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Antwort er geben sollte. Er blickte auf den Buchhändler, der ein Lineal heftig zwischen den Fingern drehte, dann sah er den Herrn Beil an, der ihm auf eine so heftige und eindringliche Art zunickte, dass er sich eines kleinen Lächelns nicht erwehren konnte.

"Nun?" fragte der Maler.

"Ja – a, ja – a – a, es ist eigentlich so, wie Herr Blaffer sagt," meinte der alte Mann, "wenn man viel arbeitet, so kann man Etwas verdienen; ich zum Beispiel –"

"Aber was kann Sie das interessiren!" warf der Buchhändler dazwischen. "Kommen Sie einen Augenblick in meine Wohnstube, wir wollen unsere Conditionen wegen der Zeichnungen festsetzen, und dann will ich Ihnen auch wohl gern Einiges über die Uebersetzungsgeschichten sagen."

"Lassen Sie doch den Herrn Staiger sprechen," entgegnete Artur gleichgültig. "Gott! mein verehrter Herr Blaffer, wir kennen ja einander. Wenn Sie zu Papa auf die Kasse kommen, so weiss ich, dass man Sie dort gern über alles Mögliche belehrt." – Dies war eigentlich ein Stich auf den Buchhändler, denn wenn er Geldgeschäfte hatte, Wechsel umsetzte, oder fremde Papiere einhandelte, so studirte Niemand genauer die Kurszettel als der Herr Blaffer, der oftmals unbescheiden genug gewesen war, wegen einiger Gulden die Einsicht in Correspondenzen zu verlangen.

"Nun also –?"

"gewöhnlich stehe ich des Morgens um vier Uhr auf," sagte der alte Mann, "mache mir ein kleines Feuer an, rücke meinen Tisch an den Ofen, und wenn meine Finger, die während der ebengenannten häuslichen Geschäfte etwas einfrieren, wieder warm geworden sind, so nehme ich meine Feder und fange an zu arbeiten. Allemal aber habe ich schon eine Stunde vorher in meinem Bette einige Kapitel durchlesen müssen, damit mir die Arbeit nicht ganz fremd ist. So arbeite ich fort bis um sieben Uhr, wo die Kinder aufstehen undnach ihrem Frühstück verlangen." – Dies sagte Herr Staiger mit einem trüben Lächeln. – "Darum habe ich mich aber nichts zu bekümmern," fuhr er fort, "denn meine älteste Tochter Clara sorgt dafür, wesshalb es mir auch keine Zeit wegnimmt. Diese fünf Stunden nun, von Vier bis Neun, sind mir aber die kostbarsten, denn da Clara um neun Uhr fortgeht, so befinde ich mich von der Zeit an mit den kleinen Kindern allein und werde alle Augenblicke von ihnen gestört, besonders von meinem Buben, der noch nicht in die Schule geht. Bald muss ich ihn vom Fenster wegholen, bald ihm irgend ein Spielzeug machen, damit er ruhig sitzt, und wenn es elf Uhr geworden ist, so muss ich auch sehen, dass das Feuer wieder besser brennt, damit Clara, welche um Mittag kommt, in sehr kurzer Zeit unser Essen fertig bringt. Von zwölf bis Eins nun ist meine Erholung; nach dieser Zeit fange ich wieder an zu arbeiten, und schreibe dann so fort bis neun, zehn, auch Wohl elf Uhr."

"Und was haben Sie dann vor sich gebracht," fragte eifrig der Maler, "in der Zeit eines solchen langen Tages?"

"Wenn es mir gut von der Hand geht, einen ganzen Bogen," antwortete Herr Staiger. "Wissen Sie, mein lieber Herr, sechszehn enggedruckte Seiten, wie das hier ist keine Kleinigkeit."

"Das kann ich mir denken," sagte Artur seufzend. "Gott! wenn ich mir das vorstelle, unsereins, so an Luft und Freiheit gewöhnt, sollte so hinsitzen über das Papier gebeugt, Stunde um Stunde arbeiten, mit dem geist und mit der Hand, immer in zwei Sprachen denken; ah! ich bin überzeugt, ich meines Teils würfe die Feder nach der ersten Stunde weg! – Nun aber haben Sie einen ganzen Bogen beendigt. Jetzt hoffe ich doch, Sie wissen warum? Sie werden nun doch ein Anständiges verdient haben, so dass Sie zum Beispiel nach dreitägiger angestrengter Arbeit in der Woche die übrige Zeit Ihrer Erholung widmen können oder etwas zurücklegen für Ihre Kinder."

Dem Herrn Blaffer war diese Unterredung offenbar peinlich und unangenehm; er rückte missmutig hin und her, er schnappte nach rechts und nach links, er zog an seiner ohnedies sehr langen Nase, und sagte endlich, indem er es, aber nicht ganz logisch, versuchte, ein anderes Tema anzuschlagen: "O, was wollen Sie, bester Freund! arbeiten muss ein Jeder, ich, Sie, der grosse teil der Menschen, die da leben, und wenn auch Manche von uns angestrengter arbeiten, als die anderen schaffen müssen, so leben sie dafür in einem wohlgeordneten civilisirten staat, der ihr Eigentum schützt, ihren Herd, Weib und Kind beschirmt vor roher Gewalt. – Das muss man einsehen; man muss mit seinem Schicksal zufrieden sein, man muss bedenken, wie viele Tausende von Menschen viel schlimmer daran sind als wir, wie Unzählige in einer Sklaverei leben, gegen deren Leiden unsere Mühe und Not wahrhaftes Labsal zu nennen ist, – wahrhaftig, aus dem Gesichtspunkte kann man dies vortreffliche Buch der amerikanischen Dame nicht genugsam preisen und loben. Freilich, materielle Entbehrungen haben jene unglücklichen Sklaven im Allgemeinen nicht zu ertragen; sie wohnen gut, sie essen und trinken nicht schlecht, sie sollen sich auch, wie aufmerksame Beobachter versichern, bei der Arbeit nicht übermässig anstrengen, und überhaupt nur da arbeiten, wo sie durch