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der Polizei" – er zeigte auf ein Papier – "ergeben bereits, dass der Mörder ein Italiener, ein ehemaliger Genosse Garribaldi's, aber vor acht Tagen aus England gekommen ist."

"Ich widerspreche dem nichtich jedoch, Sirekomme direkt aus R u ss l a n d ! "

Der Kaiser fuhr empor. – "Aus Russland, sagen Sie? – das ist seltsam! – wäre es möglich – – –?"

"Sirees wird Ihnen beweisen, dass Sie mit einigen Präsumtionen Unrecht haben. Von wem Pianori ausgeschickt ist, mögen Ihre Gerichte ermittelnwenn sie es im stand sind. Ich aber kann Ihren Auftrag an die Häupter der freien Verbindungen nicht ausführen. – Ich lege den Schutz, den mir Ihr eigenhändiger Befehl gewährt, in Ihre hände zurück, – Sie werden mich auch nicht wiedersehen; denn, Sire, es gibt noch einen andern wichtigeren Grund, weshalb – –" er legte das Papier, das Graf Walewski ihm übergeben, auf den Tischplötzlich fuhr er zurückder entschlossene finstere Ausdruck des narbigen Gesichts verschwand in einer unendlichen Angst – –

Der Kaiser hatte sich halb erhoben und die Linke an die Feder der Glocke gelegt, während die rechte Hand einen Gegenstand zwischen den Kissen der Causeuse erfasste. – "Was beabsichtigen Sie, mein Herr? – hüten Sie sich!"

"Halten Sie ein, Sireum Gotteswillenverzeihen Sie diese Indiscretion, aberich sehe hier einen Namenich beschwöre Sie, wie kommt der Name dieses Knaben in Ihr Cabinet?" – Er hatte ein Papier, auf das neben der Stelle, an welche er jenes Blatt niedergelegt, zufällig sein Auge gefallen war, aufgerafft und hielt es zitternd dem Kaiser hingrosse Schweisstropfen brachen aus seiner Stirn.

"Es ist die letzte Liste der russischen Offiziere," sagte dieser kalt, "die in den nächtlichen Gefechten seit Wiederbeginn des Bombardements vor Ssewastopol zu Gefangenen gemacht wurden. Interessirt es Sie, so lesen Sie immerhin."

"Sire" – der Greis taumelte nach der Lehne eines Sessels und stützte sich darauf, noch immer das Papier fest in der Hand – "erlauben Sieaber ich bin ein alter Mann, und was mir eben begegnet, hat mich überwältigt."

Er unterlag sichtbar der höchsten Ausregung. Der Kaiser war freundlich näher getreten und nötigte ihn zum Sitzen. – "Nehmen Sie Platz, Herr Graf! Vielleicht haben Sie auf der Liste einen Ihnen bekannten Namen gefunden?"

"Es ist der Name meines Enkels Michael LasaroffFähnrich! – SireSie sagten vorhin mit Recht, Gott bewahre das Leben Derer, die er auf einen Tron gesetzt! Der Name dieses Knaben hat Ihr Leben gerettetdenn in diesem Augenblick schon hätte Frankreich keinen Herrn mehr gehabt!"

Der so seltsam bedrohte Monarch konnte allerdings ein Gefühl des Schauders und Widerwillens nicht unterdrücken, doch gewann er sogleich die Fassung wieder und entgegnete: "Sie fiebern, Herr Grafund schreiben sich eine Absicht zu, an die ich zu Ihrer eigenen Ehre nicht glauben kann."

"Nein, Sire," sagte mit festem Tone der alte Propagandist, "was ich sage, ist Wahrheit; nicht die Beschlüsse der republikanischen Gesellschaften allein drohten Ihnen den TodIhr Leben war einem entschlossenen mann notwendig, um das Teuerste zu retten, was er besitzt. Ihr Tod hätte die Belagerung von Ssewastopol beendet, auf dessen Wällen mein Enkel als Verteidiger stand. Gott hat es anders gewollt; – als Gefangener der Franzosen ist sein Leben gesichertmachen Sie also mit mir, was Sie wollen."

Der Kaiser ging einige Male in dem Cabinet auf und ab und schien einen Entschluss zu überlegen. Dann blieb er vor dem Polen stehen und sagte: "Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass mein Wort giltig bleibt. Wollen Sie jetzt meinen Auftrag an die Führer Ihrer Verbindungen ausrichten? – ich biete Ihnen Leben für Leben."

"Wenn ich Euer Majestät recht verstehe," sprach erschüttert der Greis, "so bin ich überwunden. Gott hat zu mir gesprochen! Ich stehe Ihrer Verfügung, wie ich einst der Soldat Ihres grossen Onkels war. Sie werden Nichts von mir fordern, was nur ein Ripiéra leisten konnte."

"Ich bin damit einverstanden und freue mich dieses Resultats. Der Auftrag, den ich Ihnen gegeben, muss von Ihnen persönlich ausgeführt werden, ich verlange nicht zu wissen, w o und w i e , aber die Sache selbst ist für mich zu wichtig. Sobald dies geschehen, mögen Sie nach der Krimm abreisen, ich brauche eine person für die Ausrichtung von Aufträgen dort, die ich keinem Offizier meiner Armee anvertrauen will. Eine offene Ordre wird Sie ermächtigen, über die weitere Gefangenschaft und das Schicksal Ihres Enkels selbst zu verfügen."

"Sire, zählen Sie auf mich! – eine Festung für ihn, bis dieser Krieg zu Ende ist!"

"Arrangiren Sie das, ganz wie Sie wollen, Herr Graf. – Gehen Sie jetzt, denn ich bedarf der Ruheich behalte ein Pfand, dass ich Sie bald wiedersehe. Wenn Sie eine geheime Audienz wünschen, so wenden Sie sich an meinen Kammerdiener Andrée."

Er gab das Zeichen und der Minister, der mit Besorgniss es längst erwartet, öffnete sogleich die Tür.

II. Hochzeit!

Am 19. Mai hatte General P e l i s s