Existenz einer Schwester."
"In Frankreich?"
"Nein – in meiner Heimat; Einige von Ihnen wissen wohl, dass ich aus Berlin bin."
"Und dort lebt eine Schwester des Generals?"
"Nicht in Berlin selbst – aber doch in der Nähe. Es ist eine sehr achtbare Dame, die Gattin einen angesehenen Kaufmanns, Namens Mertens in Mittenwalde, einem kleinen Städtchen unsern der Preussischen Hauptstadt. Ihre Mutter war eine Mademoiselle Dütertre in Berlin und hatte ein Verhältnis mit dem kapitän François Pelissier vom 18. Voltigeur-Regiment, der als Adjutant Dudinot's 1808 in Berlin sich aufhielt. Die Familie besitzt noch ein Portrait dieses kapitän Pelissier, des Vaters der Madame Mertens, in der Uniform seines Regiments, und einen Brief an seine Geliebte, in dem er seine Freude über die Geburt der Tochter ausspricht. Später hat jedoch weder Mutter noch Kind je wieder von ihm gehört."
"So würde dies eine ältere Schwester des Marschalls sein, denn so viel ich weiss, ist er erst 44 Jahr."
"Er gehört zur jüngern Schule der Afrikaner," bemerkte der Vicomte. "Pelissier, Bosquet, Changarnier, Lamoriciere, Mac-Mahon – sie sind Alle aus Bügeaud's Erziehung hervorgegangen. Er wurde frühzeitig nach Algier gesandt, weil er in Paris ein ziemlich wildes Leben führte und Schulden machte."
"Bah – wer täte das nicht! Man liebt, man trinkt, man spielt! Wozu wäre das Leben da?"
"Wissen Sie denn, dass Letour, der berüchtigtste Grec von Paris, sich in Kamiesch eingefunden hat?"
"Der Doctor?"
"Ja, ich sah ihn gestern – die Lagerpolizei wird ihm hoffentlich bei zeiten den Weg weisen."
"Warum nennt man ihn den Doctor?" fragte Welland, – "ist er ein Arzt?"
"Das nicht – er gab der Fakultät bloss eine kleine Lection. Sie müssen die geschichte in Paris vernommen haben."
"Ich bin nicht so glücklich."
"Nun, so hören Sie. Letour ist, wie gesagt, einer der gewandtesten Grecs und äusserst schlau der Polizei gegenüber. Er wusste, dass Herr Düport, eine der medicinischen Celebritäten von Paris, sehr reich und gleichzeitig ein leidenschaftlicher Spieler war, aber es gelang ihm weder den Doctor in ein Spielhaus zu lokken, noch sich in den Salons Zutritt zu verschaffen, die jener besuchte. Er mietete deshalb ein comfortables Logis, legte sich zu Bett und liess den Doctor Düport rufen. Dieser kommt, fühlt den Puls, verordnet einen Trank und verspricht Abends wiederzukommen. Dies erwartete man. In der Tal, als er eintrat, fand er im Zimmer des Kranken einen Tisch, an welchem mehrere Herren, wie sie sagten, um ihren Freund zu zerstreuen, spielten. Der Tisch war mit Gold bedeckt. – 'Es geht mir viel besser, Doctor,' sagte der vorgebliche Kranke und fügte nach einigen Worten über seinen Zustand bei: 'Sie haben eine glückliche Physiognomie, möchten Sie wohl die Güte haben, einige Partieen für mich zu machen?' – 'Gern,' erwiderte der Arzt. Der Grec gab ihm 10 Louisd'ors und der Doctor fing an zu spielen. Er war sehr glücklich, gewann 100 Louisd'ors, zählte sie dem Kranken hin und meinte, dass er öfter Lust gehabt, halbpart mit ihm zu machen. 'Aufgeschoben ist nicht aufgehoben,' meinte der Grieche. 'Wenn Sie morgen einige Augenblicke Zeit haben, so kommen Sie. Ich werde diese Herren einladen und