, die mehr als Einer mit neidischem Auge sah und für die mancher Tapfere willig zum Sturm auf eine russische Redoute marschirt wäre.
Nur ein Mal, als Nini am Comptoir Celesten's stehen blieb, mit dieser einige Worte wechselte und der tote blick des Burschen von François auf die Gruppe der beiden Frauen schweifte, überzog ein flüchtiger Blitz von Gedanken das hagere junge Gesicht; er rieb die Stirn mit der Hand und starrte wie emsig eine Erinnerung suchend in's Leere. Wenige Augenblicke darauf schien jedoch die erregte Gedankenfolge wieder unterbrochen und er verrichtete teilnahmlos nach wie vor die Geschäfte der Bedienung, wobei er manchmal auf einige Zeit in einen der hintern Räume der Cantine verschwand.
Die Gruppe an dem Tisch, an dem François sass, bestand aus dem Sergeant-Major, der mit dem jungen Kameraden an der Alma und bei Inkerman die Wagnisse ausgeführt, den Aermel seiner Jacke mit Galons bedeckt und Mamsell Minette, die erste Kletterin des Bataillons, neben sich, – aus einigen andern Soldaten der Compagnie, zwei Voltigeurs vom 20. Regiment und einem algierischen Scharfschützen. Die Unterhaltung war äusserst lebhaft und drehte sich teils um die Tagesereignisse des Feldes, teils um die inneren Angelegenheiten von Küche und Teater.
"Passt auf, Kinder," sagte der Sergeant-Major, "es gibt morgen einen Tanz, wenn auch die Generäle noch geheim tun und die Köpfe zusammenstecken. Man hat nicht umsonst seit drei Tagen Kugeln gefahren und die armen Kerle, die Türken, wie Maultiere in den Magazinen arbeiten lassen. Da, Bursche," fuhr er fort, indem er einem langsam vorüberschreitenden Araber das Glas hinreichte, "trink' einmal, es ist ächter Wermut, von Deinen eigenen Bergen gepflückt, die doch Nichts weiter hervorbringen, als das bittere Kraut und das Gewürm, die Kabylen."
Der Angeredete war ein junger, schöner Araber, offenbar einer der Führer, und wer ihm näher in's stolze, finstre Auge geschaut, hätte in ihm unmöglich Abdallah ben Zarugah, den Emir der tapfern Reiter der Hedja's, verkannt. Er hüllte sich, mit verächtlicher Geberde den Trank zurückweisend, in seine weiten, weissen Gewänder und schritt weiter, dem Eingang der Cantine zu.
"Peste! Verschmäht der Schuft von einem Koranfresser, mit einem Feldwebel der dritten Zuaven zu trinken? Ich will ihn –" er griff nach seiner Katze, um das Tierchen verächtlich auf den Mahomedauer zu schleudern, doch François hielt ihm den Arm fest.
"Ruhe, Papa Fabrice! es ist der Aga, der den Griechen-Offizier im vorigen monat verwundet und gefangen, und der alle Tage kommt, um nach ihm zu schauen. Lass ihn gehen – Du weisst, dass der Kommandant jede Beleidigung ahnden würde."
"Maudit soit le butoir! ich will wegen eines Spitzbuben von Beduinen nicht im Loch stecken, wenn vielleicht ein Gefecht vor der Tür steht. Komm' her, Minette, sei ruhig, mein Tierchen, und beisse Dich nicht mit dem gelben Burschen da, die Messieurs Beafsteaks werden Dir Revange geben und heute seine Kameraden hetzen."
Minette, die Katze, war nämlich mit dem berühmten Hund des 20. Linien-Regiments, der stets vor der Tête hermarschirte und den die Voltigeurs auf das Apportiren der Kugeln, ja selbst von Bombenzündern abgerichtet hatten, in argen Streit geraten, und rasch, mit der leichtsinnigen Teilnahme des französischen Charakters für alle Intermezzo's, bildete sich ein Kreis um die beiden Gegner. Ein Fusstritt des Voltigeurs jedoch, welcher den Hund mitgebracht, stellte den Frieden wieder her. – "Sandioux2!" wetterte der Gascogner, "will sich das Vieh mit einander zanken, während die Russen dazu vom lieben Herrgott ganz express erschaffen sind! – Nichts da – hierher, Groscanon – Kusch!" und er steckte ihn zwischen seine Beine, während der Zuave die Katze vor sich hinlegte und mit ihr spielte.
"Wem mag es gelten?" fragte der Scharfschütze, kokett seine gelbe Weste ordnend und den Dampf aus der Cigarre in blauen Ringeln von sich blasend.
"Sacristi! wem anders, als dieser verfluchten Lünette! Sie liegt unserm Dicken im Kopf und wurmt ihn schon lange. Es wird Blut kosten. Wann soll der Spektakel losgehen?"
"Die Kanoniere sprechen von diesem Nachmittag."
"Ah, Mordioux! deshalb gibt man uns die Teater-Vorstellung zum Kaffee nach Tisch. Ich hörte davon, dass die Schanze des kleinen Fossoyeur3 in Stand gesetzt worden und die schwarzen Batterieen. Es ist nebel von dem Kleinen, dass er keinen Anstand nimmt, unter dem Dicken zu dienen."
"Parbleu! kann er sich etwas Besseres wünschen? Einen General, wie unsern Afrikaner, bekommt er nicht alle Tage wieder."
"Bei all' dem ist's hübsch. Es hat Jeder seine Art und jedenfalls war die seine immer noch besser, als die Trägheit des 'Wettermännchens'4, das Nichts tut, als den ganzen Tag Schach spielen und Zeitungen lesen. Er soll nicht ein einziges Mal die Lazarete besucht haben, und das tat selbst der verstorbene Marschall in Varna."
"Wisst Ihr, dass der Ober-General heute hinüber geritten ist zu den Engländern?"
"Bah! er wird sehen wollen, wie weit sie mit den Laufgräben am Redan sind."
Der Voltigeur schüttelte schlau mit dem Kopf. – "Das kümmert den General wenig, er wünscht die ganze