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er nur nach mir verlangt. Eine schreckliche Entüllung erwartete mich am Bette des Mannes, an dessen Seite ich nur den alten Burchhard traf, während die Waldgrete, die bejahrte Magd des Försterhauses, ab- und zuging.

Als ichjetzt ein neunzehnjähriger Jünglingan das Lager meines Ohms trat, sah mich dieser, eben aus einem kurzen, unruhigen Schlummer erwachend, starr an.

'Er gleicht ihm immer mehr', murmelte er. Als ich mich über ihn beugte, küsste mich der alte, strenge Mann und sagte mit erloschener stimme:

'Franzdu siehst, es ist vorbei mit mir: ich brauche den Jagdranzen nicht zu füllen und nicht für Schiesszeug zu sorgen für den gang, den ich jetzt gehen muss. Heule nicht, Junge; weisst, ich hab's nie leiden können. Ist Weibermode! Ich möchte dir aber noch etwas sagen, eh ich abmarschiere vom Anstand; kannst dann daraus machen, was du willst. Setze dich und höre zu! Schau, da hinten' – der Alte zeigte durch das offene Fenster, in welches grüne Zweige schlugen und die Abendsonne zitterte, während ein Buchfink davor sang –, 'da hinten hinter dem wald kommst du in die grosse Ebene, wo du tagelang gehen kannst, ohne einen Berg zu sehen. Die Leute nennen's ein schönes Land; – mag sein, hab's aber nie leiden können und mag den Wald lieber. Einen Hügel aber gibt's doch da, mitten in dem flachen land und den Kornfeldern, mit einem Schloss, Seeburg geheissen, und am fuss des Hügels ein Dorf desselbigen Namens. Daher stammt unsere Familie, da bin ich geboren, da ist auch Burchhard her.' Der Letzterwähnte nickte hier mit dem kopf und brummte vor sich hin: 'Beides 'ne gute Art, die Ralffs und Burchhards!' 'Hast recht, Alter', fuhr mein Oheim fort, 'hoffe auch, der da' (er wies auf mich) 'soll nicht aus der Art schlagen, wenn er gleich unrecht Blut in den Adern hat. Höre weiter, Junge: War ein stolz Volk, die Grafen Seeburg, die da seit alter Zeit auf dem Neste sassen. Hab's gelesen in alten Chroniken, wie sie die Leute plagten und die Kaufleute fingen. Trieb's auch die neue Art, die damals in seidenen Strümpfen und Schuhen ging, nicht viel besser, wenn auch anders. Halt 's Maul, Burchhard, weiss, was du sagen willst. – Ich war damals ein schmucker Bursch, wusste trefflich mit der Büchse umzugehen, und war Andreas Ralff bekannt als Meisterschütze auf Kirchweihen und Vogelschiessen weit und breit, wie deine Mutter, Franz, meine Schwester, als das schönste Mädchen im land. Sagte mir damals der junge Graf, der eben von Reisen zurückkam: "Hör, Andreas, tritt in meinen Dienst, will dich gut halten, und soll es dein Schaden nicht sein." Da fasste mich der Satan, dass ich's für mein Glück hielt und einschlug.'

Der Alte stöhnte hier laut auf und barg den Kopf in den Kissen, während Burchhard aufstand und leise eine Jägerweise aus dem Fenster pfiff. Ich beschwor den oheim, seine Erzählung abzubrechen und zu verschieben.

'Hab das nie getan', sagte der alte, eiserne Mann, 'ist nicht rechte Jägermanier, eine Kreatur angeschossen umherlaufen zu lassen. Reine Büchse, reiner Schuss. Schuf's der böse Feind, dass der Graf die Luise zu sehen kriegte, undBurchhard, erzähl's dem Jungen weiter...'

Dieser, der wieder neben dem Bette seines alten Freundes sass, nickte finster und fuhr fort in der unterbrochenen Erzählung, den blick auf den Boden geheftet.

'Waren wir zusammen aufgewachsen, und hatte ich sie gar lieb, die Luise, mit ihren schwarzen Haaren und schwarzen Augen. Hatte aber nicht den Mut, ihr zu sagen: Herzlieb, wolltest du mich nicht zum mann nehmen? Wollte dich auch auf 'n Händen tragen! Stand ich also immer und guckte ihr nach auf den Kirchwegen und allentalben, wenn sie durch das Dorf hüpfte, lachend und schäkernd, flink wie ein Reh, lustig wie eine Amsel!...'

Der Kranke seufzte tief auf, Burchhard legte ihm das Kopfkissen zurecht und schwieg dann, von seiner Erinnerung überwältigt, einige Minuten, während draussen die Vögel gar lustig zwitscherten und die Sonne immer glühender dem Untergange zusank.

Plötzlich fuhr der Erzähler fast barsch auf:

'Was ist da weiter zu berichten! War sie ein jung Blut, und hatte ihr der Pastor mehr Gutes als Böses von den Menschen erzählt... Wurde Andreas in den Wald geschickt auf Antrieb des Grafen; jubelte er mächtig, denn von je war's sein Wunsch gewesen, ein Jägersmann zu sein, und zog er sogleich fort von Seeburg, das alte verfallene Haus, so man ihm gab, instand zu setzen, dass die Luise nachfolgen könne. War ich damals nicht daheim, sondern im fremden Franzosenland, wo das Volk der Plackerei und Adelswirtschaft müde geworden war und reinen Tisch machte; schlug ich mich herum in der Champagne in dem Regiment Weimar-Kürassiere, bis der Herzog von Braunschweig und die Preussen und alle retirieren mussten durch Dreck und Regen. Kam ich zurück auf Urlaub, stellte mein Pferd ab im goldenen Hirschen, putzte