. Mit einer leichten Handbewegung nach einem danebenstehenden Lehnsessel einladend, sagte er höflich: "Ich bitte, nehmen Sie Platz – unsere Unterhaltung kann vielleicht lange dauern. Ich hoffe, Sie haben alle Anordnungen für die Geheimhaltung dieser Audienz Ihren Wünschen entsprechend gefunden?"
Der Fremde verneigte sich. – "E u e r M a j e s t ä t sind meiner – Bitte auf das Freundlichste entgegen gekommen und ich danke Euer Majestät dafür." Das Wort "Majestät" schien wie durch Zwang unwillig über diese stolz aufgeworfenen Lippen zu kommen und ein dunkles Rot überschoss das Gesicht des Sprechenden, als er den leisen Triumph bemerkte, der einen Augenblick lang um den Mund des Napoleoniden zuckte.
"Sie haben den Auftrag," sagte der Kaiser, "die vertraulichen Unterhandlungen zu Ende zu bringen, die nach dem tod des Kaisers Nicolaus meines Herrn Bruders Liebden in Petersburg wegen des künftigen Friedensschlusses mit mir im Geheimen eröffnet hat. Sie werden höchst wahrscheinlich – da mir die Bürgschaft Ihrer unbekannten person fehlt – eine Vollmacht besitzen?"
Der seltsame Unterhändler überreichte ein Blatt, das der Kaiser auseinander schlug. Es entielt nur die Worte:
"Pleins pouvoirs!
Alexandre."
Der Herrscher der Franzosen machte eine zustimmende Bewegung mit dem kopf, gab das Blatt zurück und sagte: "Dies genügt vollständig. Kommen wir zur Sache."
"Die Chancen des Krieges in der Krimm, Sire, stehen in diesem Augenblick günstiger für uns, als bei Beginn des Feldzug. Wir haben eine starke Festung und eine zahlreiche, entschlossene Besatzung, wo wir früher nur eine unvollständige Verteidigung hatten. Ihre Armee, Sire, hat bei allem militairischen Ruhm, mit dem sie sich durch ihre Ausdauer bedeckt, doch während des Winters viel gelitten. Ihre Belagerungsarbeiten haben nur geringe Fortschritte gemacht."
"Ich täusche mich nicht darüber, doch habe ich einen mächtigen Verbündeten!"
"Welchen, Sire? – England? – Sardinien?" Die Frage klang voll bittern Hohnes.
"Nein, mein Herr! – Das F r ü h j a h r und nötigenfalls noch den S o m m e r !"
"Wir haben die gleiche Chance, obschon ich zugeben will, dass der Winter unser besserer Alliirter war. Die Werke Ssewastopols – –"
Der Kaiser, der mit den Almanachs spielte und sie wie zufällig durchblätterte, unterbrach ihn lächelnd: "Lassen wir das Alles – das war Sache der Präliminarien und wir haben Wichtigeres. Ich will mit Offenheit Ihnen vorangehen und aussprechen, dass ich den Frieden so gut brauchen kann, wie Russland."
"Sire, Sie erklärten den Krieg!"
"Ich habe dem Kaiser Nicolaus den Krieg erklärt, nicht dem Kaiser Alexander. Ich brauchte damals den Krieg, denn es galt, meinen jungen Tron zu befestigen. Jetzt gilt es, meiner Nachkommenschaft diesen Tron auch zu s i c h e r n . Das kann die Diplomatie besser, wie der Krieg. Sie sehen, ich bin sehr aufrichtig."
"Euer Majestät danke ich dafür. Was Russland dazu tun kann – – –"
"Nein, mein Herr, das sind vage Versprechungen. Ich muss die ganz bestimmte Erklärung haben, dass Russland die Bourbonen für alle Zeit fallen lässt. Mit den Orleanisten und den Republikanern werde ich schon allein fertig, das einzige, was meiner Familie entgegen stehen kann, ist die Tradition – und mit dieser muss Russland freiwillig – merken Sie wohl – f r e i w i l l i g und o f f e n brechen, wenn ich meinerseits Opfer bringen soll."
Der junge Unterhändler schwieg, auf seiner kräfti
gegen Stirn lagen schwere Wolken.
"Die Romanow's," fuhr der Kaiser streng fort,
"haben eben so gut ihren Anfang gehabt, wie die Bonaparte's. Ich bin nicht einmal der Erste, sondern bereits das dritte Glied meines Hauses auf dem Trone. Sie werden mir zugestehen, dass die Bourbonen ihre Glanzzeit überlebt und ihre Restauration nicht haben aufrecht halten können. Dies würde auch künftig der Fall sein. Die Orleans sind ein Geschlecht von Unruhstiftern und Gelegenheits-Speculanten. Sie haben also keine Bürgschaft für die Zukunft, als in mir, und wenn je ein Mann das Wort wahr gemacht, dass er mit der Revolution gebrochen, so bin ich es!"
"Euer Majestät legen, ich erkenne es im Namen
meines – Gebieters an, die notwendigkeit klar dar, aber nicht die Mittel."
"hören Sie mich an – ich fordere keine Erniedri
gung der legitimen Höfe von Europa, wie mein Onkel törichter Weise, um seinem Stolz zu schmeicheln, tat; aber ich fordere anerkennendes Entgegenkommen. Ich wiederhole Ihnen, die person des Kaisers Nicolaus war dasjenige Element, was meinen Ansprüchen in Europa bisher entgegen stand. Er war es, der den Weg, den ich versuchte zur Einbürgerung meiner Rechte, abschnitt. So lange er lebte und unbesiegt war, blieb ich ein geduldeter Emporkömmling und in zweiter Reihe. Gott selbst hat entschieden und Russland die neue Auffassung der Zeit leicht gemacht. Ich bin kein Eroberer, wie mein Onkel, ich will nicht in Europa gefürchtet, aber ich will gesucht und nötig sein. Wir werden den Frieden schliessen unter Bedingungen, die für unsere beiderseitige Stellung notwendig und nützlich sind. Dann wird die Zeit neuer Bündnisse und diplomatischer Conjecturen eintreten. Die erste notwendigkeit hierzu war die Sprengung der sogenannten heiligen Allianz."
"Sie ist faktisch