1854_Hacklnder_152_83.txt

. Glauben Sie mir, für die Minister und dergleichen, die zum täglichen Rapport kommen, oder überhaupt für Alle, die Audienz haben, sind wir Adjutanten ein wahrer Barometer. Aus uns fiel der erste allerhöchste Sonnenblick, wenn ein solcher da war, oder wir bemerkten die ersten Wolken am Horizont aufsteigen, und diese Witterung zeigen wir nun an und verheimlichen sie, je nach Umständen."

"Durch den Anzug?"

"Durch den Anzug, durch den Ausdruck unseres Gesichts, ja durch die Stellung unseres Bartes."

"Ah! das ist ja erstaunlich!" rief Artur. "Und wer versteht sich auf diese kleinen und seinen Nuancen?"

"Alle, denen was daran gelegen ist. Ja, ihr meint, das Ding sei so leicht, man habe da nur im Vorzimmer zu stehen und eine Meldung zu machen. Nein, nein! Das will Alles durchdacht sein, denn ich versichere Sie, so gut es bei den Schauspielern denkende Künstler gibt, so gibt es auch bei uns denkende Adjutanten."

"Erstaunlich!" entgegnete lustig der Maler. – "Und wie betrachtet man einen solchen Barometer, den Sie heute vorzustellen das Glück haben; das heisst, wie liest und versteht man seine Zeichen?"

"Das ist nicht leicht zu sagen," erwiderte der Graf, indem er seinen Waffenrock zuknöpfte, den ihm der Kammerdiener zu gleicher Zeit fest in die Taille hinein zog. "Sehen Sie, zum Beispiel man hat seine Freunde, die man gerne avertirt, wie es drinnen aussieht, ohne ein Wort zu sprechen, denn Sie wissen, in dem Vorzimmer halten sich oft die Kammerdiener auf, die immens seine Ohren haben. Ist es ein schönes klares Wetter, so geht man vergnügt auf und ab, summt auch, natürlicher Weise pianissimo, eine kleine Arie oder steht in ruhiger Beschaulichkeit an einem der Fenster. Gibt es dagegen Wolken, so macht man ein ernstes Compliment, dreht den Schnurrbart ein klein wenig in die Höhe, oder rückt häufig an Säbel und Schärpe, um ja Alles in bester Ordnung zu haben."

"Und wenn nun der Barometer Sturm anzeigen soll?"

"Dann lehnt man sich gedankenvoll an eine Tischecke," erwiderte der Graf, indem er seinen Säbel festakte, "und hält vor allen Dingen den Federhut unter dem Arm. Es zeigt das an, dass man jeden Augenblick gewärtig sein kann, zu irgend einer unangenehmen Commission hinaus gesprengt zu werden."

Jetzt war die Toilette beendigt; der Kammerdiener steckte seinem Herrn ein parfumirtes Sacktuch in die linke tasche des Waffenrocks, reichte ihm Federhut und Handschuhe, und verliess darauf mit unhörbaren Schritten das Zimmer. Der Graf trat in das Nebengemach, stellte sich hinter den Stuhl des Künstlers, indem er das bald fertige Aquarell mit Wohlgefallen betrachtete.

Es war das Portrait einer schönen Frau, deren Jugend in die letzte Hälfte des vorigen Jahrhunderts fiel; das sah man an dem gepuderten Haar, und dem eigentümlichen Schnitt des Kleides, – das Bild der Grossmutter des Grafen, von welchem Artur seinem Freunde gerne eine schöne Copie machte.

"Ich bin Ihnen für Ihre gelungene Arbeit sehr dankbar," sagte der Hausherr; "ich habe schon lange gewünscht, dies Bild zu besitzen."

"Von Dank kann keine Rede sein," entgegnete der Maler. "Ich bin noch stark in Ihrer Schuld; die beiden alten köstlichen Reiterpistolen, die Sie mir neulich verehrten, sind wahre Meisterwerke und machen den schönsten teil meiner Sammlung aus."

"Kleinigkeiten!" versetzte der Graf, indem er sich auf die Lehne des Stuhles stützte. "Wenn das Aquarell fertig ist, so werde ich noch eine Büchse dazu auftreiben. Es ist schade, dass ich Ihre Liebhaberei für alte Waffen nicht früher kannte, ich habe schon so manches wertvolle Stück verschleudert. – Doch indem ich hier plaudere, fällt mir ein, dass draussen der Baron sitzt und wahrscheinlich ungeduldig meine Rückkunft erwartet."

"Das glaube ich nicht; er sitzt ruhig am Tische, trinkt seine Chocolade und liest die Zeitung. – eigentlich ein seltsamer Herr."

"Allerdings ist er in manchen Beziehungen ein sonderbarer Mensch, aber ein guter Kerl und ich mag ihn wohl leiden."

Der Maler schaute sich nach dem Salon um; als er aber sah, dass der Teppich vor der tür hing, blickte er wieder auf seine Arbeit.

"Unbesorgt!" lachte Graf Fohrbach, der diese Bewegung gesehen; "das ist Alles bei mir wohlweislich eingerichtet. Ich mag es nicht leiden, wenn die Bedienten zu viel hören; ich muss doch irgend ein Asyl haben, wo ich vollkommen allein sein kann. – Beide Türen, die zum Schlafzimmer und die zum Salon, haben geheime Federn und bleiben nie offen stehen. Sie fallen geräuschlos in's Schloss und sind so sorgfältig gearbeitet, dass nicht das lauteste Wort durchdringen kann."

"kennen Sie den Baron schon lange?" fragte anscheinend gleichgültig der junge Maler.

"Seit ungefähr einem halben Jahre; ich gehe sonst nicht leicht neue Bekanntschaften ein, aber er brachte mir von W., woher er kam, ganz ausserordentliche Empfehlungen von guten Freunden. Auch amusirt mich zuweilen sein geziertes Wesen; er ist dabei gutmütig, sehr gebildet, hat viel gesehen, und, wenn er will, erzählt er vortrefflich. Eine innige Freundschaft möchte ich gerade nicht mit ihm eingehen, aber zum gewöhnlichen Umgang gefällt mir die Art, wie