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nun," fuhr der Buchhändler fort, "sollen wir zu jeder Lieferung eine Illustration geben, was allerdings acht für den Band machen würde, oder wollen wir uns damit begnügen, für zwei Lieferungen eine herzustellen? – Was meinen Sie dazu, Herr Staiger?"

"Wenn man zu jeder Lieferung eine Illustration machte," sagte schüchtern dieser, "so würde das wohl die Kosten bedeutend erhöhen."

"Auf die Kosten kommt es Herrn Blaffer nicht an," versetzte der junge Mann, während er ruhig fortzeichnete, wenn die Arbeit nur gut wird.

"Allerdings," meinte kleinlaut der Principal; "nur ist das Holzschneiden eine sehr teure geschichte."

"dafür kosten Sie ja aber die Zeichnungen fast gar nichts," warf der Maler leicht hin. "Sie haben mich gebeten sie zu machen, und da ich mich gerade einmal in dem Genre versuchen möchte, so zeichne ich Ihnen die Illustrationen für eine Kleinigkeit."

"Ja, ja," sprach mühsam lachend der Buchhändler, "was ihr Herren Kleinigkeiten nennt. – Nun, es kommt mir ja nicht darauf an. Also machen wir zu jeder Lieferung ein Illustration, und Sie werden sie mir gleich auf's Holz zeichnen."

Artur nickte mit dem kopf.

"So wären wir vorderhand im Reinen," fuhr Herr Blaffer fort, und sagte, indem er sich an den alten Mann wandte: "Jetzt hätten wir für heute nichts mehr mit einander abzumachen; besorgen Sie mir also das Manuscript zur fünften Lieferung und Sie sollen alsbald haben, was Sie gewünscht. – Guten Morgen, Herr Staiger!"

"Noch einen Augenblick!" bat der Maler, ohne aber von seinem Papier in die Höhe zu sehen. "Im Interesse der Illustrationen wäre es mir sehr erwünscht, mich zuweilen mit dem Herrn Staiger besprechen zu können. Wir wollen doch nicht gerade die gleichen Scenen wie in der englischen Ausgabe illustriren; der Ansicht werden Sie doch auch sein, Herr Blaffer?"

"Jedenfalls etwas ganz Neues," antwortete der Buchhändler. "Herr Staiger wird gewiss gern zuweilen in Ihre wohnung kommen."

"Gewiss," sagte der alte Mann, "wenn Herr Erichsen mir nur sagen will, wenn ich ihn zu haus treffe."

"Gott bewahre!" entgegnete eifrig der Maler, indem er sich aber noch tiefer auf das Blatt Papier niederbeugte. "Das werde ich nimmermehr zugeben, dass Sie Ihre kostbare Zeit in Gängen nach meiner wohnung verschleudern. Ein Künstler wie ich, der bald hier bald da ein Stück von der Aussenwelt gebraucht, schlendert viel in den Strassen umher, und wenn Sie mir – – Ihre wohnung angeben wollen und mir sagen, wenn ich Sie am besten treffe, so mache ich mit dem grössten Vergnügen, – gewiss mit dem grössten Vergnügen hie und da einen Sprung zu Ihnen."

"Es wird mir eine grosse Ehre sein," antwortete Herr Staiger, "wenn Sie meine Dachkammern aufsuchen wollen; aber sie sind etwas entlegenBalkengasse Nummer vierzig über vier Stiegen. – Was die Zeit anbetrifft, wo Sie mich zu haus finden, so bin ich gemeiniglich den ganzen Tag da; wenn ich je einmal ausgehe, so geschieht das zwischen zwölf und ein Uhr nach meinem Mittagessen."

"Balkengasse Nummer vierzig," sprach der Maler mit leiser stimme, während er eifrig fortzeichnete. "Ich will mir's gewiss merken."

Unterdessen war Herr Beil an den Pult getreten, und während er tat, als betrachte er sich die Zeichnung, welche Artur auf das Blatt Papier hinwarf, schob er diesem unbemerkt ein kleines Zettelchen zwischen die Finger, worauf die Worte standen: "Erkundigen Sie sich unbefangen nach dem Honorar, was für eine Uebersetzung bezahlt wird."

Herr Staiger hatte bereits den Drücker der tür in der Hand und wollte sich entfernen.

"Apropos!" sagte Artur ganz gleichgültig, "das Uebersetzen muss doch eigentlich ein gutes Geschäft sein. Man braucht keine Vorstudien zu machen, man schreibt eigentlich nur ab, man bezahlt gute Honorare; es muss doch etwas dabei zu verdienen sein. Nicht wahr, Herr Staiger?"

"O gewiss, wenn man fleissig ist," entgegnete statt des Gefragten der Buchhändler, "wenn es Einem rasch von der Hand geht."

"Wäre es indiscret von mir," fuhr der Maler fort, "wenn ich Sie fragte, wie viel zum Beispiel für einen solchen gedruckten Bogen dieser Onkel Tom's Hütte bezahlt wird?"

Diese Frage musste allerdings an gegenwärtigem Orte sehr indiscret erscheinen, denn Herr Blaffer zog seine Augenbrauen finster zusammen, Herr Staiger blickte zur Erde, und während Herr Beil eine ungemein freundliche Grimasse zog, sperrte der blonde Lehrling seinen Mund vor Verwunderung und Freude weit auf.

"Das ist eigentlich schwer zu sagen," nahm der Buchhändler nach einer längeren Pause das Wort; "ich bemerkte schon, wer fleissig ist, wem's von der Hand geht, der kann es schon zu was bringen."

"Da wäre also die erste Frage," fuhr der Maler unerschütterlich fort, während er die Gesichtszüge des Principals in einer erschreckenden Ähnlichkeit auf das Papier feststellte, "wie lange schreibt man an so einem Druckbogen? – Nun, Herr Staiger, Sie sind doch gewiss ein recht fleissiger Mann, was bringen Sie also an einem Tage vor sich?"

Der Gefragte wusste nicht recht, ob und was für eine