, Handelsschiffe jeder Art und Grösse, von der leichten Küstenschebekke bis zum Fregatten-Dreimaster, der die Erde umkreist und ihre Produkte sammelt. Dampfer kommen und gehen, von Beirut und Alexandrien, von Malta und Aten, aus dem Bosporus her, – – das Meer ist belebt von den flatternden Wimpeln und Segeln und dem Schlag der Dampfmaschinen.
Auf der Höhe des Golfs lag eine österreichische Brigg vor Anker, der "H u s s a r ", und von der Gaffel wehte lustig im Morgenwinde der schwarze Doppeladler im gelben feld. Bollwerk und Wandtaue waren besetzt von dem Schiffsvolk, das zur Begrüssung des Lloyddampfers die Hüte schwenkte; auf dem Hauptdeck standen die Offiziere um eine gedrungene markige Gestalt, den Commandanten Major Schwarz. Kaum dass der Egytto in einiger Entfernung näher der Stadt Anker geworfen, so hörte man auch auf der Brigg den schrillen Ruf der Bootsmannspfeife ertönen und mit der den Kriegsschiffen eigenen Schnelligkeit hob sich ein Boot vom Schiffsrand und wurde bemannt, um zum Dampfer zu rudern. Roch ehe dasselbe jedoch anlangte, umschwärmten zahlreiche Uferbarken das Dampfschiff. Die erste derselben brachte den türkischen Sicherheitsbeamten an Bord, der die Papiere des Schiffes zu prüfen und seine Ueberkunft aus pestfreien Gegenden zu constatiren hat. Auf seine erlaubnis erst verschwindet die kleine gelbe Flagge vom Mast und das Schiff tritt in den freien Verkehr.
Während der Beamte noch mit den Papieren beschäftigt war, und sein Khawass in der malerischen weissen Tracht, den Leibbund mit einem Arsenal von Waffen gespickt, im Boote Wache hielt, dass kein Unberufener die Schiffstreppe besteigen möge, drängten sich die Boote, teils zur Aufnahme der Fremden, teils zum Handel bestimmt, um den Bord, und vielfache Nachfragen und Unterhaltungen in allen Sprachen des Südens wechselten hinauf und hinab. Welland sass auf dem rand des Bugspriets und seine Blicke schauten mit Neugier auf das malerische Getümmel, in seiner Hand wehte zufällig oder absichtlich ein Taschentuch von hellgrüner Seide. Nach wenigen Augenblicken bemerkte Caraiskakis, der wieder neben dem Freunde stand, dass in einem der um das Schiff kreuzenden Boote zwei Männer scharf auf den Deutschen blickten, und der eine von ihnen nach wenigen eifrig gewechselten Worten ein eben solches Tuch aus der tasche zog und wehen liess. Welland erblickte es und machte mit der Hand ein Zeichen, das rasch erwiedert wurde, worauf der Nachen mit den Fremden sich an das Schiff drängte und dabei heftig mit dem Boot der Brigg zusammenstiess, das eben heranfuhr. In diesem Augenblick wandte sich Welland zufällig um und bemerkte, dass die Augen zweier Männer sein Tun scharf beobachteten. Der Eine war der Grieche, der Andere ein Passagier, der schon von Triest aus die Fahrt mitgemacht und mit auffallender Freundlichkeit sich an den Doctor zu drängen versucht hatte. Diesem aber gefiel des Mannes Wesen nicht, auch machte ihn ein zufällig hingeworfenes Wort des Capitains aufmerksam und hatte ihn gewarnt. So hatte er sein Benehmen auf den äusserlichen höflichen Verkehr beschränkt und namentlich den fragen auszuweichen verstanden, die der Fremde, seiner Aussprache nach ein Wiener, obschon er sich für einen Ungar ausgab, nach Zweck und Ziel seiner Reise geschickt einzuflechten verstand. Eine leichte Röte überflog Welland's Gesicht, als er sich so beobachtet und ertappt sah, doch wurde seine Aufmerksamkeit alsbald durch einen Streit abgezogen, der sich unten zwischen den beiden Booten erhoben hatte. In dem des Kriegsschiffs sass ein junger schlanker Schiffsoffizier in der österreichischen MidshipmanUniform, und gebot heftig den beiden Ruderern des andern Bootes, an der Treppe Raum zu geben. Einer der beiden Insitzenden jedoch lachte höhnisch zu dem herrischen Befehl und hiess in italienischer Sprache, die in den Küstenländern des Orients, selbst bis an die Ufer der Donau hinauf überall gesprochen und verstanden wird, seine Fährleute ihren Platz behaupten.
Der junge Offizier, an Gehorsam gewöhnt und über den Widerstand der Kahnführer erzürnt, erhob sich und ergriff eine neben ihm liegende Speiche, dieselbe zum Schlag halb gegen die feigen griechischen Ruderer, halb gegen den trotzigen Passagier erhebend. Wie ein Blitz flammte das Auge des Bedrohten auf den Oesterreicher und seine Hand fuhr nach der Brusttasche, aber der Zweite, Besonnenere, derselbe, welcher das Tuch gezeigt, riss ihn zurück und gab den Ruderern ein Zeichen, zu weichen. "Bist Du rasend, Jumagalli?" herrschte er dem gefährten zu, "Dein Tollkopf wird uns noch verderben." – Der Offizier bestieg mit dem ziemlich hörbaren Ausdruck "Gesindel!" die Schiffstreppe, ohne sich weiter um die Zurückgewiesenen zu kümmern, denn eben war das Zeichen gegeben worden, dass die Revision beendet und das Schiff in freien Verkehr gesetzt worden und er hörte nicht das. "Cospetto, Bursche, wir treffen uns wieder!" das der Italiener hinter ihm her fluchte. Der Andrang der Kähne von allen Seiten überflutete jetzt die kleine Zwischenscene und bald war das Verdeck förmlich im Sturm genommen von all den Bootführern, Verkäufern und Agenten, die das Schiff umringt hatten. Während der junge Offizier von dem Schreiber des schiffes ein Packet mit Briefen in Empfang nahm und von dem Wiener angesprochen wurde, hatten die beiden Männer mit den scharfgeschnittenen südlichen Physiognomieen, die in dem Kahne mit Welland die Zeichen gewechselt, sich diesem genaht und verkehrten an einer weniger beengten Stelle des obern Verdecks lebhaft mit ihm. Bald schienen die drei sich verständigt zu haben; denn die Fremden winkten ihre; Kahnführer an Bord und diese brachten das wenige Gepäck des Deutschen in ihr Boot.
Ein Jeder hatte genug zu tun, sich in dem Gedräng um seine Habe zu