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erwarte mich im Schutz der Bastion!"

"Niemals! ich habe dem Grafen geschworen, da mich, den niedern Diener, kein Verbot zu kommen hinderte, keinen Augenblick mehr von Eurer Seite zu weichen, sobald ich Euch aufgefunden."

"Ruhe im Glied! Still da hinten, Leute!" zischte das Kommando Birjulew's; der Fähnrich konnte dem treuen mann nur die Hand drücken und ihn neben sich in die Reihe ziehen, dem der Marsch ging jetzt mit grosser Hast vorwärts.

Aber alle Vorsicht der Führer half zu Nichtsdas scharfe Auge der Zuavenposten hatte bald die dunkle Colonne entdeckt, als sie über eine kahle Fläche zog, und aus der nächsten Schützengrube fiel ein Schuss.

"Links, Bursche, links und nicht gefeuert! Wir sind bald über ihre Flanke hinaus und im Schutz des berges."

Eine SignalRakete schoss aus der französischen Tranchee empor, man hörte Allarm schlagen und alsbald knatterte auf der ganzen Linie ein lebhaftes Bataillefeuer, wie das Knattern und Zischen feuchten Holzes im Kamin.

Bald hatte das Detaschement den sogenannten "Zuckerhut" passirt in der Richtung der Georgiewstrasse und konnte, durch den Berg geschützt, von den französischen Legements nicht mehr gesehen werden. Aber die auf der ganzen feindlichen Kette wiederholten Appell-Signale und Rufe der Schildwachen und Hornisten bewiesen zur Genüge, dass man sowohl in den französischen wie in den englischen Linien auf einen Angriff bereit sei.

Vom Labordonaja-Grund herüber krachten Gewehrsalven, dazwischen donnerte das Geschütz der englischen und französischen Batterieen und bewies, wie heftig der Kampf dort bereits wütete. Rakete auf Rakete stieg empor als Signal, Unterstützung herbei zu rufen.

Die Franzosen schienen durch den Berg den Trupp ganz aus dem Auge verloren zu haben oder ihre eigenen zu sammeln, denn Alles war einer Zeit lang auf dieser Seite stumm und es herrschte jene Ruhe, bei welcher dem braven Soldaten viel schwüler und ängstlicher zu Mute wird, als bei dem Blitzen und Knallen des Mussketenfeuers. Endlich hatte man die englischen Logements erreicht, das heisst, die Russen standen am Fuss des grünen Hügels, auf dessen Aufgängen jene die Trancheen und die hinter liegende ChapmannBatterie deckten.

Die Russen begannen stillschweigend die Anhöhe hinauf zu steigen, aber sie hatten kaum fünfzig Schritt gemacht, als das "Who is tere?" der Schildwache ihnen entgegenscholl. – "Français" rief Birjulew; "vorwärts, Kinder, und fällt das Bajonnet! Hurrah!" – Fünf bis sechs englische Schützen sprangen hinter einer Hecke hervor und schlugen ihre Gewehre auf die Stürmenden an, diese aber kamen ihnen zuvor und eine allgemeine Salve streckte den ganzen Posten zu Boden. Gleich im ersten Anlauf waren die Russen bis mitten in den Lagements und machten Alles nieder, was nicht in die zunächst liegende Tranchee flüchten konnte. Die Engländer liessen achtzehn tote in den Gruben. Sofort befahl Lieutenant Birjulew, die arbeiten zur Wendung der Gruben gegen die Feinde zu beginnen.

Die Russen arbeiteten eifrig und es gelang ihnen glücklich, die Brüstung der Logements abzugraben, aber es schien unmöglich, sich länger zu halten; denn ander nächsten Tranchee pfiffen und sausten die Kugeln unablässig auf sie ein, und die Batterie begann mit Kartätschen von der Höhe des berges herab zu fegen. Auf der ganzen Linie bis zum Kilengrund hin schien zugleich jetzt das mörderische Gefecht entbrannt. Der tapfre Führer bemerkte, dass es möglich sei, den ersten Laufgraben zu nehmen, um sich von dem lästigen Feuer zu befreien, und kommandirte rasch zum Angriff. Mit lautem Urrah stürzten die Jäger und Matrosen gegen die Tranchee; aller verzweifelte Widerstand half nicht, zwei Minuten darauf drangen sie bereits in die zweite Linie ein. Ein entsetzliches Handgemenge erfolgte, das Bajonnet wütete unter den dicht gedrängten massen, dann räumten die Britenes war das 20. Regimentden Platz.

Aber es war ausser der Möglichkeit für die Russen, sich hier festzusetzen, denn eine Flankenbatterie von zwei Kanonen bestrich der Länge nach die ganze Tranchee und gleich auf den ersten Schuss stürzten zehn Mann, darunter der Fähnrich Ssemenski. Man musste den Rückzug antreten.

Während die Verwundeten zurückgebracht wurden

zu den von der Bastion beorderten Tragen, arbeiteten die Schanzgräber mit verdoppelter Kraft an der Hauptaufgabe, der Umwendung der Logements. Aber die Engländer waren den Zurückweichenden auf dem fuss in die Laufgräben wieder gefolgt und erneuerten von dort den Kugelregen, der die Erdarbeiten hinderte.

Birjulew befahl eine zweite Attaque; – abermals

nahmen die Russen die erste und zweite Tranchee, die Flankenbatterie feuerte diesmal glücklich zu hoch und die Leute bekamen den Pfiff weg, sich im rechten Augenblick glücklich vor den Kugeln zu decken. Man begann sich festzusetzen in der Tranchee und mehrere aufgestellte Mörser zu vernageln, als ein Arbeiter von den Logements herbeigelaufen kam und mit leiser stimme dem Kommandirenden meldete, dass auf der rechten Seite von den französischen Laufgräben her eine Abteilung die Höhen herunter komme, um ihnen in den rücken zu fallen. – "Wie viel sind ihrer?" – "Kann's nicht sagen. Euer Gnaden, vielleicht hundert oder hundertfünfzig Mann." – Birjulew befahl den Leuten Stille, indem er sie aus der Tranchee zurückzog. Er hoffte, die französische Unterstützung abzuschneiden und gefangen zu nehmen, aber der Plan missglückte, von den feindlichen Posten bemerkt; denn als die Russen den Berg hinabstürmten, bliesen deren Hornisten den Ihren Rappel und sie hatten Zeit, sich zurückzuziehen.

Die Arbeit an den Logements wurde nun noch mehr beeilt, aber die Arbeiter waren auf