Beute. Ihrer Majestät 79. Regiment zum Beispiel stahl eine grosse Quantität Silberzeug aus einem der Häuser."
"Ich hörte, dass das berühmte Museum von Kertsch mit den Altertümern klassischer Vorzeit zerstört worden?" fragte kapitän S t a h l .
"Bis auf die letzte Scherbe! – Wilde hätten nicht ärger hausen können! Man begriff nicht, wie die Wut weniger Menschen in so kurzer Zeit eine solche Verheerung anrichten konnte. Ich fand den Fussboden des Museums fusshoch mit zerbrochenem Glas, Bruchstücken von Statuen, Vasen, Urnen, dem kostbaren Staub grosser Erinnerungen, den sie einschlossen, und halbverkohlten Stücken Holz und Knochen bedeckt. Kein Stückchen von Etwas, das sich zerbrechen oder verbrennen liess, war vom Hammer oder Feuer verschont geblieben. Die Schränke und Regale waren von den Mauern gerissen, das Glas in Atome zerschmettert, die Statuen in Stücke zerklopft; es war kaum möglich zu erraten, was sie früher gewesen waren. Eben so barbarisch hatte man an dem Grabmal des Mitidrates gehaust."
"Und Sie konnten Nichts dagegen tun?"
"Als ich hinkam – war bereits das Werk vollendet. Wenige Schildwachen vor alle diese Gebäude gestellt, hätten sie vor der jämmerlichen Zerstörung gerettet. Wie naiv unter solchen Scenen blutigen Schreckens es auch klingen mag – ich musste wenigstens meiner Entrüstung Worte geben und schrieb sie mit Bleistift auf den weissen Türflügel des Eingangs6."
"Das ist das los des Krieges," murrte kapitän M o n g i n . "Wozu uns um das alte Gerümpel ärgern, wir haben wichtigere Dinge in der Nähe. Sie haben also gleichfalls noch keine Ordre beim Zweiten, Blanchet?"
"Parbleu – nein! – ich glaube, man wird die Garden beschäftigen und uns in den Laufgräben lassen."
Der alte kapitän lächelte hämisch: "Unsere Jungen sollen ihnen einen empfindlichen Streich gespielt haben," flüsterte er – "es ist gut, dass Polkes seit heute Morgen fort ist."
Sein Nachbar nickte lächelnd. "Geht heute Jemand zu den Briten? Wann beginnt das Rennen?"
"Méricourt wollte hinüber. Ich wette, die Narren jagen den Hund mitten zwischen die Batterieen hinein. Man sollte ihnen die Spielereien verbieten."
"Lassen Sie ihnen immerhin das Vergnügen, Kommandant," bemerkte lachend der Chasseur-Offizier. "Ihre Prahlerei, besser zu reiten als wir, hat ihnen höchstens bei Balaclawa Vorteil gebracht, als die russischen Ulanen sie jagten."
"Haben Sie Mistress Duberly reiten sehen?" fragte ein Lieutenant.
"Ei, die Méricourt gestern besuchte und zu heute einlud? Der Teufel soll mich holen, eine hübsche Frau, aber doch nicht so interessant und noch lange keine so kühne Reiterin, wie die schöne Sardinierin. Wie heisst sie doch, Herr Kamerad?"
"Sie meinen die Gräfin Pisani," sagte höflich der Bersaglieri. "Es ist eine Ungarin und ich sah nie eine schönere und festere Hand ein Pferd regieren."
"Dabei sieht sie sehr blass und leidend aus. Es ist Torheit, eine Dame den Strapazen dieses Feldzugs auszusetzen."
"Der General, ihr Gemahl, soll sehr eifersüchtiger natur sein," berichtete der Sarde. "Er soll sie im vorigen Jahre während des Donau-Feldzuges geheiratet haben und ein famoses Vermögen mit ihr."
"Jedenfalls ist Ihr Oberst besser daran, wenn sie unfreiwillig gefolgt ist," sagte lachend Lieutenant Rouet, "als unser armer Delorny vom Genie, der nach Dépuis Tod hierher kam. Sie haben doch von der pikanten geschichte mit seiner Heirat gehört?"
"Nein! – Was ist's? – Erzählen Sie."
"Ei, der Charivari und mehrere andere Journale teilten schon vor einem halben Jahre den Prozess mit."
"Pah – wer findet in den Laufgräben den Charivari oder die Gazette des Tribüneaur? – Die Engländer sind in dieser Beziehung besser bedient."
"Ja – in dieser einzigen. Kannte Jemand von Ihnen Madame d'Alembert?"
"Bedenken Sie, Rouet, dass wir aus Afrika kommen!"
"Nun – man ist auf Urlaub in Paris. Ueberdies war Herr von Alembert ehemals ein wackerer Offizier und Madame die Tochter des Generals Valpré aus der Kaiserzeit. D'Alembert war gelähmt und brachte seine letzten Lebenslage im Spital zu Val de Grace zu, Madame aber wohnte bei der Gattin eines unserer Generale und lernte dort Delorny kennen. Die Dame war 40 Jahr, als ihr Gatte im März des vorigen Jahres starb und verliebte sich in den jungen kapitän, der sich die Sache anfangs gefallen liess, ohne jedoch von Heirat zu sprechen."
"Caramba! Da hatte er Recht!"
"Aber Madame d'Alembert sah die Sache nicht von dieser Seite an. Sie nahm im vorigen Sommer Opium – zwei Mal sogar – und wollte sterben! Der Arzt erklärte wenigstens, sie werde die Nacht nicht überleben, und Delorny fühlte ein menschliches Rühren in seinem Gewissen und liess sich mit ihr – wie man sagt – in extremis trauen."
"Und dann wurde die Dame plötzlich gesund? Cap de Bious – ich wittere den Braten."
"Richtig – nur nicht ganz so rasch. Delorny soll sich dann haben bewegen lassen, die Trauung in der Kirche St. Tomas zu wiederholen, doch heimlich, ohne Zeugen und Ausweis der Kirchenbücher. Madame behauptet zwar, die Ehe sei vollzogen trotz ihrer vierzig Jahre – Delorny weigerte sich jedoch, ungeachtet der gerichtlichen