Sippschaft zum Teufel. Aber Vitrolles, sein alter Ordonnanz-Zephyr, hat mir gesagt, dass der Barometer auf Sturm steht. Der Bursche kennt seine Mienen."
"Dann Gnade Gott den Engländern, er bratet sie bei lebendigem leib, wie die Araber-Familien in der Höhle von Djebel Debbag."
"Brrr!" machte der zweite Voltigeur; "die geschichte ist zu abscheulich, als dass sie wahr sein könnte."
Der alte Zuaven-Sergeant sah ihn grimmig an. – "Halt's Maul, Rekrut, nicht raisonnirt, was verstehst Du davon! Ich sage Dir, ich, Sergeant-Major Fabrice Tonton, es ist so wahr, wie ich dieses Glas hier trinke. Ich war dabei, und ein abscheulicher Gestank war's, als die siebenhundert Männer, Weiber und Kinder so in dem Rauch erstickten von dem Holz, das man vor der Höhle aufgehäuft."
"Wie, Du halfst bei der schändlichen Tat?" fragte unwillig der junge Bourdon.
"Wir Zuaven nicht, François," sagte ernst der Sergeant, "wir sind zwar wilde Teufel und fragen leider wenig genug nach Gott und den Heiligen, aber gegen Weiber und Kinder und unbewaffnete Männer möchten wir doch nicht die Hand erheben. Es war bei der gelegenheit, als er dem Kommandanten Vergier, der damals Unter-Lieutenant war, befahl, seine Soldaten Holz herbeitragen zu lassen, und dieser statt der Antwort seinen Säbel abgab und sich zum Arrest meldete. Der General war ausser sich und schimpfte wie eine Dame der Halle von Feiglingen und Memmen mit Weiberherzen, die nicht verdienten, Krieger zu heissen, da – –"
"Nun, Fabrice – weiter?"
"Da sah ich mit diesen meinen Augen den Lieutenant auf ihn zuspringen, ihn an den Schultern fassen und schütteln, wie man einen Schulbuben schüttelt, indem er ihm zuschrie, er möge erst Höflichkeit lernen, wenn er französischen Offizieren befehlen wolle."
"Der Unglückliche! – und der General?"
"Bah! er machte sich los und sagte: 'Ist das ein Vieh, – aber ich brauche viele solche Kerle!' – zum Lieutenant aber sprach er: 'Monsieur, ich nehme Sie in meinen Stab; wir wollen sehen, ob Sie Andere auch so schütteln werden.' – Der Lieutenant kommandirt seit zwei Jahren sein Bataillon bei den zweiten Zuaven und die Teufel, die Zephyrs, erhielten den Befehl, die Höhle auszuräuchern, und befolgten ihn. Wir aber standen dabei, das Gewehr im Arm und – – – zum Henker mit der garstigen Erinnerung!"
Er wischte sich den Schweiss von der Stirn und pfiff den Zuaven-Marsch vor sich hin.
"Madame Celeste," warf einer der Kameraden hin, "scheint heute verteufelt unruhig, ihre Augen rollen wie zwei feurige Kohlen und sie scheint zu suchen, was sie nicht findet. – He, Jean," rief er dem in die Nähe kommenden Schwachsinnigen zu, "bring' mir ein frisches Glas, mein Bursche – Absint, ächtes Schweizer Gewächs."
Der junge Mensch nahm gehorsam das Glas, indem er ihn mit den leeren irren Blicken anstarrte. – "elf Uhr – der Zug –"
"Weiss schon, mein Bursche, kenne das Lied. Mach' fort und bring' mir den Absint und frag' in der Küche nach, ob sie den Trutahn nun bald gebraten haben, den ich heute Morgen eingeliefert."
Corporal Bourdon war trotz aller Mühe, die er sich gab, ruhig zu sein, das Blut auf die Stirn gestiegen und er sah finster nach der leichtsinnigen Jugendgeliebten hin. In dem Augenblick wurde der Vorhang der nahe gelegenen Bühne etwas bei Seite geschoben und ein merkwürdig ausstaffirter Bursche schaute heraus und suchend umher.
Es war ein bärtiger Zuave mit schielendem blick, den Kopf in eine abscheuliche zerknitterte Weiberhaube gesteckt und um Kinn und Ohren ein Tuch gebunden, um den roten Bart darunter zu verstecken, den er sich nicht hatte entschliessen können, der Kunst zum Opfer zu bringen. Den untern teil des Körpers hatte er in einen langen Weiberrock gehüllt, dessen aufgenommene Falten er einstweilen um den linken Arm geschlagen trug.
"Pst! – François – François Bourdon!"
Der junge Corporal trat hinzu. – "Was gibt's, Bernaudin?"
"Sind sie da?"
"Wer?"
"Maudit! Wen kann ich anders meinen, die Garden?"
"Nein – kein Einziger!"
"Das ist schön – que le diable les importe! sie mögen bleiben, wo sie sind; schade nur, dass sie unsere schöne Vorstellung nicht sehen können. Die hochnäsigen Narren hätten sich geärgert zum Schwarzwerden – ich bin göttlich als Fürstin Mulaschpulaschkin! wir haben so eben meine grosse Scene probirt."
Ein schallendes Gelächter der Nächstsitzenden unterbrach die bärtige Actrice, deren Erscheinung man eben erst bemerkt. Der Kopf verschwand eilig hinter dem Vorhang und nur Mund und Nase waren noch zu sehen. – "Was habt Ihr zu lachen, Ihr Narren? habt Ihr noch keine russische Dame im Negligée gesehen? Fichtre! Erobert Sebastopol, dann könnt Ihr sie im allerdurchsichtigsten haben aus erster Hand, wie unsere Kameraden die Bulls in Kertsch. Ihr tätet gescheidter, wenn Einer lieber den Saufaus Lebrigaud suchte, der sich noch immer umhertreibt, indess sein Popencostüm längst bereit liegt. Ich wette drei Flaschen Wein gegen einen gestohlenen Schinken, das Publikum wird abgespeist und