, keinen der Leute des Grafen gesehen zu haben, er aber beharrte auf dem Gegenteil und behauptete am Ende, wenn wir Nichts davon wüssten, so habest du ein Schreiben des Grafen Fohrbach erhalten."
"Von Seiner Excellenz dem Kriegsminister?" sagte nachdenkend der Präsident, indem er seine Nase tief herabzog. – "Habe Nichts von ihm erhalten."
"Ach Gott! nein," entgegnete seine Gemahlin, "von dem jungen Grafen, dem Adjutanten Seiner Majestät."
"Von dem noch viel weniger," erwiderte der Chef der Polizei. "Worauf gründen Sie Ihre Behauptung, bester Baron?" wandte er sich an diesen, wobei er seine Nase losliess, die nun ein paar Zoll in die Höhe schnellte.
"Auf meine beiden Augen," erwiderte der Baron; "vor einer halben Stunde sah ich die Livrée des Grafen in dieses Haus treten."
"Ah! mein Bester, da haben Sie sich gewaltig geirrt," sagte der Präsident; "es kam in der Tat ein Bedienter in Livrée in dieses Haus, aber er trug einen dunkelgrünen Rock, während die Leute des Grafen Fohrbach dunkelbraun, fast schwarz tragen."
"Ah! – ah!" machte der Baron mit verblüfftem Tone, "dann habe ich mich gewaltig geirrt und ich bitte die Damen tausendmal um Verzeihung; dem Grafen Fohrbach habe ich in der Tat Unrecht getan. Sprechen wir von was Anderem; wie gesagt, ich bitte inständigst um Verzeihung."
"Und wer war denn eigentlich bei dir?" fragte die Präsidentin, deren Neugierde erregt war, ihren Mann, der in Nachdenken versunken schien und seine Nase auf der linken Seite kratzte.
"Das ist eine ganz eigentümliche geschichte," antwortete er nach einer Pause, "eine ganz sonderbare geschichte. – Lässt sich ein Bedienter bei meinem Sekretär melden und dieser bringt ihn zu mir. Wie gesagt, dunkelgrüne Livrée – amarant aufgeputzt und gelbe Knöpfe."
Der Baron schüttelte nachdenkend und nachsinnend den Kopf. "Dunkelgrüne Livrée," sagte er, "amarant und goldene Knöpfe. Wissen Sie auch bestimmt, Herr Präsident, dass es dunkelgrün und nicht dunkelbraun war, wie die Leute des Grafen Fohrbach?"
"O pfui, Baron! schämen Sie sich," versetzte lachend die Präsidentin. "Sind Sie immer noch nicht überzeugt?"
"Vollkommen, meine Gnädigste; aber ich dachte eben darüber nach, welches Haus dunkelgrün mit Amarant und Gold hat, und ich kann nicht darüber in's Klare kommen. – Der Oberstofmeister hat dunkelgrün mit Gelb; der Herzog Alfred dunkelgrün mit Blau; die Herzogin Schwester die gleiche Farbe mit Violett, und das ist Alles. – Es muss das ein ganz obscures Haus sein."
"Das ist es auch," erwiderte der Präsident und setzte seine Nase in Freiheit, da er mit der rechten Hand in die Rocktasche griff und daraus ein Papier hervorzog. "Die Livrée," fuhr er fort, "die auch mir ganz unbekannt war – und das will viel sagen, denn auf der Polizei sind wir so ziemlich von allem Dem unterrichtet – gehört einem Herrn A., einem Privatmann, Rentier – was weiss ich? – kurz einem alten Herrn, der in seinem haus vor dem E'schen Tore wohnt."
"Richtig!" rief der Baron, indem er sich an die Stirne klopfte, "wie kann man so vergesslich sein? Dem alten A. gehört die Livrée, – ganz recht! ganz recht! Nun, mein lieber Herr Präsident," setzte er mit einem vergnügten lachen hinzu, "wenn Sie mit dem in Verbindung treten, – denn ich entnehme Ihren Worten, dass Sie ihn noch nicht kennen – so werden Sie die Bekanntschaft eines ganz närrischen und sonderbaren Kautzes machen."
"Ei, ei!" machte der Chef des Polizeidepartements, indem er ziemlich bedächtig drein schaute.
"Ein ganz eigentümlicher und sonderbarer Kautz," fuhr Baron Brand fort; "ein Original."
"So, ein Original?" fragte lebhaft die Präsidentin. "Das ist mir interessant. Wir sind wohl nie mit ihm in Berührung gekommen?"
"Gewiss nicht, meine Gnädigste," bemerkte der Baron, nachdem er vorher mit grosser Aufmerksamkeit die Glieder seiner goldenen Uhrkette geordnet, die sich etwas verdreht hatten. "Gewiss nicht; es ist das ein Mann hoch in den Sechzigen, der selten aus dem haus geht, Gesellschaften nie besucht, auch fast gar keinen Umgang hat. Sie werden bei seiner kleinen Villa vor dem E'schen Tor zuweilen vorbei gekommen sein; es ist das ein Gebäude ganz von dem Aussehen einer Festung en miniature, rings herum Gräben, dahinter Mauern, mit Eisen beschlagene Tore, kurz alle Apparate, um sich einen gewaltigen Feind vom leib zu halten."
"Ah! Das ist in der Tat merkwürdig," sagte der Präsident. "Und was fürchtet der Mann in einem wohlgeordneten Polizeistaate, bei einer Gesetzgebung, die mit unnachsichtlicher Strenge die Verbrechen aufsucht und bestraft? – Ja, Herr Baron, ich kann Sie versichern: aufsucht und findet. Wollen Sie mir wohl glauben, dass von zwanzig Morden im vergangenen Jahre die betreffenden Täter eingefangen wurden?"
"Mit dem grössten Vergnügen glaube ich das," erwiderte der Baron mit sanfter stimme. "Aber als sie die Täter einfingen, waren die Mordtaten alle geschehen."
"Allerdings," sprach