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, Fürst Oczakoff. Da haben Sie die neuesten Neuigkeiten. Buona notte!"

Die Lichter erloschen, im Dunkel vernahm man mehrere Türen sich öffnen und schliessendann folgte das Schweigen des Todes.

Das erste Blut.

Entzückend schön, über die Beschreibung der Feder, über die irdischen Farben des Malers erhaben ist der Sonnenaufgang im Golf von S m y r n a !

Der "Egytto" hatte während der Nacht auf Chios angelegt und eine Menge neuer Passagiere an Bord genommen. Erst als das Tagesgrauen über die fernen Berge Anatoliens herauf dämmerte, erhoben sich die Reisenden vom Verdeck, wo sie ihr improvisirtes Lager gefunden, oder kamen langsam aus den Cajüten und Sabinen zum Vorschein. Das Verdeck eines Levante-Dampfers bietet, nachdem er von Aten abgefahren, ein eigentümlich seltsames Schauspiel, dessen bunte Conturen von Insel zu Insel an Mannigfaltigkeit gewinnen. Der kapitän lässt das Deck der Schanze mit einer vorbereiteten Bretterlage überziehen, um es vor den Spuren des Kochens, Bratens und Schlafens säuberlich zu bewahren. Eine besondere Abteilung für die Frauen und Kinder wird abgegränzt; mit Teppichen und Ballen aller Art und Form nehmen die Ankömmlinge den kleinen ihnen gestatteten Raum ein; Kreise bilden sich um den Dreifuss, auf dem alsbald der Granatapfel schmort oder die Zwiebel und das Hammelstückchen zischt; die Frauen bereiten den Kaffee oder holen ihn in kleinen Schälchen von dem alten Moslem, der mitten auf dem Verdeck seine Bude gleich den Schilderhäuschen unserer Obstöker aufgeschlagen hat. Ueberall strecken sich lange Pfeifen quer über den schmalen, von dem hochaufgetürmten Gepäck gelassenen gang; um die Küche drängt sich eine lärmende Menge, vom Koch glühende Kohlen zum Anzünden ihrer Nargilehs oder Schibucks zu betteln; zwischen den Haufen der plappernden, lachenden, gestikulirenden Griechen sitzt auf seinen Kissen in ernster Gravität der Muselmann, von seinem schwarzen Sclaven bedient; Weiber mit dem wundervoll zarten Teint und den unzierlichen Gestalten der Frauen der Cycladen schlürfen in ihren klappernden Holzpantoffeln umher. Das dunkle brennende Auge zwischen den gefärbten Wimpern, durch die eigentümliche Schwärzung des untern Augenlides noch flammender gemacht, misst frei und offen den Fremden, oder blickt neugierig unter dem Yaschmak hervor, dem Mousselinschleier, welcher die orientalischen Schönheiten verhüllt, und den die Bekennerin des Propheten nur in den vertrauten Gemächern des Harems ablegt. Dazwischen bewegt sich das Volk der Matrosen, meist sehnige, sonnverbrannte Figuren von den Küsten der obern Adria, hin und wieder ein Italiener aus dem Golf von Tarent, stösst ohne Unterschied der person, wer ihm im Wege steht oder liegt bei Seite: den Armenier, der auf dem Hühnerkorb sein Gold zählt und mit einem Andern um den leichten venetianischen Dukaten oder den beschnittenen Ghazi feilscht, ebenso wie den türkischen Juden, der in seinem blauen Tuchtalar geschmeidig durch die Menge schlüpft. Für den europäischen Reisenden hört mit dem Schritt über Aten hinaus jede Bequemlichkeit und Gewohnheit der nördlichen zivilisation auf; der Platz auf dem Hühnerkasten, auf dem Bogspriet oder den Bänken des grossen Decks, von dem aus behaglich hingestreckt er unterm Schutz des Zeltpavillons die Oliventerrassen der ionischen Inseln, die dunklen Felsenwände von Tschernagora und Albanien, den zauberhaften Golf von Lepanto betrachtet hat, ist besetzt, kaum findet er einen Raum an der Brustwehr frei, von dem aus er hinaus das trunkene Auge tauchen kann in die unermessliche Fläche der Wässer, deren Lazurbläue mit dem im Licht zitternden Dome des himmels wetteifert. Das widrige Schauspiel anderer Meere und Seereisen, die Seekranken, verderben ihm das Bild nicht. Dieses Volk lebt und stirbt am Strande, das blaue Meer ist sein Element, wie die Luft, – die Fahrt von einer der prächtigen Cycladen zur andern seine Lebensgewohnheit. Gern opfert der Reisende sein eigenes dolce farniente, um diese Kinder des Südens das ihre verträumen zu sehen.

Aus den blauen Tiefen des Meeres wachsen Felsen empor, Felsen mit Rosen und Myrten, mit dem dunklen Grün des Lorbeers und der Olive, mit dem schlanken Stamm der Cypresse und der Platane. Smaragden sind es in ihrem dunklen Grün, Diamanten in dem gelben Strahl ihres Lichts, schaukelnd wie Schmuck auf dem üppigen Busen einer Lais! Edelsteine sind es, die die tobende Glut des Vulkans aus dem inneren Gewerk der Erde emporgeworfen an die Oberfläche des Tages, dass sie Kunde geben von den Zaubern der Tiefe; die Götterwelt der Alten bevölkert sie in der Erinnerung, – weisse Segel auf leichten Barken, mächtige Handelsschiffe und die Flaggen aller Nationen ziehen gleich Tauben und Schwänen durch ihre Buchten und Labyrinte. –

Der erste rosige Strahl der Sonne tauchte am Horizonte empor und zitterte über die Fläche des Golfs. Glänzend stieg die Königin unserer irdischen Welt über die in den fernen Nebeln noch unsichtbare Königin der Städte Anatoliens empor. Neben dem ernsten etwa vier bis fünfunddreissigjährigen Mann in einfacher aber moderner europäischer Kleidung mit dem grauen breiträndrigen Filzhut, der schon seit einer Stunde an dem Bollwerk des Vorderschiffes lehnte, um das herrliche Schauspiel mit allen seinen hier so wunderbaren Farbenwechseln nicht zu verlieren, breitete ein Türke seinen Teppich aus und knieete mit dem Antlitz gegen Mekka nieder, sein Gebet zu verrichten. Was an Moslems auf dem Verdeck war, folgte dem Beispiel; der grosse Haufe der Griechen und Franken kümmerte sich aber wenig um die Andacht der Ungläubigen und unterbrach keinen Augenblick seine Unterhaltung, ja viele der erstern spuckten verächtlich und mit grimmigen Seitenblicken nach dem Erbfeind ihres Glaubens in's wasser. – Eine Hand legte sich auf die Achsel jenes Mannes, der die ihm fremde Andacht beobachtete; als er sich umwandte, blickte er in ein Gesicht,