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Druck der Hand, ein verstandenes Wort deutlich spricht und vollständige kleine, liebe, heimliche Geschichten erzählt, während wir öffentlich einem langweiligen Gespräch zu lauschen scheinen."

"Gewiss, gewiss," versetzte Auguste, "ich freue mich darauf."

"Und jetzt brauche ich nicht mehr mit tiefem Weh im Herzen von ferne zu stehen, wenn du im arme anderer Tänzer an mir vorüberfliegst, mein süsses Kind. Ja, ich werde sogar glücklich sein, wenn sie dir schön tun, wenn ich sehe, dass sie in deiner Gunst Fortschritte zu machen scheinen, während ich doch weiss, dass diemir Glücklichem ganz allein gehört. – Und dann wirst du auch zuweilen den Kopf nach mir wenden, wirst mir einen kleinen, kleinen blick schenken. Nicht wahr, meine liebe, süsse Auguste?"

"Ja, ich werde das tun und werde es gern tun," entgegnete das Mädchen. Und dabei senkte sie ihren Kopf etwas auf die Seite, wodurch es ihm möglich gemacht wurde, sie leicht auf die Stirne zu küssen.

Der Baron hatte noch immer ihre Hand mit der seinen gefasst, und beide ruhten auf ihrem Schoosse auf der kühlen Fläche des glatten Atlass, womit sie bekleidet war. An dem Gürtel trug das Mädchen eine Chateleine von polirtem Eisen, deren Ende mit den vielen bekannten Kleinigkeiten versehen auf ihrem Knie ruhte. Zuweilen liess der Baron ihre Hand los und fasste die glänzenden Kettchen an, die er leicht aufhob, um dann ein paar Sekunden lang mit dem Fingerhut, der Scheere, dem kleinen Büchlein und anderen Sachen, die daran hingen, zu spielen.

Nach Augenblicken, wie der vorhergegangene, ist es angenehm, sinnend und betrachtend stillschweigen zu dürfen, oder fragen über gleichgiltige Dinge zu stellen, die aber, in einem gewissen unbeschreiblichen Tone gestellt, liebenswürdig neckend und mit zärtlichem Ausdrucke der stimme beantwortet werden.

"Ah!" sagte der Baron nach einer Pause, "was ist das für ein Schlüssel? – Aber gestehen Sie mir die Wahrheit, Auguste; er ist zu gross, als dass er zu irgend einem Necessaire oder Kästchen einer jungen Dame gehören könnte."

"Das ist mein geheimnis," entgegnete sie schalkhaft, "und ich werde es Ihnen unter keiner Bedingung anvertrauen."

"Jetzt gerade verlange ich es zu wissen. Sie haben meine Neugierde erregt und die muss befriedigt werden. – Nehmen Sie sich in Acht, Auguste," setzte er sie zärtlich anblickend hinzu, "ich bin eifersüchtig wie Otello. Und bei diesem aussergewöhnlichen Schlüssel erwacht begreiflicherweise mein Argwohn."

"O Tyrann, der Sie sind! Vorhin haben Sie kaum gewagt, zu bitten, jetzt wollen Sie schon verlangen. – Nein, nein! Die Bestimmung dieses Schlüssels sage ich Ihnen nicht, denn ich will Ihnen nur gestehen, das könnte wahrhaftig Ihren Argwohn erregen."

"Ah! kleine Verräterin!" entgegnete der Baron neckend. "Sie sind noch so jung und tragen schon verdächtige Schlüssel bei sich. Aber es ist meine Pflicht, für Ihr Bestes zu wachen, und somit lege ich feierlich auf diesen Schlüssel Beschlag und nehme ihn an mich; denn das ist eine Waffe, die in Ihrer unerfahrenen Hand gefährlich werden könnte."

"Aber er hält fest an mir," erwiderte lachend das Mädchen, als sie sah, dass er vergebliche Bemühungen machte, den Schlüssel von dem Stahlringe zu trennen. Es war dies übrigens ein gefährliches Spiel auf ihrem Knie und der junge Mann beeilte sich auch nicht, an der ihm wohl bekannten verborgenen Feder zu drükken, welche den Ring öffnete. Endlich tat er dies doch und der Schlüssel fiel in seine Hand.

"Sehen Sie," sprach er, indem er denselben triumphirend in die Höhe hob, "hier wäre das Instrument, das ich, wie schon gesagt, verpflichtet bin, zu mir zu nehmen. Seien Sie aber jetzt ein artiges Kind und sagen Sie mir, welche tür dieser Schlüssel aufmacht."

"Ich sage es nicht," entgegnete sie kopfschüttelnd; "gewiss nicht. Den Raub kann ich nicht hindern, doch soll er ein Rätsel in Ihrer Hand bleiben."

"Aber wenn ich dich herzlich um die Auflösung bitte, mein süsses, süsses Mädchen?" sagte der Baron schmeichelnd, indem er ihre Hand ergriff und sie abermals an seine Lippen führte. – "Vertrau es mir an, es ist das ein kleines, angenehmes geheimnis mehr."

"Nein, nein!" versetzte Auguste eifrig. Und dabei suchte sie den Schlüssel zu fangen, den er neckisch in die Höhe hielt. "Nein, nein, ich werde es nicht sagen; desshalb geben Sie mir ihn nur wieder, denn was nützt er Sie, da Sie seine Bestimmung doch nicht wissen?"

"O ich werde sie erfahren," entgegnete er heiter und vergnügt, "ich werde mich nächtlicher Weise einschleichen wie ein Dieb, ich werde sämmtliche Schlösser deines Hauses untersuchen, bis ich weiss, wo das rechte ist."

"Dazu wären Sie wahrhaftig im stand," sagte das junge Mädchen mit einem seltsamen Blicke; "weiss Gott, ich traue Ihnen so Etwas zu. Und das wäre ja ein wahres Unglück."

"So beuge diesem Unglücke vor und sage die Wahrheit, – die kleine, süsse, angenehme Wahrheit."

"Und wenn ich es tue, erhalte ich meinen Schlüssel wieder?"

"Wir wollen sehen."

"