's Neue wieder dem Feuer der Laufgräben ausgesetzt und man sah sich gezwungen, einen d r i t t e n Angriff auf diese zu machen. Die Feinde wichen wiederum, aber etwa fünfzehn Scharfschützen, die noch auf dem Erdwall standen, schlugen zu gleicher Zeit ihre Büchsen auf den kühnen Führer der Russen an, der nicht einmal die drohende Gefahr bemerkte. Er war im nächsten Moment verloren, als der Matrose S c h e w t s c h e n k o , der dicht bei ihm war, sich flüchtig bekreuzte und vor seinen Offizier warf. Die Schüsse krachten – und die tapfere Brust empfing nicht eine Todeskugel, sondern die ganze Zahl derselben. Erst jetzt, indem er das dumpfe Anprallen der Schüsse und den Gegenstoss des stürzenden Körpers fühlte, bemerkte der Offizier die heldenmütige Aufopferung seines Getreuen und warf sich, im ersten Schmerz Alles um sich her vergessend, neben dem Blutenden auf die Knie. "Schewtschenko, mein Freund, Du bist getroffen? – Wie ist Dir, Bratka? So sprich doch nur ein einziges Wort!" – Aber der Tapfere konnte nicht mehr antworten: er lag da, stumm und bleich, nur der Mund zuckte leise und um die Lippen spielte jenes seltsam freundliche Lächeln, das man statt der Verzerrungen des Schmerzes so oft auf den Gesichtern der durch die Kugel Getödteten findet.
Der Lieutenant verweilte immer noch bei der Leiche, als der Hochbootsmann B o l o t n i k o w zu ihm trat und ihn am Arm fasste. "Es ist keine Zeit zu verlieren, Euer Gnaden," rief er, "unsere Burschen dringen eben in die dritte Tranchee ein; dass das Ding nur nicht etwa schlimm abläuft!" – Die Worte führten den Kommandirenden rasch zu seiner Pflicht und er eilte seinen Leuten nach. – "Zurück, Kinder, zurück!" – Sie hatten sich bereits der dritten Tranchee bemächtigt, arbeiteten wie die Rasenden mit dem Bajonnet und der ganze Laufgraben war gefüllt mit toten.
Bereits gelang es dem Offizier, seine Leute in guter Ordnung zurückzuführen, als ein hochgewachsener britischer Stabsoffizier auf den letzten Grabenwall sprang, in jeder Hand eine Pistole, und die Seinen zur Verfolgung anfeuerte. Doch diese schienen genug des Blutbades zu haben und rührten sich nicht von der Stelle. Da feuerte der Brite beide Pistolen auf den Hochbootsmann ab, der ihm zunächst stand. Mit der linken Hand hatte er gefehlt und die Kugel flog dicht an Koschka's Kopf vorbei; die rechte Waffe aber hatte fast unmittelbar Bolotnikow's Schläfe berührt und mit zerschmettertem Kopf sank der Tapfere zur Erde. – Gott schenke ihm das ewige Himmelreich! – Wie die Rasenden stürzten die Russen sich auf's Neue auf den Feind und jagten ihn zurück.
Während dieses Angriffs waren die arbeiten an den Gruben beendet und diese gegen den Feind gekehrt worden. Die Laufgräben lagen voll Leichen und der Auftrag konnte als vollendet angesehen werden, da auch von der linken Seite her der Kanonendonner schwächer geworden und Lieutenant Birjulew überdies Nachricht erhielt, dass Verstärkungen in die französischen Linien zu rücken schienen.
Die Hörner befahlen den Rückzug und man begann in geschlossenen Gliedern den Berg hinab zu gehen, nachdem die neueingerichteten Logements mit Schützen besetzt worden, als ein Unteroffizier an Lieutenant Tokarew, den einzigen ausser dem Kommandirenden übrigen Offizier, die Meldung brachte, dass einer der Ihrigen in der letzten Tranchee zurückgeblieben scheine. – "Es schimpft und flucht dort drinnen auf gut Russisch und die Leute glauben ihres Kameraden Koschka stimme zu erkennen!" – "Koschka? Das muss der Kommandant wissen!" – "Befehlen Euer Gnaden vielleicht, dass wir ihn freimachen?" – "natürlich! Formirt Euch! Links um! Marsch!" und im s e c h s t e n Anlauf ging es zurück nach der feindlichen Tranchee.
Darin tobte und wetterte es allerdings mit all' den beliebten Flüchen und Verwünschungen, an denen die russische Sprache so abscheulich reich ist. Und es war Zeit, dass die Hilfe kam. Mit dem Fuss auf der Brust des zu Boden geworfenen englischen Obersten, welcher die unglücklichen Schüsse auf Bolotnikow abgefeuert, stand der Matrose Koschka, das Gesicht dunkelrot vor Anstrengung und Erbitterung, und seine mächtige Faust schwang eine beilartige Enterpike, seine Lieblingswaffe, im Kreis um sich, während sein riesiger Körper bereits aus drei Wunden blutete.
"Jop foce mat! wenn ich Euch nicht Alle massacrire, Ihr englischen Schurken, Ihr Hundssöhne und Lumpenpack, mit samt Euren Lords und Tele – Grafen, den schäbigen Meuchelmördern!" tobte der ehrliche Seemann, indem jeder seiner Streiche einen Gegner zu Boden schlug. "Den Kerl hier unter mir wollt Ihr? Den Teufel in Eure Seele bekommt Ihr! Seid Ihr nicht Memmen, dass Ihr auf den Knaben dort schlagt und den tobten Mann, statt auf einen Burschen wie ich?!"
In der Tat wandte sich ein grosser teil der Wut und des Angriffs der Briten nicht gegen den riesigen Matrosen, dessen gewichtige Axtiebe ihre Gewehre wie Halme zersplitterten und dem sie, da ihre Munition verschossen, nur durch ihre Ueberzahl und den Anfall von allen Seiten Gefahr brachten, sondern gegen die einzige kecke Hilfe, die das waghalsige Unternehmen des Seemannes, seinen Kameraden Bolotnikow zu rächen, geteilt hatte. drei oder vier Schritt von ihm lag am Boden der Tranchee der Unterfähnrich Lasaroff, den zerbrochenen Degen fest in der Knabenhand, von Blut bedeckt, das zum Glück jedoch nur zum geringsten teil aus