Drohungen hiezu angehalten werden – eine Erscheinung, die aber rein aus ihrem geknechteten Zustand herzuleiten ist. Sie dürfen Sonn- und Festtage halten, sie haben freilich ihre Tanz- und anderen Vergnügungen; der grösste teil der Herren pflegt seine Sklaven, wenn sie krank werden, hält meistens einen eigenen Arzt hiezu auf seiner Pflanzung, füttert sie aus der Vorratskammer, wenn zufällig einmal Misswachs eintritt; – und gerade in dieser guten Behandlung liegt das Empörende. Denn glauben Sie nicht, dass der Pflanzer mit seinen Sklaven aus Mitleid so umgeht! Nein, er tut es nur, weil sie ihm als blosse Waare gelten; er nährt, kleidet, pflegt sie, sorgt auch, wie gesagt, für ihr Vergnügen, aber er tut das nur, um sie, als Waare betrachtet, nicht unter ihren Wert herab zu bringen."
"Aber er tut es," versetzte ruhig Herr Beil, "und da er es nun einmal tut, sind die Schwarzen jenseits des Oceans wahrhaftig nicht so schlimm daran, wie ihre weissen Brüder diesseits."
"Das ist ihr materielles Wohl, das tierische, gemeine Leben. Sehen wir aber die andere, die Schattenseite dieses Bildes, wie sie uns die geistreiche Amerikanerin in diesen vortrefflichen Heften schildert."
"Bei Johann Christian Blaffer und Compagnie," murmelte der Commis. "Halten Sie gefälligst Ihr Maul, Herr Beil," entgegnete der Buchhändler-Principal, der für sein Buch die Lanze eingelegt hatte, und nun, ein zweiter Don Quixote, gegen etwelche Windmühlen loszurennen im Begriff war. – "Also die andere Seite, die eigentliche Knechtschaft! Man achtet nicht das Heiligste, was der Mensch besitzt, die Familienbande; man reisst sie gewaltsam aus einander, damit der Vater hier untergehe in Not und Jammer, die Mutter dort, die Kinder verkümmern unter der Peitsche ihrer Peiniger."
"Das kommt auch bei uns vor," sagte gedankenvoll der alte Mann, "nur dass es nicht gerade öffentlich geschieht auf dem Sklavenmarkt unter dem Hammer des Auctionärs, aber dafür desto mehr im Geheimen. Auch sind es nicht wohlbeleibte Pflanzer, die hier so die Familien zerreissen und Mutter von Kind trennen, sondern viel schlimmere Gebieter: Hunger, Not und Laster aller Art, und ich möchte in der Tat wissen, ob jene schwarze Mutter, deren Kind man verkauft, das also den Herrn wechselt, ohne aber desshalb schlechter gehalten zu werden, schlimmer daran ist, als eine weisse, die gezwungen ist, ihr Kind zum Vetteln herzugeben, und die sehen muss, wie es siech und elend wird, langsam dahin stirbt oder sich durchreisst, um später jedem Laster in die hände zu fallen."
"Auch kauft man bei uns Kinder genug," sagte gleichmütig Herr Beil, "namentlich Kinder weiblichen Geschlechts, wenn sie über sechszehn Jahre alt sind."
Der blick des Principals, welchen er für diese Bemerkung seinem Commis zuschleuderte, war ein entsetzlicher blick, und die Bewegung, die er hervorgerufen, brachte den würdigen Buchhändler ganz aus seinem Vortrag heraus. Er fuhr mit der Hand über die Stirne, schnappte nach Luft und bemerkte nach einem augenblicklichen Stillschweigen mit erzwungenem Lächeln: "Es ist eigentlich sonderbar, wie so ein gewaltiger Stoff einem die Nerven aufregt."
"Ja, ja," erwiderte Artur, der unterdessen die Gestalt des Buchhändlers, den er als Sklavenhändler skizzirt, mit ein paar Strichen vollendete, "wir sind dadurch ganz von unserem Tema abgekommen."
"O es ist nicht der Mühe wert," meinte Herr Blaffer.
Worauf der Commis halblaut sagte: "Es ist freilich nicht der Mühe wert, das Honorar nämlich; – aber er muss es Ihnen aussprechen; dringen Sie nur darauf."
"Nun, Herr Staiger," fuhr der Maler fort, "was bringt Ihnen so ein mühevolles Tagewerk? Was verdienen Sie bei der Uebersetzung eines Bogens?"
"Das Honorar ist ein Gulden und dreissig Kreuzer," sagte der alte Mann.
Welche Worte Artur mit einem Tone wiederholte, als habe er nicht recht gehört. – "Ein Gulden und dreissig Kreuzer für vierzehnstündige mühevolle Arbeit des Geistes und des Körpers! Ein Gulden dreissig Kreuzer, die Ihnen nur so lange bezahlt werden, bis Ihr Verstand die Marter nicht mehr erträgt, Tage, Wochen lang die Punkte und Striche hinzumalen, die man Buchstaben nennt! Die Sie sogar nicht erhalten, wenn es Ihnen einmal nicht gelingt, einen Tag Ihrer Frohnarbeiten zu vollenden, die Sie an Sonn- und Festtagen nicht haben, wenn Sie auch diese Tage, die doch zur Ruhe bestimmt sind, nicht ebenfalls mit Ihrer schweren, schweren Arbeit ausfüllen!"
"Aber, mein lieber Herr," entgegnete der alte Mann mit einem sanften Tone, "ich teile da das Schicksal von Tausenden und aber Tausenden meiner Mitmenschen, von allen Denen, die um Taglohn arbeiten, und bin am Ende weit besser daran als diese. Mich hindert doch keine Witterung an meiner Arbeit, ich kann an meinem Schreibtisch sitzen, mag die Sonne scheinen oder mag es regnen oder schneien."
"Ja, das ist wahr," versetzte der Maler; "was das anbelangt, leben Millionen unserer Arbeiter in traurigeren Verhältnissen als Sie, verehrtester Herr, aber auch als jene Schwarzen, deren Jammer uns so nachdrücklich vor Augen geführt wird, den Sie übersetzen, den ich illustrire. Mag ihnen dort die Sonne scheinen oder mag Sturm und Regen den Himmel