Zuaven des ersten und dritten Regiments die Ehre haben würden, nach dem Diner aufzuführen das berühmte und beliebte Vaudeville: "Le retour de Crimée" mit nachfolgenden kosackischen und spanischen Nationaltänzen. Alles gegen beliebiges Entree zum Besten der Verwundeten in den constantinopolitanischen Lazareten.
Ein Halbkreis von roh gezimmerten Tischen und Bänken umgab den Eingang der Cantine und das weislich daneben gebaute Teater, so das Auditorium der höheren Ränge bildend, während für die untern Grade des sehr gemischten Publikums eine Reihe den Erdgräben vor dem Teater gezogen waren, in denen die Zuschauer nach Lust und Belieben in hundert verschiedenen Stellungen auf den Querdämmen sassen und lagerten, gleich im Parquet eines Teatersaal. In der Zeit, wo die dramatischen Talente der Zuaven noch nicht beschäftigt waren, dienten Tische und Bänke, wie gegenwärtig, zum gewöhnlichen Versammlungsort und nicht selten waren selbst kommandirende Generäle die Gäste der hübschen Nini.
Eine bunte Menge füllte jetzt jeden Platz innerhalb und ausserhalb der Baracken, vorherrschend freilich die Zuaven mit dem kecken, selbstbewussten Aplomb, der unvergleichlichen Negligence ihrer Haltung, den Fess auf einem Ohr, die hände in den Taschen, teils umherschlendernd, teils in Gruppen trinkend, spielend, fluchend, prahlend, lockend oder auf hunderterlei Weise beschäftigt. Dazwischen alle Uniformen der französischen Armee und Flotte, die algierischen Scharfschützen, die Mariniers, die kecken kleinen, prahlerischen Voltigeurs, die Husaren und Dragoner von d'Allonville's Division, welche zwischen dem Sapunberg und Balaclawa lagerte, einzelne schwere Kürassiere, Matrosen, Schiffsoffiziere und Artilleristen; daneben neugierig und demütig, von den Franzosen verlacht und bewirtet, einige Türken oder in ihre Burnusse und Kopftücher trotz der Hitze gehüllte Araber – bekannte Erscheinungen für diese tapfern, in der Sonne Afrika's gebräunten Truppen. Ein schwer betrunkener englischer Matrose, der auf dem irgend wo zu einem Spazierritt während seines Ruhetags ohne Willen des Eigentümers entlehnten Maultier hin und her schwankte, wie eine Fregatte im Sturm, und sorgsam von zwei Soldaten im Sattel gehalten wurde, während ein Dritter den Zügel führte und in dem Jargon, das sich zwischen beiden Armeen gebildet, dem Bruder Teerjack von den Freuden erzählte, die ihn bei der Teatervorstellung erwarteten, gegen die jede Aufführung in Drurylane oder Coventgarden Schund sei; um den Stamm eines verkrüppelten Feigenbaumes versammelt eine Gruppe von Offizieren, die dort angeheftete englische Ankündigung eines grossen Wett- und Jagdrennens studirend; eine grosse Zahl von Gesindel, wie sie jedes Lager mit sich bringt, Handelsleute, Tataren, Hausirer aller Art: – das Alles lagerte und bewegte sich in bunten Gruppen umher.
Durch den offenen Eingang zur grossen gleichfalls mit Tischen besetzten vordern Abteilung der Cantine sah man die Demoiselle de Comptoir in ihrem kleinen mit vieler Zierlichkeit arrangirten Bureau; aber die schlanke, junonische Gestalt, das Cendré des Haares, das mattgefärbte schöne Gesicht mit dem Auge voll Genusssucht und Eitelkeit gehörte nicht der Herrin der Cantine selbst, der zierlichen, gewandten Nini an, sondern C e l e s t e n , der ehemalien Lorette, der Bojarenfrau, der Maitresse des Russen Wassilkowitsch! Das Schicksal hatte eigentümlich mit den beiden Freundinnen gespielt, seit wir ihnen an jenem verhängnissvollen Märzabend in der rue de St. Josef begegnet sind.
N i n i selbst war in den zwei Jahren eine Andere geworden. Ihre noch immer zierliche Gestalt schien doch kräftiger und bedeutender, das kindlich frohe Wesen hatte sich mit einer festern Haltung gepaart, das Leben mit seinen Sorgen hatte offenbar ihre Erziehung geleitet und ohne der Naivetät ihres Characters zu schaden, doch eine grössere Sicherheit im Handeln und Auftreten herbeigeführt. Beweglich gleich einem hüpfenden Vögelchen war sie bald hier, bald dort, die zahlreichen Gäste bedienen helfend, oder mit All' und Jedem plaudernd und ein Scherzwort oder eine flüchtige Erzählung wechselnd – bald wieder in der Küche der Restauration, wo eine ältere Marketenderin, deren sich mehrere des Regiments dem jungen Mädchen willig angeschlossen und untergeordnet hatten, die Aufsicht führte. Zwei Zuaven verwerteten hier die Früchte ihrer culinarischen Jugenderziehung, der sie entlaufen, zum Besten des Allgemeinen, indem sie von den Erträgen des merkwürdigen, freilich äusserst nahe an Spitzbüberei gränzenden Fouragirtalents und den eigenen Vorräten der Cantine eine Speisekarte à la Véfour zurichteten. Die kokette Marketendertracht in den Farben des Regiments, blau, rot und grün, stand dem Mädchen allerliebst, wie sie so zierlich zwischen den Tischen umher eilte und dabei doch Zeit behielt, ihre liebevolle Aufmerksamkeit zwei Personen besonders zu widmen, zwischen denen sich ihr Herz zu teilen schien.
Die Eine war ein kräftiger, kühn ausschauender Corporal von etwa fünfundzwanzig Jahren, das männlich freie und hübsche Gesicht von langem, dunklem Bart umschattet, auf der Brust die Medaille, der mit mehreren Kameraden an einem Tisch ausserhalb der Cantine sass und häufig, wenn er sich unbemerkt glaubte, einen finstern, halb spöttischen blick nach dem improvisirten Comptoir und seiner schönen Inhaberin warf, die von einem Schwarm jüngerer und älterer Offiziere umgeben war, mit denen sie sich nachlässig unterhielt. Es war François Bourdon, der Bruder der kleinen Marketenderin.
Die zweite person, welche die besondere Fürsorge Nini's genoss, war der bleiche, geistesschwache Bursche, dessen merkwürdige Aehnlichkeit mit dem jungen russischen Fürsten schon so vielen Personen aufgefallen war. Still und teilnahmlos schlich er zwischen den Gästen umher, von denen die meisten mit ihm bekannt schienen, und verrichtete eben so Alles, was ihm geheissen ward. Sein leerer blick belebte sich nicht einmal, wenn Nini ihm einige freundliche Worte sagte, oder ihm aufmunternd die hohle Wange klopfte, eine Liebkosung