's Lager übermacht wurde und die ich – jener Frau bestimmt habe, welche – ich im November aus Ihrem Schloss Aju davon führte. Madame Celeste wird sich trösten in deren Besitz! Haben Sie die Güte, durch Ihren Bruder mit dem nächsten Parlamentair diese Schrift und die begleitenden Zeilen an den Vicomte von Méricourt in's französische Lager zu senden, ich habe ihn zum Vollstrecker meines Willens ernannt und weiss, dass er ihn erfüllen wird. Und jetzt bitte ich Sie – lassen Sie die Ceremonie beginnen, ehe es zu spät wird."
Der Priester trat mit dem heiligen Buch vor den Altar, während Annuschka weinend an der Seite des Bettes knieete. Die Fürstin und der Corporal bildeten die Zeugen der traurigen Ceremonie, während die schwarzen Geschwister mit den Kindern ehrerbietig zurückstehend ihr beiwohnten. Leise und feierlich klangen die Worte der Weihe durch das Gemach, mir von dem Rollen des Donners unterbrochen, der von den Wällen der bedrängten Stadt dem Feuer des Feindes antwortete. Als der Priester die Ceremonie des griechischen Ritus geendet und die beiden Ringe, welche die Fürstin ihm reichte, dem Paar angesteckt, erhob er seine stimme im Gebet zu dem Allmächtigen, seinen Beistand zu erflehen für die letzte schwere Stunde des Mannes, der so eben jene feierte, die sonst des Lebens süsseste ist. Alle umher lagen auf den Knieen, selbst der Mohr mit seinem fatalistischen Glauben vom Sterben fühlte die heilige Bedeutung und wandte sein Haupt gegen Mekka, und er, den das Gebet am meisten berührte, er selbst, der dem tod Geweihte, fühlte das Gebet mit, dessen Worte er nicht verstand.
Er war der Erste, der wieder das Wort nahm und die Fürstin und den Popen ersuchte, zur Stelle das Dokument über die vollzogene Trauung auszufertigen, das Iwanowna versprach, von dem Gouverneur, General von Osten-Sacken, selbst verifiziren zu lassen. Dann bat er, ihn der Pflege seiner nunmehrigen Gattin für eine Stunde allein zu überlassen. –
Der ehrwürdige Geistliche des "Wladimir" schied, von der Fürstin bis zur Tür begleitet, um an dem Schmerzenslager seiner tapfern Landsleute die heiligen Pflichten des Trösters zu üben, indem er versprach, am Abend nochmals zurückzukehren, und empfahl das Kind ihrem Schutz.
Er sollte es nicht wiedersehen! In der Nähe der Wladimir-Katedrale, als er das Marine-Lazaret verlassen und die brücke über den Kriegshafen passirt hatte, traf ein Stein sein Haupt, den eine fallende Bombe von dem Gewölbe des Doms schmetterte. Soldaten trugen ihn an die Stufen des Altars, wo er den Geist aufgab.
Für selben Zeit eilten die Fürstin Oczakoff und ihre
Fussnoten
1 Am 12. Mai. 2 Seite 378 des zweiten Bandes hat sich ein Schreibfehler eingeschlichen, es muss dieser Name stehen statt "Yella".
D.V.
III. Dai Bosche1!
Wir haben bereits angeführt, dass mit dem Wechsel des Oberkommando's der französischen Armee auch eine andere Stellung der Truppen eingetreten war und die Franzosen ihre Hauptstärke jetzt wider die linke Flanke der Festung, gegen die Schiffervorstadt und die dieselbe verteidigenden ältern und neuern Werke richteten. Hier stand das Corps Bosquet mit den Divisionen Canrobert, Camou, Mayran, Dülac und Brünet, noch immer die Verschanzungen auf dem Sapunberg, als den Hauptalt seiner Stellung, bewahrend. Auf dem rechten Flügel, an die Tschernaja lehnend, befand sich jetzt die sardinische Division Durando mit einem englischen Husaren- und Ulanen-Regiment. Den Zwischenraum nahmen drei türkische Divisionen Omer-Pascha's ein.
Am Abhang des Sapunberges, wo derselbe sich gegen den Dokowoga und Kilengrund senkt, stand das Lager des ersten und dritten Zuaven-Regiments. Mitten zwischen den Zelten und Baracken, mit den seltsamsten Ausstasfirungen, erhob sich auf einem freien Vorsprung eine grosse und mit besonderer Sorgfalt erbaute Cantine, die offenbar mehrere geräumige Abteilungen hatte, und um welche schon während des ganzen Vormittags ein überaus reger Verkehr geherrscht hatte. Es war die Marketenderbude des ersten Bataillons des dritten Zuaven-Regiments, die Cantine Nini Bourdon's, durch die Unterstützung des Vicomte auf das Stattlichste hergerichtet und der Hauptsammelplatz der ganzen umlagernden Truppen.
Ein buntes Bild und Leben entfaltete sich vor und in dem halb aus Linnen und Segeltuch, halb aus festem Holzwerk gebildeten Bauwerk. Das Genie der in allen Sätteln gerechten und in allen Künsten erfahrenen, berühmten und berüchtigten Soldaten Algerien's hatte sich offenbar auf's Höchste abgemüht, hier etwas ganz Ausserordentliches zu leisten. über dem breiten, mit einer seht zurückgeschlagenen Leinwandgardine decorirten Eingang der Cantine wehte die Fahne des Regiments, denn Oberst Maurelhan-Polkes hatte in einer angebauten Baracke sein Quartier genommen. Trophäen von russischen Waffen, von den Schlachtfeldern erbeutet, alte Fessbinden der Zuaven und ein grosser ausgestopfter Adler, den ein geschickter Schütze aus den Lüften geholt, schmückten ausserdem das Portal, dessen gloriose Schönheit bei alledem in Gefahr war, in Schatten gestellt zu werden durch einen höchst seltsamen Nebenbau. Es war dies ein etwa funfzehn Schritt breites und einige Fuss über dem Erdboden erhöhtes Gerüst, vorn einen viereckigen, von Laubwerk, bemalten Brettern und alten Tapeten und Teppichen gebildeten Rahmen zeigend, der durch eine Art Vorhang geschlossen war. An einer hohen mit verschiedenen Flaggen gezierten Stange schwebte darüber her ein grosses Plakat mit der Inschrift: "Téâtre national des Zouaves de Sa Majesté l'empereur Napoléon III. et du Général Bosquet." Ein geschriebener Zettel, am Vorhang angeheftet, verkündete, dass mit Höchster Genehmigung seiner Excellenz des Generalissimus die