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dienen soll. Aber ich erwarte sie jeden Augenblick."

"Man muss gestehen, der General en chef hält ein gutes Entree. Ich wünsche nur, dass er so fortfährt."

"Man hegte eigentlich kein besonderes Vertrauen auf seine Energie," sagte vorwitzig der Fähnrich. "Er soll überaus vorsichtig und schwer von Entschlüssen sein."

"Das ist es, was man dem Fürst-Admiral eben nicht zum Vorwurf machen konnte," fiel der Sappeur ein, "indess ist es eine wichtige Eigenschaft für den Feldherrn. Etwas mehr Vorsicht hätte uns Inkermann nicht verlieren machen."

"Ssoimonof's versehen trug die Schuld. Der Fürst war einer jener Kolosse von Erz, für die es Zufälle und Möglichkeiten nicht gibt. Es ist merkwürdig, dass diese harte natur mitunter so viel Laune und Gemütlichkeit bewies. Ist er bereits abgereist?"

"Gestern Morgen. Seine Gesundheit soll sehr angegriffen sein. In Petersburg galt er früher als Witzbold. Barjatinski hat uns manche hübsche Anekdote von ihm erzählt."

"Richtig! Sein Epigramm auf den Herzog von Leuchlenberg und dessen Georg brachte ihn ja eine Zeit in Ungnade. Aber er war stets ein tapferer Soldat. Die Eroberung von Anapa begründete seinen Ruf."

"Bei Varna," fügte der Podpolkawnick bei, rollte ihm eine matte Kanonenkugel über den Fuss, während er eine Prise Schnupftaback nahm. Ader nicht ein Körnchen ging ihm verloren, während er sagte: 'Hätte der Bursche so viel Pulver mehr gehabt, wie ich hier zwischen den Fingern halte, so hätte ich ein Bein weniger.'

Die Anekdote mit dem Knopf ist kostbar und soll durch alle europäischen Zeitungen die Runde gemacht haben.

"Bitte, lassen Sie hören, Birjulew, ich kenne sie nicht," bat der Jäger-Offizier.

"Ei sie in bald erzählt. kapitän Beaufort von den britischen leichten Dragonern war bei Balaclawa gefangen genommen und zur Heilung einer Wunde nach Simpheropol gebracht worden. Bald darauf gingen durch gelegenheit eines Parlamentairs Briefe für ihn ein, und da es Vorschrift, dass alle Schreiben an und von Kriegsgefangenen vor der Uebergabe gelesen werden, geschah dies auch mit den Briefen des Capitains. Einer davonder Engländer gehört zur PeeDie kleine geschichte verbreitete einige Heiterkeit "Ordonnanz-Offizier von Seiner Durchlaucht dem "Zu Diensten, mein Herr!" Der Marineoffizier war "So ist es. Ich bin der Stabscapitain von M e y e n d o r f und beauftragt, den Erfolg des Ausfalls hier abzuwarten. Die Herren sind wahrscheinlich Offiziere Ihres Detaschements und ich kann daher in ihrer Gegenwart ohne Weiteres diese schriftliche Instruction mit den mündlichen Anweisungen vervollständigen?"

Birjulew stellte die Offiziere vor. "Oberstlieutenant Sazepin ist in diesem Augenblick der kommandirende Offizier der Bastion und kapitän Tonagel der Ingenieur vom Platz. Setzen Sie sich zu uns, Herr Stabscapitain, und lassen Sie uns überlegen, wie wir unsere Aufgabe am besten ausführen mögen."

"Der Hauptausfall," berichtete der kapitän, indem er auf einer demolirten Lafette Platz und die angebotene Cigarre nahm, "geschieht mit dem Dnjprowski'schen Infanterie-Regiment, das erst gestern Abend eingetroffen, den Kamschatkaischen Jägern, 2 Bataillonen des Wolinski'schen und 2 Bataillonen des Uglitz'schen Regiments nebst der 44. FlottenEquipage. GeneralLieutenant Chruleff wird damit von der Kamschatka-Lünette um 10 Uhr Abends die französischen Logements angreifen. – Zugleich rückt kapitän Budischtschef mit zwei FlottenEquipagen, einem Bataillon Minsker und den griechischen Freiwilligen gegen den äussersten rechten Flügel der britischen Trancheen zwischen dem Dekavajaund Laboratornaja-Grund. Welche Truppen gehören zu Ihrer Expedition, Herr Kamerad?"

"Ich habe 475 Jäger der 30. und 45. Flotten-Equipage, des Ochotski'schen Regiments und des Wolinski'schen Reserve-Bataillons, nebst einem Kommando meiner altenn Matrosen vom 'Wladimir' und der 'Maria'."

"Ich bin noch zu kurze Zeit hier," sagte höflich der Baron, "um Ihnen zu solchen gefährten gratuliren zu dürfen, obschon ihr Ruf auch längst bis zu uns gedrungen. Welche Offiziere werden Sie begleiten?"

"Lieutenant Tokarow kommandirt die Ochotsker, Fähnrich Ssemenski die Reserven, ausserdem ist der junge Mann, der Sie hierher gebracht, Unterfähnrich L a s a r o f f , bei dieser Abteilung."

"Er scheint," bemerkte der kapitän, "ein echt russisches Herz in der Knabenbrust zu tragen. Als ich ihn im Gespräch fragte, wie es ihm hier gehe, sagte er misslaunig: 'Verteufelt schlecht, es ist nicht zum Aushalten.' Ich glaubte, er meine die Bomben und Kugeln und tröstete ihn, dass nicht alle träfen. Der Bursche aber blickte mich gross an und erwiderte: 'Verzeihen Sie, ich meinte den Schmuz, vor dem man gar nicht zur Batterie kann, ohne die Stiefeln zu verderben3'"

Die Offiziere lachten. – "Er ist erst vor sechs Tagen zu unserm Bataillon gekommen. Das seine erfror im Januar in der Steppe in einem Schneesturm und ich glaube, er ist der einzige, der durch Zufall entkommen. Er war lange krank und die Kommandantur, bei der er sich dann meldete, hat ihn einstweilen bei uns eingestellt." Fähnrich Ssemenski berichtete dies.

"Ich selbst," fuhr der Marine-Lieutenant fort, "führe meine Schiffskameraden und habe genug alter gedienter Leute dabei, die mich unterstützen. Haben Sie vielleicht zufällig schon den Namen des tollen Koschka gehört?