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" rief er aus, "Sie können mir helfen." Dabei fielen seine Blicke auf die goldene Uhrkette des Anderen, an welcher sich eine Menge Kleinigkeiten, unter Anderem auch ein orientalischer Ring mit einem Carniol befand, auf den einige arabische Buchstaben geschnitten waren. "Leihen Sie mir einen Augenblick Ihren Ring, um meinen Brief damit zuzusiegeln, es ist ja kein Wappen darauf. – Also kann es Sie in keiner Weise kompromittiren," setzte er lachend hinzu.

Der Baron zuckte mit der Hand nach seiner Uhrkette und sein gleichmütiges, lächelndes Gesicht war im Begriff, einen ganz anderen Ausdruck anzunehmen. Wie aber ein geschickter Equilibrist sich noch in dem Momente, wo er fallen will, kräftig und gewaltsam in's Gleichgewicht hinein schwingt, so auch der Baron. Seine Finger, welche hastig die Uhrkette, wie um sie zu verbergen, ergreifen wollten, glitten jetzt leicht daran herunter und blieben an dem bewussten Ringe hängen. "Ah! Sie wollen mit meinem Talisman siegeln, bester Graf!" sagte er alsdann mit seinem gewöhnlichen freundlichen Lächeln. "Nehmen Sie sich in Acht! Sie wissen doch, dass diese mysteriös geschnittenen Steine nur für den heilbringend sind, der sie besitzt, und dass, wenn sich ein Anderer derselben bedient, zum Beispiel wie Sie, lieber Graf, jetzt zum Siegeln, dies für den Empfänger von unangenehmen Folgen sein kann!"

"Sind Sie denn wirklich abergläubisch, Baron?" fragte der Graf und hob eine Stange Siegellack an das brennende Licht, während er den Brief vor sich hinlegte. – "Uebrigens," fuhr er lächelnd fort, "ist mir am Wohl und Wehe des Empfängers oder der Empfängerin nicht viel gelegen, und wenn also Ihre Befürchtungen wirklich wahr wären, so könnte es derjenigen, welche diesen Brief erhält, am Ende Nichts schaden, wenn dieser Brief einige Dornen auf ihren Pfad streute."

"Coeur de rose!" sagte der Baron, indem er sich höchst verwundert stellte, "da führen Sie ja eigentümliche Korrespondenzen. Ich will nicht hoffen, dass der Brief an Jemand aus der Gesellschaft geht!"

"Seien Sie ganz unbesorgt, Baron! Glauben Sie denn, ich würde mich in dem Fall eines Ihrer Siegel bedienen? Ah! das wäre indiscret! Dieses Schreiben geht an ein ganz obscures Wesen, von dessen Existenz Sie gar keine Ahnung haben; eine stille witwe, die hie und da meine gewissen kleinen Privatangelegenheiten arrangirt. – Aber jetzt geben Sie Ihren Ring her, mein Siegellack ist flüssig."

"Armer Talisman!" sagte der Baron mit affektirter Wehmut, während er die Kette loshakte und den Ring seinem Bekannten darbot; "ein Abdruck von dir scheint mir da in schöne hände zu kommen. – Coeur de rose! das hätte sich die reizende Griechin, die ihn mir verehrt, gewiss nicht träumen lassen."

Der Graf siegelte rasch und sorgfältig das Villet, dann betrachtete er aufmerksam die sonderbaren für ihn unleserlichen Schriftzeichen und versetzte: "So, der Abdruck ist schön gelungen; meinen herzlichen Dank! – Jetzt muss ich aber eilen, sonst komme ich zu spät in's Schloss und das wäre entsetzlich. – Kann ich Sie mitnehmen?"

Der Baron sann eine Sekunde nach. "Besuch auf dem Kastellplatz," murmelte er, "dann in der Königsstrasse, in der hohen und breiten Strasse, – ja, ja, bester Graf, ich nehme einen Sitz in Ihrem Wagen an! Sie lassen mich an der Ecke des Kastellplatzes entspringen."

"Schön," erwiderte Graf Fohrbach; "gehen Sie nur voraus; ich folge in der Sekunde."

Während nun der Baron in das Vorzimmer ging, sich dort den Paletot anziehen liess, einen dicken Cachemir um den Hals schlang, den Hut aufsetzte und nach dem Wagen schritt, eilte der Graf in sein Arbeitskabinet, wo der Maler sass und sagte diesem: "Adieu, lieber Artur, ich muss in den Dienst. Bleiben Sie hier, so lange Sie wollen; Sie wissen, wo Cigarren und Pfeifen sind. Aber wenn Sie fortgehen, erzeigen Sie mir, dem Freunde, eine gefälligkeit. Werfen Sie diesen Brief auf die Stadtpost, aber heute Morgen noch; es liegt mir Alles daran, dass er im Laufe des Tages an seine Adresse gelangt, besonders aber, dass meine Dienerschaft die Adresse nicht sieht. Ich stehe zu allen Gegendiensten bereit."

"Mit grossem Vergnügen," entgegnete Artur, indem er das Billet neben sich legte. "Wenn ich für meine person die Adresse lesen darf und es mir nicht zu sehr aus meiner Route liegt, so werde ich ihn selbst besorgen, wenn es Ihnen recht ist."

"Natürlicher Weise!" entgegnete der Graf lachend, während er fort eilte; und er sagte noch unter der tür: "aber wenn Sie ihn selbst überbringen, so nehmen Sie sich in Acht; Sie könnten da in ein Kreuzfeuer von schönen Augen hineinkommen, das selbst einem Maler gefährlich werden dürfte. – Adieu!"

Damit eilte er fort, liess sich im Fluge den Mantel umwerfen und traf den Baron schon an der Gartentüre neben dem kleinen Coupé stehend. Beide setzten sich ein und der Wagen schoss mit einer ausserordentlichen Geschwindigkeit davon.

"Da fällt mir eben ein," sagte der Baron, der sich jetzt in seine Ecke geschmiegt hatte, "Sie könnten mir einen kleinen Dienst erzeigen, Graf Fohrbach, und ich bin überzeugt,