, Mama?"
Die Commerzienrätin wandte ihre spitze Nase ruhig nach dem Fenster, glättete den Kragen ihres Chemisettes und entgegnete: "Das will ich meinen, mehr als genug!"
"Hörst du es, Artur, was Mama gesagt, mehr als genug –?"
"O, ich habe das schon tausendmal gehört."
"Und Mama hat Recht," fuhr der Commerzienrat fort. "Künstler, – nun ja, es soll am Ende auch solche Leute geben, und wer einmal angewiesen ist, sein Brod auf diese Art verdienen zu müssen, der kann es in Gottes Namen tun; aber in unserer Familie bist du der Erste, der sich – wie soll ich sagen? – veranlasst sah, keinen – eigentlich soliden Geschäftszweig zu ergreifen."
"Der Erste," sagte bestimmt die Commerzienrätin; "und von der ganzen Malerei hast du, wie es mir scheint und wie ich mir sagen liess, die unsolideste Branche erwählt."
"Eine unsolide Branche?" fragte Artur verwundert, indem er sein Gesicht vom Fenster in's Zimmer wandte. "Ah, Mama! das genau zu erfahren wäre ich neugierig."
"Die unsolideste," entgegnete fest die Commerzienrätin. "Was bringst du eigentlich zu stand? – Eine Landschaft, an der man sein Vergnügen haben könnte? – Nein! – oder ein würdiges Portrait? – Auch das nicht! Da zeichnest und malst du allerlei Firlefanz, so dass man den Leuten, die für deine Kunstfertigkeit schwärmen, nichts von deinen arbeiten zeigen kann, ohne in Verlegenheit zu geraten."
"Das ist schon wahr," sagte Alfons leise und lachend, "Venus malst du zu oft, und badende Mädchen, auch Tänzerinnen und dergleichen."
"Mama hat Recht," sprach wichtig der Commerzienrat, indem er den Versuch machte, seine Weste herab zu ziehen; "das eigentlich Solide fehlt dir. Hast du nicht vor einem halben Jahr das Portrait unserer Freundin, der Oberregierungsrätin, ganz vergeblich angefangen? Hast du es nicht trotz ihres oftmaligen Erinnerns bis jetzt unvollendet gelassen?"
"Einer so würdigen Frau von so gutem haus," setzte ernst die Commerzienrätin hinzu.
"Allerdings," sagte Artur, "eine würdige Dame mit rotem gesicht, rötlichem Haar, die gemalt zu sein wünschte in einer Haube mit roten Bändern, in einem roten Kleid und rotem Shawl. Das war nicht auszuhalten. Es hätte meine Augen ruinirt."
"Es wäre aber ein artiges Bild geworden," meinte Alfons ironisch, "das vielleicht irgend einmal bei einem Stierkampf hätte verwendet werden können."
"Tomas!" rief die alte Frau ihrem Gatten, ohne den Worten ihres Sohnes und Schwiegersohnes weiter Aufmerksamkeit zu schenken, "wir sind jetzt alle so ziemlich hier versammelt – nur deine Frau fehlt wie gewöhnlich," wandte sie sich mit Beziehung an ihren älteren Sohn, – "und könnten also in einige überlegung ziehen, wann und auf welche Art wir die grosse Soirée veranstalten wollen, die ich für unumgänglich notwendig gefunden habe, nächstens den uns befreundeten Familien zu arrangiren."
"Ganz recht, mein Kind," entgegnete der Commerzienrat, während er sich die hände rieb; "wir müssen ziemlich ausgedehnte Einladungen machen."
"Aber in gehörigen Grenzen," antwortete ernst die alte Dame.
"Das versteht sich ganz von selbst."
"Bis zur sechsten Rangklasse," sagte Alfons lächelnd, aber leise zu Artur.
"Soll getanzt werden, Mama?" fragte Marianne.
"über die Art dieser Soirée bin ich noch nicht mit mir im Reinen," entgegnete die Commerzienrätin; "ein Ball, ein einfacher Té dansant ist etwas Gewöhnliches, ich möchte wieder etwas Neues arrangiren, etwas, von dem man auch spräche, das uns Veranlassung gäbe, so viel wie möglich der Bekannten und Freunde einzuladen."
"So warten Sie doch bis Carneval, und arrangiren Sie alsdann einen maskirten Ball."
"Ich hasse die Maskeraden. Aber ich habe etwas Anderes ausgedacht."
"Das ist auf jeden Fall vortrefflich," sagte der alte Herr, wobei er sich dem Sopha näherte. – "So lass hören!"
"Ich denke," fuhr die Frau würdevoll fort, "wir veranstalten lebende Bilder; der grüne Saal wäre ganz Passend dazu, es liesse sich da sehr gut ein Vorhang anbringen, und dann hat auch Artur bei dieser Veranlassung die beste gelegenheit, den Leuten zu beweisen, dass er auch in seiner Kunst etwas Reelles zu leisten versteht."
"Die idee, Frau Mama, ist charmant," sprach der Maler. "Lebende Bilder, hübsch arrangirt – wahrhaftig ein vortrefflicher Gedanke! Ich werde mich der Sache mit allem Eifer annehmen."
"Der grüne Saal ist ganz passend dazu," meinte der Commerzienrat.
"Nicht übel," sagte Alfons mit einem beistimmenden Kopfnicken.
Und Marianne flüsterte ihrem Bruder zu: "Ich würde mich gern darauf freuen, aber du wirst sehen, mein Mann erlaubt mir nicht, dass ich ebenfalls mitmachen darf."
"Und meine Frau," entgegnete der Bruder verstimmt, "wird an so dummem Zeug, wie sie sagt, keinen Spass finden – nachdem nämlich ihre Laune ist – und mir schon zum Voraus den ganzen Abend verderben."
"Gewiss, mein Kind," versetzte der Commerzienrat, "wir sind stolz auf deine Erfindung."
Die alte Dame fühlte sich