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sie ebenfalls, Römer, Kartager, Mazedonier, Sarden, und zwar besser als im Latein: Pferde, Menschen, Hannibal ante portas, Triarier, Veliten, Principes! Ausgezeichnet! Ich werde dem Schlingel eine tüchtige Rede halten sowohl über seine "locibus", als auch über die Unverschämteit, ein Heft mit solch beschmiertem Löschblatt drin "abliefern" zu wollen. Das letztere aber werde ich konfiszieren, und Zeichenstunde soll der Junge auch haben; dieser Signifer hat doch etwas zu lange arme.

Eine halbe Stunde sitze ich nun noch arbeitend, dann schlägt es auf der Sophienkirche sechs. Ich weiss nicht, ist es das schlechte Beispiel, welches mir da eben gegeben wurde, oder der blaue Sommerhimmel und die Sonne draussen; auf meinem Papier rucke ich nicht weiter, wohl aber unruhig auf dem Stuhl hin und her. Elise hat übrigens auch recht: "unsere" Dinte ist wirklich abscheulich. Ich schlage meine Bücher zu, ziehe den Rock an und gehe den Tönen eines Fortepianos nach, welche von drüben herüberklingen. Wenn ich in Nr. zwölf die Treppe hinaufgestiegen bin, so finde ich dort in dem einfach, aber hübsch ausgestatteten Zimmer des ersten Stocks eine Dame vor dem Klavier sitzen, die mir freundlich zunickt, ohne sich in ihren Phantasien stören zu lassen. Ich setze mich neben die Rosen- und Resedatöpfe im Fenster, der Musik lauschend, und kann dabei zugleich einen musternden blick über das Zimmer gleiten lassen. Hier gleich neben mir unter den Blumen steht Flämmchens Messingbauer, in welchem der kleine Vogel bereits auf der Stange sitzt und das Köpfchen unter den Flügel gezogen hat. Müde von den Anstrengungen des Tages, ist er früh zu Bett gegangen. Im zweiten Fenster mir gegenüber steht ein ähnliches Nähtischen wie das, vor welchem ich sitze; ein Stickrahmen mit angefangener Arbeit liegt darauf. Das ist Elisens Platz; auch sie hat wie Flämmchen hier eine zweite Behausung. Zwischen beiden Fenstern, gegen das Licht gezogen, macht sich ein einst rot bemalt gewesener Tisch breit; bedeckt mit Büchern, Schreibzeug, Heften, Federmessern usw. usw., bekritzelt, zerschnitten, zerhackt, ist er der Schauplatz von Gustavs "stillen Freuden".

Hier brütet das Genie über seinen "locibus", den Kopf auf beide Fäuste gestützt und in den Haaren wühlend; hier füllen sich die Blätter mit Fratzen aller Art statt mit lateinischen Phrasen; hier werden alle die Dummheiten ausgebrütet, welche die Gasse in Verwunderung und Verwirrung setzen sollen; hier werden mit dem demütigsten Gesicht, der reuevollsten Miene die Ermahnungen und Vorwürfe, welche die Mutter von ihrem Tron herab auf das Haupt des Taugenichts der Sperlingsgasse schüttet, in Empfang genommen und richtig quittiert durcheinen tollen Streich eine Viertelstunde nachher; hier, kurz hierist Gustav Bergs Schreibtisch!

Als die Tante Helene ihr Spiel beendet hat, erzähle ich ihr die geschichte des Katzendiners, von dem sie natürlich noch nicht das mindeste weiss.

"Ich kann ihn nicht mehr bändigen!" ruft sie halb lachend, halb in Verzweiflung aus. "Und die Elise verdirbt er mir auch ganz! Statt zu sticken und Vokabeln aufzuschlagen, schiessen sie sich mit Papierkugeln: wenn er ihr einen Käfer in den Nacken gleiten lässt, bin ich sicher, dass sie ihm einen Zopf ansteckt oder einen Eselskopf auf den rücken malt. Ich spreche und schelte mich heiser und müde, aber es hilft nichts! 'Tante, er hat angefangen, ich sass ganz ruhig!' 'Mutter, 's ist nicht wahr, sie hat zuerst geschossen!' So geht das den ganzen lieben Tag! Wo mögen sie nur jetzt wieder stecken?"

"Wenn man den Wolf an die Wand malt, so kommt er um die Ecke!" sagt das Sprichwort, und unsere Altvordern wussten, was sie taten, als sie es aufbrachten. Mit Helenens Frage öffnet sich die Tür, oder vielmehr sie wird aufgerissen, und herein, hochrot, stürzenWindbeutel und Wildfang! Kaum erblickt mich aber Freund Gustav, so macht er kehrt und sucht schleunigst die Tür wiederzugewinnen, glücklicherweise aber bin ich diesmal schneller.

"Halt, Meister! Hiergeblieben!"

"Ja, hiergeblieben, Gustav!" ruft die Mutter.

Ich beginne nun das Verhör.

"Wie alt bist du jetzt, Gustav? Antwort!"

"Vierzehn und ein halb!"

"Welchen Platz in der Klasse hast du jetzt?"

"Ich bin der Vierundzwanzigste von oben!"

"Und von unten?"

"Derderder Fünfte!" – (Pause.)

Ich lege nun ein Gesicht an wie Zeus Kronion, wenn's lange heiss gewesen ist und er donnern will, und beginne eine Rede, die anfängt: Als ich in deinem Alter war (wie notabene alle Väter und Erzieher beginnen, seit Adam seinen Erstgeborenen "rüffelte"); ich flechte die Milchgeschichte ein, gehe dann zu den "locibus" in der letzten Arbeit über, bringe einen kleinen Seitenhieb auf Elise an und ende, indem ich die rührend-patetische Seiteden Kummer der Mutterherauskehre.

Während der ganzen Dauer dieser "Pauke" hat mein Missetäter, bald auf dem einen, bald auf dem andern Fuss stehend, mit einem dummpfiffigreuigwehmütigen Gesicht angestrengt einen Punkt oben an der Decke, der ihm sehr merkwürdig erscheinen muss, ins Auge gefasst. Kaum aber habe ich geendet, so verliert auch besagter Punkt alles Interesse für den Schlingel, "