?"
"Wozu jetzt noch ein Zweifel – im letzten Augenblick? Hier, fassen Sie meine Hand und prüfen Sie meinen Puls, ob er wie der eines Mannes geht!"
"Ich meinte nur in Betreff der gelegenheit, Signor Pianori."
"nennen Sie mich Liverani, wie ich in meiner wohnung heisse, es ist sicherer. Die erste gelegenheit ist die beste und ich will sie mir nicht entgehen lassen. Wie viel Uhr haben Sie?"
"Es ist ein Viertel über Vier – in einer halben Stunde spätestens muss er kommen."
"Und seine Begleitung?"
"Wahrscheinlich nur ein Paar Adjutanten – wie gewöhnlich in kurzer Entfernung einige jener unbeholfenen Dummköpfe von der geheimen corsischen Sicherheitswache, die man gegen die Polizei Pietri's eingetauscht. Sie haben also, wenn Sie meinen Rat befolgt, volle Aussicht, zu entkommen."
"Ich trage einen vollständigen hellen Anzug unter diesen dunklen Kleidern, auch eine Kappe."
"Ihre Droschke wird an der bezeichneten Stelle halten – links vom Château des fleurs; die Frau ist entschlossen und wird mit einem weissen Taschentuch aus dem Schlage lehnen. Sie laufen durch die Bosquets. Sind Ihre Waffen in Ordnung?"
"Es ist eine Präcisionspistole mit Doppelläufen übereinander und kostete mich in London hundertfünfzig Francs. Ausserdem habe ich zwei Terzerole in der tasche und ein Messer im Gürtel – für mich, wenn es misslingt."
Ein Arbeiter, in eine Blouse gekleidet, streifte in diesem Augenblick dicht an ihnen vorüber und der Alte im Soldatenrock winkte seinem Begleiter Schweigen. Erst als der Mann weit genug wieder entfernt war, fuhr er fort: "Dort ist der Triumphbogen und das Château – wir wollen scheiden. Im Namen der Unsichtbaren, Bundesbruder, frage ich Dich zum letzten Male: bist Du entschlossen. Deinen Eid zu halten?"
"Ich bin's!"
"So sei der Genius der Freiheit mit Dir und führe Deine Hand! lebe' wohl, Bruder – was auch Dein los sei, die Krone des Siegers oder des Märtyrers – die Rächer werden Dich nicht verlassen!" – Er drückte ihm die Hand und entfernte sich. Sobald er dem Italiener aus den Augen war, wandte er seine Schritte nach der Rue de Challot, erreichte den Boulevard du Banquet und nahm an der Barrière de l'Etoile Platz in einem Caffeehause, von wo er die Avenue übersehen konnte. ––––––––––––––––––––––––––––
Gegen 5 Uhr kam der K a i s e r d e r F r a n z o s e n die breite Allee daher geritten, nur begleitet von einem seiner Adjutanten, dem Grafen Edgar Nei, und seinem Stallmeister, dem Oberst-Lieutenant Valabrègue. Das Gesicht des Mannes, der, wenn auch nicht an Ruhm, so doch unzweifelhaft an Klugheit und Glück, noch über seinem grossen Oheim steht, war ernst und nachdenkend, denn ein Ministerwechsel stand bevor und der Abend war zu verschiedenen wichtigen Conferenzen bestimmt. In einiger Entfernung folgte den beiden Reitknechten ein Wagen, in welchem der Chef jener geheimen corsischen Sicherheitswache, Hirevoy sass, welche, wie bereits erwähnt, der Kaiser sich selbst gebildet hatte, nebst einem ihrer Mitglieder, Alessandrini. Auf der Höhe des Château des fleurs, wo augenblicklich verhältnissmässig wenige Spaziergänger verweilten und nur zwei Arbeiter in der Nähe wie zufällig umherschlenderten, erhob sich von einer der Steinbänke beim Nahen der Reiter plötzlich ein gut gekleideter Mann – derselbe, welchen wir vorhin mit dem alten Soldaten haben sprechen sehen – und trat mit einer Verbeugung dem Reitweg näher, die Hand in der Brusttasche, gleich als wolle er eine Bittschrift überreichen.
Dies schien auch der Kaiser zu glauben; denn, sein Pferd etwa sechs oder sieben Schritt von dem mann anhaltend, neigte er sich über den Sattel und streckte die Hand aus, als Jener plötzlich ein vierläufiges Pistol aus dem Rock zog und auf den Monarchen feuerte. Die Kugel flog unschädlich vorbei und der Kaiser fuhr mit der Hand wie schützend nach dem Kopf. Diese Bewegung rettete wahrscheinlich sein Leben; denn der Mörder feuerte das zweite Mal – das Pistol über den linken Arm gelegt – zu hoch und die Kugel streifte nur den Hut des Bedrohten und machte ihn herabfallen. In diesem Augenblick, ehe der dritte Lauf der Mordwaffe gebraucht werden konnte, warf sich der nächste der beiden Arbeiter, derselbe, der eine halbe Stunde vorher an dem verbrecherischen Paar verübergegangen war und einige unbestimmte Worte aufgefangen hatte, auf den Italiener und versetzte ihm einen Dolchstich in den Arm, der ihn die Pistole fallen lassen machte. Ein kurzes Ringen entstand, während dessen der Corse Alessandrini aus dem Wagen springen, herbeieilen und zur Festnahme des Mörders helfen konnte. Als dieser sah, dass seine Flucht unmöglich geworden, ergab er sich trotzig in sein Schicksal und liess sich, von einer schnell sich sammelnden Menschenmenge umringt, binden und von den als Arbeiter verkleidet gewesenen beiden PolizeiAgenten in eine Droschke werfen.
Der Kaiser, etwas bleich, sonst aber gefasst und ruhig, hatte den Männern, welche sich auf den Mörder geworfen, zugerufen, den Elenden zu schonen, dann aber ruhig seinen Weg nach dem Boulogner Wäldchen fortgesetzt, wo er die Kaiserin treffen wollte. Erst als die erregte Volksmenge sich um ihn drängte, setzte er sein Pferd in Galopp.
Plötzlich, am Triumphbogen, hielt er es an und fixirte einen Mann, der an einem Pfeiler der Kettenbarriere stand. Die Nachricht des Attentats war noch nicht bis hierher gelangt, obgleich man in der Ferne den