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verfinstern, das ist jenen Sklaven gleichgültig: ihr Herr sorgt für sie und ihre Kinder, und ihnen ist es ganz recht, wenn sie wochenlang im angenehmen Nichtstun vor ihren Hütten sitzen können; ihnen schmilzt nicht jeder fallende Regentropfen das Brod im Schranke wie unserem Taglöhner. – Ah! es wären wahrhaftig für unsere deutschen Leser keine Uebersetzungen und keine Illustrationen notwendig; sie sollten nur verstehen, auf Strasse und Feld zu lesen und zu schauen; aber das Elend, das wir täglich vor uns erblicken, hat für die empfindsamen Leser und Leserinnen jenes Romans nicht das Pikante, das Appetitliche, nicht das wollüstig die Nerven Kitzelnde, wie die geschichte der jungen schönen Mulattin, die von ihrem Herrn verfolgt wird und bereit ist, eher ihr Leben herzugeben als ihre Ehre. – Ah! das liest sich vortrefflich und sieht sich ausserordentlich schön an. Aber wie schon gesagt, um auch das lebendiger und wahrer zu haben, dazu braucht man nicht nach Onkel Tom's Hütte zu gehen; das haben wir Alles bei uns ebenso schön in der lieben Heimat."

"Sehr wahr," meinte Herr Beil, wobei er es nicht unterlassen konnte, einen festen blick auf seinen Principal zu werfen, der unterdessen von seinem Stuhl herabgerutscht war, und nun der ernsten Conversation durch ein ziemlich misstöniges lachen eine heitere Wendung zu geben versuchte.

"eigentlich haben Sie mit Ihrem lachen Recht, Herr Blaffer," fuhr Artur fort. "Warum auch trübselige Gedanken! Kurz ist das Leben, treten wir so viel wie möglich auf die Sommerseite desselben, und wenn wir ja einmal durch schwarze Schatten hindurch müssen, nun, so wollen wir uns bemühen, auch daraus etwas zu lernen. – Jetzt ersuche ich Sie aber, einen Augenblick mit in's Nebenzimmer zu kommen, ich will Ihnen da in der Geschwindigkeit meine Bedingungen wegen der Illustrationen mitteilen. – Herr Staiger," wandte er sich an diesen, "Sie bitte ich, noch einen Augenblick zu bleiben; wir gehen zusammen fort, wenn es Ihnen recht ist."

Was nun der Künstler im Nebenzimmer mit dem Buchhändler verkehrte, halten wir nicht für unsere Pflicht, dem geneigten Leser genau anzugeben: nur das Resultat der Unterredung soll er erfahren, weil es für den alten Mann draussen ein angenehmes war. Der Buchhändler nämlich, als er in's Comptoir zurück kam, schritt mit einem gerade nicht zu sauren gesicht gegen seinen Pult, öffnete die Kasse und händigte dem überraschten Herrn Staiger den gewünschten Vorschuss von vier Gulden ein, wobei er lächelnd sagte: "Sehen Sie, mein Verehrtester, ich mache mir eigentlich ein Vergnügen daraus, Ihren Wunsch zu erfüllen: es ist nur meine Gewohnheit, jede Sache reiflich vorher zu überlegen. Wahrhaftig, ich bin nicht unerkenntlich für Ihre an sich gar nicht so schlechte Uebersetzung, und sowie sich die Zahl der Abnehmer unseres Romans auf zweitausend steigert, mache ich es mir zur Pflicht, Ihr Honorar auf drei Gulden zu erhöhen, ja, sobald sich die Abnehmer vermehren, was voraussichtlich in den nächsten Monaten geschehen kann – – wollte sagen in den nächsten Wochen," verbesserte sich Herr Blaffer, denn er fing einen bedeutsamen blick des Malers auf, "ja vielleicht mit dem nächsten Posttage; wir wollen sehen, wir wollen sehen!"

Herr Blaffer hatte durch all' das Vorgegangene einen anstrengenden Morgen gehabt, und als sich nun der alte Mann mit Artur unter vielen Danksagungen entfernt, zog der Principal einen dicken Paletot an, verschloss seinen Pult sorgfältig, nahm Hut und Stock und entfernte sich, um, wie er sagte, noch einen wichtigen Geschäftsgang zu machen. Dergleichen wichtigen Geschäftsgänge kamen übrigens um die Essensstunde einige Mal in der Woche vor; Herr Blaffer war nämlich Junggeselle, also liess er nicht die zarte Hälfte seines Ich's zu haus zurück und konnte sich beruhigt in das Wirtshaus begeben, um dort etwas Besseres zu verzehren, als dem Herrn Beil, der ebenfalls im haus beköstigt wurde, und dem Lehrling vorgesetzt zu werden pflegte.

Der Buchhändler verliess also sein Haus, und der blasse Lehrling, der bis jetzt Bücher eingepackt, eilte an ein Fenster, das auf die Strasse ging, und wartete da, bis der Principal um die nächste Ecke verschwunden war.

Herr Beil hatte sich wieder auf seinen Comptoirstuhl gesetzt und nahm mit triumphirendem lachen das Blatt in die Hand, welches Artur zurückgelassen. "Sehen Sie," rief er seinem schmächtigen Untergebenen zu, "da steht er, wie er leibt und lebt, der Sklavenhändler Blaffer, und auch wir sind nicht vergessen, mich hat er auf Ehre als Onkel Tom dahin conterfeit, und da unten das miserable Ding mit den auffallend gekrümmten Schienbeinen und dem verwahrlosten kopf gleicht Ihnen wie ein faules Ei dem andern."

Der Lehrling schien aber keine besondere Lust zu haben, auf diese Spässe einzugehen. Er setzte sich auf die Kiste hinter der tür, liess den Kopf melancholisch auf die Brust sinken und stiess einen tiefen Seufzer aus.

"Nun," sagte Herr Beil, indem er über den Bogen Papier hinweg sah, "wo fehlt's Ihnen, junger Buchhändler? Sehen Sie nicht wahrhaftig aus wie unser würdiger Chef, wenn er einen Retourzettel erhält, auf dem geschrieben steht: Wird nur gegen Baar expedirt. – Hat Sie die Unterredung von heute Morgen angegriffen?"

Der Lehrling schüttelte betrübt den Kopf.

"Oder ist Ihr Hunger stärker als gewöhnlich? – Auch das nicht? – Nun,