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einigermassen geschmeichelt, dass ihr Vorschlag mit Akklamation gut geheissen wurde. Wenn sie auch ihren Willen auf alle Fälle durchgesetzt hätte, so war es ihr doch angenehm, auf keine grossen Widerreden zu stossen.

"Darf ich auch mitmachen?" fragte Marianne ihren Gemahl.

Worauf Alfons, der am Fenster ein ziemlich freundliches Gesicht gemacht hatte, jetzt die Augenbrauen finster zusammen zog, die Brille empor rückte und in wegwerfendem Tone entgegnete: "liebes Kind, das muss man jüngeren Frauen und Mädchen überlassen. Ueberhaupt kannst du als Tochter des Hauses nur vielleicht daran denken, einen Platz im Hintergrunde einzunehmen, wenn gerade ein solcher vorhanden wäre, und ihn Niemand anders ausfüllen will. Da stehe ich für meine person in keinem lebenden Bilde, und es würde mir am Ende nicht gerade passend erscheinen, wenn du mit fremden jungen Leuten da in allerhand sonderbare Stellungen kämest."

Die Commerzienrätin hob ihre Nase um einige Zoll empor und antwortete mit einem scharfen blick aus ihren grauen Augen: "Die Arrangements sind meine Sache, Herr Schwiegersohn und wenn ich es vielleicht für gut finde, Marianne irgendwo zu plaziren, so würden Sie wohl nichts dagegen haben."

"Und warum nicht?" fragte Herr Alfons ziemlich hochmütig. "Sie wissen, Mama, ich achte Ihre Arrangements bis an die tür meiner wohnung; was dahinter zu befehlen ist, besorge ich selbst."

"Ruhig! ruhig!" sagte beschwichtigend der Commerzienrat, denn er sah, wie der Teint seiner Ehehälfte anfing etwas gelblich zu unterlaufen. "Hat man denn keine Ruhe vor euch? Das wird sich ja Alles finden; Madame wird arrangiren, wie sich von selbst versteht."

Alfons lächelte seltsam in sich hinein.

"Der sollte deine Frau haben," sagte die Schwester in der Sophaecke missmutig zu Eduard.

"Oder ich etwas von seinem harten und festen Temperament," entgegnete dieser seufzend.

"Also lebende Bilder!" rief Artur freudig. "Vortrefflich, in der Tat, Mama! – Und Sie überlassen mir die Anordnungen?"

"Du wirst den Saal unter meiner Aufsicht herrichten," erwiderte ernst die Dame, "du wirst über einige Bilder nachsinnen und sie mir zur Auswahl vorlegen."

"Schön, schön. – Und welche Arten von Bildern wünschen Sie hauptsächlich, Mama? Sollen es Genrebilder sein oder sollen wir auch stellen nach bekannten historischen Gemälden, nach heiligen Bildern und dergleichen?"

"Von Allem etwas," meinte die Commerzienrätin. "Ich werde dir eine Liste anfertigen von den achtbarsten Personen, die ich zur Mitwirkung einladen will."

"Nur von den achtbarsten Personen?" fragte der Sohn kleinlaut.

"Wie so?"

"Nun, ich dachte, Mama, man sollte eigentlich auf die schönsten Gesichter und Figuren sehen, und wer am besten hier und dort zu gebrauchen ist."

"Auch das, aber ich kann den Rang und Stand nicht ganz ausser Augen lassen."

"O weh, Mama!"

"Ich weiss, was sich schickt," fuhr unerschütterlich die alte Frau fort. "Ich kann doch zum Beispiel in einem Bilde einer Kanzleirätin nicht eine besonders schöne Figur zuteilen, und von einer Oberregierungsrätin verlangen, dass sie sich mit Geringerem begnüge!"

"Dann lassen Sie lieber Beide weg, Mama, und nehmen nur jüngere Personen."

"Jüngere Personen?" fragte ernst die Mutter. "Und wer will da eine Grenzlinie ziehen? In lebenden Bildern zu stehen, fühlt sich jede jung genug, und mit Costüm und Schminke lässt sich schon viel ausrichten."

"Da Sie von Costümen sprechen, Mama," sagte Artur nach einer längeren Pause, "wie wollen Sie, dass es damit gehalten wird? Wenn Sie wünschen, so bitte ich den Intendanten des Hofteaters, uns mit Einigem auszuhelfen."

"Costüme des Teaters!" versetzte ernst die Commerzienrätin, indem sie den Kopf schüttelte. "Das wird nicht wohl angehen. Kleider von Leuten wie Sängerinnen, Schauspielerinnen, Tänzerinnen und dergleichen Personen in mein Haus bringen zu lassen, wäre mir nicht angenehm; auch würde mir das manche Mutter einer unschuldigen Tochter wegen verübeln."

"Aber die Kleider können doch ihrer Sittsamkeit nichts schaden!" meinte Artur halb ärgerlich.

"Solche Personen," fuhr ernst die Mutter fort, "Tänzerinnen und dergleichen können sich etwas darauf einbilden, auf diese Art mit uns in Berührung gekommen zu sein. Und ich mag das nicht."

"Aber der Zweck heiligt die Mittel," sprach begütigend der Commerzienrat. "Und ich glaube, wenn man etwas Schönes arrangiren will, so kann man wahrhaftig nicht ohne die Costüme des Teaters sein."

"Sie tun gerade, Mama," bemerkte Artur, "als würden uns dieselben angeboten und wir hätten nur so das Recht, sie zu verwerfen. Es ist überhaupt noch eine grosse Frage, ob man uns Costüme bewilligt. Und dann nehmen Sie mir nicht übel, wenn auch die meisten der eingeladenen Damen es sich leider für keine Ehre rechnen, mit Schauspielerinnen und Tänzerinnen in Berührung zu kommen, so werden sie dagegen, wo es sich um Vergnügen handelt, die Kleider derselben nicht verschmähen. Es ist gerade so mit dem Teaterbesuch; ich kenne Herren und Damen genug, die vor einem Ballet auf ihrem Gesicht die ausserordentlichste Verachtung zeigen, und die es im Gefühl ihrer Würde und Unschuld nicht begreifen können, wie es einer der Tänzer und namentlich der Tänzerinnen wagen